20 Jahre UNESCO-Weltkulturerbe Gartenreich Dessau-Wörlitz: Corona überschattet Welterbe-Jubiläum

Vor 20 Jahren sind die Parkanlagen bei Dessau als Weltkulturerbe anerkannt worden. Hat das Gartenreich von dem Status profitiert? Und wie geht es ihm heute inmitten von Corona und Klimawandel? Ein Besuch vor Ort.

Blick über den Wörlitzer See mit Schloss Wörlitz im Hintergrund
Blick über den Wörlitzer See mit Schloss Wörlitz im Hintergrund Bildrechte: MDR/Felicitas Förster

Die Gondeln und Kähne fahren wieder, Schlösser und Ausstellungen haben wieder geöffnet, Besucherinnen und Besucher strömen in Scharen ins über 14.000 Hektar große Gartenreich. "Wir haben einen sehr guten Zuspruch und wahrlich einen Ansturm", sagt Brigitte Mang, Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Es kämen viele Gäste, die noch nie da gewesen seien und jetzt das Gartenreich für sich entdeckten.

Stiftung rechnet mit Millionendefizit

Brigitte Mang, Direktorin und Vorstand der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Brigitte Mang, Direktorin und Vorstand der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz Bildrechte: MDR/Felicitas Förster

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass im Gartenreich alles im Lot ist. So verweist die Direktorin auf die Schließung der Häuser im Frühling und darauf, dass momentan nur Führungen mit bis zu sechs, manchmal sogar nur bis zu vier Personen möglich sind. Sie spricht von "erhöhtem Personalaufwand" und Einkommensverlusten: "Wir rechnen im Moment mit einem Defizit von einer Million Euro."

Auch im Veranstaltungsprogramm hinterlässt Corona Spuren. Eigentlich wollte man dieser Tage mehrere Jubiläen feiern, zum Beispiel 20 Jahre Restaurierung des Schlosses Wörlitz und 20 Jahre Gartenträume Sachsen-Anhalt. Diese Veranstaltungen wurden verschoben auf nächstes Jahr.

Welterbe-Status: Was hat er gebracht?

Ein weiteres Jubiläum ist die Verleihung des UNESCO-Welterbe-Titels, ebenfalls vor 20 Jahren. Auch diese Feier wurde verlegt. Der Welterbe-Status hat dem Gartenreich weltweit zu Aufmerksamkeit verholfen. Aber war er auch eine Hilfe in finanzieller Hinsicht?

Die Wolfsbrücke im Wörlitzer Park
Die Wolfsbrücke im Wörlitzer Park Bildrechte: MDR/Felicitas Förster

Brigitte Mang wiegt den Kopf. Seit etwa 25 Jahren werde das Gartenreich restauriert, ungefähr gleichzeitig kam der Welterbe-Titel. "Das ist jetzt ein bisschen die Frage nach Huhn und Ei", sagt die Direktorin. Auf der einen Seite sei der Titel unterstützend gewesen, um Fördermittel des Bundes, des Landes und der EU zu bekommen. "Andererseits waren die Objekte auch in so schlechtem Zustand, dass man sie so und so von Grund auf sanieren musste."

Gerade heute aber helfe der Welterbe-Titel, meint die Direktorin im Hinblick auf den Masterplan Bau- und Gartendenkmalpflege. Dieser sieht vor, dass ein großer Teil der Anlagen innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre saniert und restauriert wird. Dafür rechnet die Stiftung mit 150 Millionen Euro.

Die Gärten: Wo der Klimawandel sichtbar wird

Absperrung im Wörlitzer Park: Die Unterhaltung der Gartenanlage ist durch Trockenheit und Hitze schwieriger geworden, erklärt Landschaftsarchitekt Michael Keller.
Absperrung im Wörlitzer Park: Die Unterhaltung der Gartenanlage ist durch Trockenheit und Hitze schwieriger geworden, erklärt Landschaftsarchitekt Michael Keller. Bildrechte: MDR/Felicitas Förster

Teil des Masterplans sind auch die Gartenanlagen. Diese haben natürlich gelitten unter den heißen, trockenen Sommern. Erkennbar wird das zum Beispiel an vertrockneten Ästen und Pflanzenteilen ohne Laub, beschreibt der leitende Landschaftsarchitekt Michael Keller.

Für ihn und seine Mitarbeiter bedeutet das vor allem: mehr Arbeit. "Die Unterhaltung einer Gartenanlage ist unter solchen Bedingungen schwieriger geworden", so Keller. Sie brauche dann "mehr Ressourcen, zum Beispiel für Reparaturen oder eben auch, um Pflanzenbestände, die jetzt unter Hitze gelitten haben, zu ersetzen."

Der Garten als Zukunftslabor

Trotzdem sieht Michael Keller die Anlagen weniger als Problemfall, sondern eher als Chance. Für ihn sind sie "Erprobungsorte für fremdländische Gehölze" – und das seit 200 Jahren. Man entdecke jetzt, dass man robustere Arten, die mehr Trockenheit und einen längeren Sommer vertragen, schon längst im Inventar habe.

Michael Keller, Leiter der Abteilung Gärten und Gewässer der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Michael Keller Bildrechte: MDR/Felicitas Förster

Die historischen Gärten sind eigentlich die Labore, die gerade jetzt die Antworten finden können, die wir für den Klimawandel brauchen.

Michael Keller, Leiter der Abteilung Gärten und Gewässer der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz

Eine weitere Idee, dem Klimawandel zu begegnen: Aus überschüssigem Wasser in der Region eine Rücklage zu bilden, um für eine Wasserknappheit gewappnet zu sein. Es wird nicht die letzte Idee sein, wenn es darum geht, das Welterbe fit zu machen für die Zukunft.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. August 2020 | 14:15 Uhr