Aleida und Jan Assmann
Aleida und Jan Assmann bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche Bildrechte: dpa

Auszeichnung Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Wissenschaftler-Ehepaar Assmann

Aleida und Jan Assmann
Aleida und Jan Assmann bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche Bildrechte: dpa

Die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann haben am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen. Das Ehepaar wurde für seine Forschung zur Erinnerungskultur von Gesellschaften ausgezeichnet. Die Preisverleihung bildet traditionell den Abschluss der Frankfurter Buchmesse.

Zur Begründung teilte der Stiftungsrat mit, die beiden hätten ein Werk geschaffen, "das für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist". Die Laudatio hielt der Literaturwissenschaftler Hans-Ulrich Gumbrecht, ein persönlicher Freund der Assmanns. Er sagte, bei dem Ehepaar sei die Leidenschaft füreinander nicht zu routinierter Partnerschaft oder Arbeitsteilung verkommen: "Sie lieben sich, weil sie – auch in ihren intellektuellen Stärken und Gesten – so sehr verschieden sind, und dieses Ganz-Anders-Sein ist für sie auch im Alter ein Feuer geblieben, das dem Denken zweifache Energie gibt."

In ihrer Dankesrede forderten Aleida und Jan Assmann von Europa eine globale Solidarität im Umgang mit ökonomischen und natürlichen Ressourcen, "damit es eine Zukunft nachfolgender Generationen überhaupt noch geben kann". Europa müsse sich auch mit den Menschen solidarisieren, die durch Kriege, Not und Gewalt zur Flucht gezwungen seien.

Es kann nicht angehen, dass es eine neoliberale Freiheit für die Bewegung von Kapital, Gütern und Rohstoffen gibt, während Migranten an Grenzen festhängen und wir die Menschen, ihr Leid und ihre Zukunft vergessen.

Aleida und Jan Assmann in ihrer Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche
Aleida Assmann
Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann Bildrechte: dpa

Die 71-jährige Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann beschäftigt sich im Schwerpunkt mit Erinnerungskultur. "Angesichts einer wachsenden politischen Instrumentalisierung der jüngeren deutschen Geschichte leistet sie in hohem Maße Aufklärung zu Fragen eines kulturellen Gedächtnisses einer Nation", bewertet der Stiftungsrat ihre Verdienste.

Ihr Werk weist darauf hin, dass ein offener und ehrlicher Umgang mit der Vergangenheit grundlegende Bedingung für ein friedliches Miteinander ist.

Aus der Begründung des Stiftungsrates

In ihrem jüngsten Buch plädiert Aleida Assmann angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte für einen neuen Gesellschaftsvertrag, in dem Menschenrechte, Werte wie Empathie und Solidarität sowie ein Kanon von Regeln für ein faires und respektvolles Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten maßgeblich sein sollten.

Portrait Jan Assmann
Der Ägyptologe Jan Assmann Bildrechte: dpa

Ihr 79-jähriger Ehemann Jan Assmann ist Ägyptologe und Kulturwissenschaftler. Er leiste mit seinen Schriften zum Zusammenhang von Religion und Gewalt sowie von Intoleranz und absolutem Wahrheitsanspruch einen unverzichtbaren Beitrag zum Verständnis der Friedensbereitschaft und Friedensfähigkeit der Religionen in der Weltgesellschaft, heißt es in der Begründung. In seinem Buch "Totale Religion. Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung" von 2016 beleuchtet er im aktuellen Bezug das Gewaltpotenzial monotheistisch geprägter Gesellschaften.

Höhepunkt der Frankfurter Buchmesse

Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben. Der Preis soll dem Frieden, der Menschlichkeit und der Verständigung der Völker dienen. Er geht dem Statut zufolge an Persönlichkeiten, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen" haben. In den vergangenen Jahren haben die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood (2017), die deutsche Publizistin Carolin Emcke (2016) und der deutsche Schriftsteller Navid Kermani (2015) die Auszeichnung erhalten.

ding caption/abstract = Die nominierten Friedenspreistraeger des Deutschen Buchhandels, Aleida und Jan Assmann 46 min
Bildrechte: imago/epd

Friedenspreisträger seit 2000 2000 Assia Djebar (algerische Schriftstellerin)
2001 Jürgen Habermas (deutscher Philosoph und Soziologe)
2002 Chinua Achebe (nigerianischer Schriftsteller)
2003 Susan Sontag (US-amerikanische Schriftstellerin)
2004 Péter Esterházy (ungarischer Schriftsteller)
2005 Orhan Pamuk (türkischer Schriftsteller)
2006 Wolf Lepenies (deutscher Soziologe)
2007 Saul Friedländer (israelischer Historiker und Autor)
2008 Anselm Kiefer (deutscher Maler und Bildhauer)
2009 Claudio Magris (italienischer Schriftsteller)
2010 David Grossman (israelischer Schriftsteller)
2011 Boualem Sansal (algerischer Schriftsteller)
2012 Liao Yiwu (chinesischer Schriftsteller)
2013 Swetlana Alexijewitsch (weißrussische Schriftstellerin)
2014 Jaron Lanier (US-Digitalpionier und Schriftsteller)
2015 Navid Kermani (deutscher Schriftsteller und Orientalist)
2016 Carolin Emcke (deutsche Publizistin)
2017 Margaret Atwood (kanadische Schriftstellerin)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 14. Oktober 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2018, 13:35 Uhr

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