Kalenderblatt
Die Zahl 13 ist schon lange mit Unglück belegt, aber wie kam der Freitag zu ihr? Bildrechte: IMAGO

Ursprung des Aberglaubes Wie Freitag, der 13. zu einem Unglückstag wurde

Freitag, der 13. – ein uralter Aberglaube könnte man meinen, aber das wiederum ist ein Irrglaube. Die spezielle Geschichte des vermeintlichen Unglückstages ist weitaus jünger, als man denkt.

von Sven Hecker, MDR KULTUR

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Die Zahl 13 ist schon lange mit Unglück belegt, aber wie kam der Freitag zu ihr? Bildrechte: IMAGO

"Der Freitag ist im ganzen Menschenleben von der Geburt bis zum Tod bedeutungsvoll, wobei sich sein zwiespältiges Wesen immer wieder zeigt." – So heißt es 1930 ahnungsvoll wabernd im "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens". Der Freitag also – ein "zwiespältiges Wesen". Und noch nicht immer ein Unglückstag.

"Freitag" heißt er im Deutschen, "Venerdi" im Italienischen, ähnlich in anderen romanischen Sprachen. Bezeichnungen, die an für ihn bessere Zeiten erinnern. An Liebesgöttinnen, die römische Venus und die germanische Freya. Letztere ist zudem fürs Wetter zuständig. So wird der Freitag mancherorts ein bevorzugter Hochzeitstag, hat aber auch Bedeutung für Leben und Alltag.

Seit wann wir den Freitag nicht mehr mögen

Während in römischer und germanischer Zeit der Freitag als fröhlicher und glücklicher Tag galt, erhielt er in christlicher Zeit einen anderen Akzent.

Theologe Manfred Becker-Huberti

Gründe gibt es ja genug: Adam und Eva haben wohl an einem Freitag vom horizonterweiternden Apfel genascht und damit die Sünde in die Welt gebracht. Und war es nicht ein Freitag, an dem Jesus verraten und gekreuzigt wurde?

Vom Karfreitag hat der Freitag die unheilvolle Bedeutung als Unglückstag gewonnen.

Volkskundler Alois Döring

So kannte man im Volksglauben viele Vorstellungen, dass man etwa an einem Freitag nicht umziehen soll, Knechte und Mägde sollten am Freitag keinen neuen Dienst antreten, erklärt der Volkskundler Alois Döring. An einem Freitag geborene Kind seien Unglückskinder und wenn ein Jahr mit einem Freitag beginne, dann werde das ein sehr unglücksvolles Jahr. Hinzu kommt: Der Freitag ist als fünfter ein ungerader Wochentag – auch ein schlechtes Omen. Armer schwarzer Freitag!

Die unglückliche 13

Auch die Unglückszahl 13 habe eine lange Tradition, weiß Volkskundler Döring, denn sie ist die Übertretung der heiligen Zahl Zwölf. Die Zwölf findet sich im Zahlensystem, den Tierkreiszeichen, den zwölf Monaten und schließlich bei den zwölf Aposteln. Zum letzten Abendmahl sitzen 13 Menschen zusammen.

Die 13. Person wird entweder bezogen auf Christus, der den Tod erleidet oder eben auf Judas, den Verräter, der dann – so auch wieder die Volksüberlieferung – sich an einem Freitag erhängt haben soll.

Volkskundler Alois Döring

Wie der Freitag zur 13 kam

Zum größten anzunehmenden Terminunfall – Freitag trifft auf 13 – kommt es allerdings erst um das Jahr 1900 herum. Wie, das ist umstritten. Einiges spricht dafür, dass der "Schreckenstermin" durch einen US-amerikanischen Finanzmann und Schriftsteller populär gemacht wird: "Drei Uhr morgens wird Freitag, der 13., eine neue Bedeutung an der Wall Street haben." – So steht es in Thomas Lawsons Börsenroman "Freitag, der 13.", 1907 auch in Deutschland erschienen. Ein Wall-Street-Makler löst darin an besagtem Freitag durch Aktientricks einen Kursrutsch aus.

Eine andere Quelle brachte vor einiger Zeit der Volkskundler Stephan Bachter ins Gespräch: Das "6. und 7. Buch Moses" – Nein, keine Bibelschrift, sondern ein sogenanntes "Zauberbuch", eine "Spukschwarte", auf magisch und alt getrimmt, in großer Auflage erschienen aber erst ab 1950 in einem Braunschweiger Verlag. Laut Bachter fände sich hier der erste Hinweis darauf, dass man an einem Freitag, der auf den 13. Tag eines Monats fällt, keinesfalls etwas Wichtiges unternehmen soll – es werde fast immer Unglück bringen.

Ob aus Braunschweig oder vom Börsenexperten – Freitag, der 13. – offenbar eine Erfindung der ach so aufgeklärten, rationalen Moderne.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 13. Juli 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2018, 04:00 Uhr

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