Gorch Piekens letzte große Schau "Gewalt und Geschlecht" Strategiewechsel in Dresdens Militärhistorischem Museum?

Die bisher größte Sonderschau des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden wird auch die letzte sein, die Chefkurator Gorch Pieken gestaltete. "Gewalt und Geschlecht" eröffnete am Donnerstagabend - mehr als sieben Monate später als geplant. In dieser Zeit rissen die Mutmaßungen über die Gründe und den künftigen Kurs des renommierten Hauses nicht ab. Steht ein Wechsel an, weg von kontroversen Ausstellungen hin zur antiquierten Technikschau?

Ist Gewalt eine Domäne der Männer, der Friede hingegen weiblich? Mit dieser kulturhistorischen Frage beschäftigt sich die neue Sonderausstellung in Dresdens Militärhistorischem Museum der Bundeswehr: "Gewalt und Geschlecht".

Rundgang durch die Schau "Gewalt und Geschlecht" mit Gorch Pieken
Der scheidende Chefkurator Gorch Pieken Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Angekündigt war sie lange als größte Schau seit der Neueröffnung des Hauses im Jahr 2011, starten sollte sie nach zwei Jahren der Planung ursprünglich schon im September 2017. Furore machten dann aber nicht das publikumsträchtige Konzept oder die mehr als 1.000 Exponate aus aller Welt, sondern zwei Personalien. Erst wurde im März 2017 der Direktor Matthias Rogg, Oberst und zugleich habilitierter Militärgeschichtler, vom Bundesverteidigungsministerium, dem das Haus untersteht, nach Hamburg versetzt. Im Juni folgte sein Stellvertreter, Chefkurator Gorch Pieken, erst nach Berlin-Gatow, dann ans Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Die Ankündigung zur Ausstellung war von der Webseite des Museums verschwunden, technische und bauliche Gründe wurden geltend gemacht. Später hieß es, Pieken kuratiere sie nun eben aus der Ferne.

Dreamteam versetzt in die Etappe

Rundgang durch die Schau "Gewalt und Geschlecht" mit Gorch Pieken
Dresden wurde 1945 auf einer Fläche zerstört, die einem riesigen Keil glich. In spektakulärer Weise griff Libeskinds dies in seinem Umbau auf, die Spitze weist in die Richtung des Zentrums der Zerstörung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Offenbar wurde so, was Beobachter schon lange kolportierten: Hinter der neoklassizistischen Fassade des Hauses, in die Architekt Daniel Libeskind beim Umbau des alten Arsenals der sächsischen Armee und späteren NVA-Museums, einen modernen Keil aus Glas, Stahl und Beton getrieben hatte, rumorte es schon länger gewaltig. Nun zogen sich mit Rogg und Pieken diejenigen zurück, die einst nicht nur für die Neukonzeption der Dauerausstellung verantwortlich zeichneten, sondern auch für die rund 20 Sonderschauen seit der Neueröffnung des Hauses 2011, für Projekte zu den Befreiuungskriegen, zu den Grabenschlachten des Ersten Weltkrieges, zum Waffenhandel oder zu den Tatorten der NSU-Morde.

Wir wollen Militär und Soldaten nicht einfach so heroisieren, sondern wir wollen sie in ihrem historischen Zusammenhang zeigen. Das ist auch unser Verständnis als Staatsbürger in Uniform, dass wir uns befragen, uns aber auch befragen lassen und hinterfragen.

Matthias Rogg, ehemaliger Direktor des MHMD zur Eröffnung 2011 MDR KULTUR

Dabei schienen zur Neueröffnung vor sieben Jahren alle des Lobes voll, dass die Ausstellungsmacher ihre 700-jährige Geschichte des Militärwesens nicht in einem waffentechnischen Parcours abhandelten, sondern in ein gesellschaftliches Umfeld stellten, dass sie Gewalt und Leid in Kriegen nicht aussparten sowie aktuelle und kontroverse Themen anpackten. Im ersten Jahr strömten 250.000 Besucher ins Museum, zuletzt waren es immer noch 170.000.

Rundgang durch die Schau "Gewalt und Geschlecht" mit Gorch Pieken
Die Trophäensammlung einer schönen Dresdnerin zu sehen in der Schau Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nicht nur über die beiden Personalien und das Zerwürfnis zwischen Leitung und Mitarbeitern, auch darüber, dass die ehrgeizigen Projekte den finanziellen Rahmen des Hauses sprengten, wurde in den vergangenen Monaten überregional spekuliert. Unter Berufung auf anonym bleiben wollende Kritiker hieß es außerdem - im Umfeld der vor einem Jahr gerade heftig geführten Debatte um die Traditionspflege der Bundeswehr - die Verdienste des Heeres würden in diesem dem Bundesverteidigungsministerium unterstellten Museum nicht gebührend gewürdigt. Überhaupt: Wo bliebe das Militärische bei all den kulturhistorischen Diskursen?

Zurück zur antiquierten Panzerschau?

Rundgang durch die Schau "Gewalt und Geschlecht" mit Gorch Pieken
Künstlerisch und militärhistorisch nähert sich auch diese Sonderschau ihrem Thema: "Gewalt und Geschlecht". Hier im Bild: Vorarbeiten für die Kondomierung einer Rakete Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dafür fand der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, der Potsdamer Geschichtsprofessor Manfred Görtemaker klare Worte. Einigen in der Bundeswehr sei der Kurs von Rogg und Pieken - trotz ihres Erfolgs - schon lange ein Dorn im Auge. Görtemaker gesteht zu, dass das Personal mit den mehr als 20 Sonderschauen in den vergangenen sieben Jahren wohl überlastet gewesen sei. Darauf führt er auch die verspätete Eröffnung zurück. Roggs Nachfolger als Direktor, Oberstleutnant Armin Wagner, sei ein sehr guter Historiker, aber eben kein Museumsmann. Zuletzt musste sich Wagner der Frage stellen, ob ein Strategiewechsel für das Haus etwa hin zur antiquierten Panzerschau anstehe. Er dementierte. Auch Görtemaker hält es im MDR KULTUR-Gespräch für "abwegig, dass aus dem Haus ein reines Militärmuseum wird und diese kulturgeschichtlichen Dimensionen wegfallen: "Das wird nicht passieren."

Wir brauchen einen erfahrenen Museumsleiter an der Spitze dieses Hauses.

Manfred Görtemaker, Wissenschaftlicher Beirat und Historiker MDR KULTUR

Verändern müsse sich aber die Struktur: "Wir haben einvernehmlich beschlossen, dass mittelfristig eine zivile Leitung für dieses Museum bestellt werden soll." Das wäre dann nicht mehr dem Bundesverteidigungsministerium, sondern dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam unterstellt, das jetzt schon fachlich zuständig sei. "Natürlich tut sich die Bundeswehr ein bisschen schwer damit, die Leitung eines solchen Hauses einem Zivilisten zu übertragen." Es werde also neben dem Museumsleiter auch noch einen Bundeswehr-Offizier geben, der für die militärischen Belange zuständig sei. "Es gibt ja sehr viele Waffen, darum muss man sich kümmern." Görtemaker geht davon aus, "dass wir in einem Jahr da schon klarer sehen." Es gäbe viel zu tun, man brauche neue Aktivitäten, um weiter Besucher anzulocken. Nicht nur, dass die Dauerausstellung in absehbarer Zeit überarbeitet werden müsse, nicht nur Sonderschauen, auch Veranstaltungen, an denen es in letzter Zeit etwas gemangelt habe, gehörten dazu.

Allen Beteiligten muss daran gelegen sein, dass dieses Museum wirklich funktioniert. Es ist eben kein normales Museum, es ist ein Aushängeschild für die Bundeswehr. Es ist auch ein Aushängeschild für die Bundesrepublik Deutschland.

Manfred Görtemaker, Wissenschaftlicher Beirat und Historiker MDR KULTUR

Pieken als "Kollateralschaden"

Rundgang durch die Schau "Gewalt und Geschlecht" mit Gorch Pieken
Die kondomierte Rakete und ein scheinbar entmannter Mann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwei Männer, die für das Haus brannten, werden dann nicht mehr dabei sein. Gorch Pieken, der über die Querelen nicht mehr reden will oder darf, sieht seine letzte große Schau in Dresden als Kompromiss und seinen Abgang als "Kollateralschaden des Streits," ohne konkreter zu werden. Er sagt im MDR KULTUR-Gespräch nur so viel:

Rundgang durch die Schau "Gewalt und Geschlecht" mit Gorch Pieken
Der Kurator neben der Vitrine mit einem Stab, der 1665 in Schwerin über einer Hexe zerbrochen wurde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als wissenschaftlicher Leiter des Hauses war es mir wichtig, für die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit wissenschaftlichen Denkens und Urteilens einzustehen.

Gorch Pieken, ehemaliger wissenschaftlicher Leiter des Militärhistorischen Museums MDR KULTUR
Rundgang durch die Schau "Gewalt und Geschlecht" mit Gorch Pieken
... und interessierte Mitarbeiter des Museums während des Aufbaus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Künftig wird Pieken den Auftritt der Humboldt-Universität im künftigen Berliner Schloss kuratieren. Die Hochschule will ab 2019 in einem so genannten Humboldt-Labor auf rund 1.000 Quadratmetern neue Wissenschaftsformate präsentieren.

Von einem Kompromiss würde der amtierende Direktor, Armin Wagner nicht sprechen, er wünscht sich viele Besucher und meint, sie könnten in der Schau "an ihre lebensweltlichen Erfahrungen anschließen". Menschen müssten sich tagtäglich mit Gender-Normen auseinandersetzen, sei es in Schule, Beruf, Freizeit oder Familie. Geschlechtergerechtigkeit und Diversität seien auch für die Bundeswehr bedeutsam: "Insofern verstehen wir die Ausstellung auch als einen Beitrag zur notwendigen Diskussion in den Streitkräften."

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+ Mann mit Fleisch + Objekte der Ausstellung 'Gewalt und Geschlecht'.
Muskulöser Mann mit Fleisch Zum gezielten Muskelaufbau gehört viel Eiweiß, das Bodybuilder vor allem durch einen erhöhten Fleischkonsum zu sich nehmen. Nur die wenigsten Männer jagen oder holen das Fleisch wenigstens selber aus dem Supermarkt. Dennoch verzehren sie Fleisch, als wäre es eine Jagdtrophäe und Beweis ihrer Männlichkeit: "Echte Männer" essen kein Gemüse. Zeitschriften wie "Beef - Männer kochen anders" greifen solche Geschlechterstereotype auf und stoßen damit auf Zustimmung der Leserschaft. Bildrechte: Militärhistorisches Museum Dresden/Phil Leo/Michael Denora
+ Mann mit Fleisch + Objekte der Ausstellung 'Gewalt und Geschlecht'.
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+ Amerikanische GI + Objekte der Ausstellung 'Gewalt und Geschlecht'.
Amerikanische GIs und vietnamesische Prostituierte Während des Vietnam-Krieges führte die Präsenz US-amerikanischer Truppen zu einem enormen Anstieg von kommerziell angebotenen sexuellen Dienstleistungen. Das US-Militär begrüßte diese Entwicklung, denn der weibliche Körper galt nicht nur als Kriegstrophäe, sondern auch als probates Mittel, um die Kampfmoral der Soldaten zu heben. Auf diesem Foto "erholen" sich US-amerikanische Soldaten mit Prostituierten in der Nähe Saigons. Bildrechte: Militärhistorisches Museum Dresden/Nik Wheeler/Corbis/Getty Images
+ Judith mit Haupt von Holofernes + Objekte der Ausstellung 'Gewalt und Geschlecht'.
Judith mit dem Haupt des Holofernes | nach L. Cranach d.Ä. Die auffällige Kriegstracht, mit der sich die Berufssoldaten des 16. Jahrhunderts von ihrer Umgebung abgrenzten, fand schnell Zuspruch bei Adel und städtischem Patriziertum. Zum besonderen Missfallen der katholischen Kirche folgten auch Frauen diesem Trend. In diesem Gemälde wird die Tyrannenmörderin Judith zur antipäpstlichen Symbolfigur und zum Zeichen des Protestantismus. Bildrechte: Militärhistorisches Museum Dresden
+ Gemälde Catalina + Objekte der Ausstellung 'Gewalt und Geschlecht'.
Portrait der Doña Catalinade Erauso | Juan van der Hamen y Léon (1596–1631) | Spanien, ca. 1625 / Öl auf Leinwand Catalina de Erauso, die Tochter eines baskischen Adligen, floh im Alter von 15 Jahren aus einem Kloster. Nach verschiedenen Anstellungen, die sie immer wieder aufgrund von Affären mit den Töchtern oder Frauen ihrer Arbeitgeber wechseln musste, schloss sie sich als Mann verkleidet den spanischen Konquistadoren in Südamerika an und kommandierte zeitweise ihre Einheit bei brutalen Einsätzen. Der chilenische Historiker Víctor Rocha bezeichnete sie als "Inkarnation der männlichen Ideologie von Eroberung und Bekehrung". Nach ihrer Entdeckung wurde ihr von Papst Urban VIII. gestattet, ihr Leben als Mann weiter zu führen. Bildrechte: Militärhistorisches Museum Dresden
+ Braveheart-Schwert + Objekte der Ausstellung 'Gewalt und Geschlecht'.
Filmschwert aus "Braveheart" | Schottland, 1994 Ein Schwert hat nicht nur eine praktische Funktion als Waffe, es wurde immer auch symbolisch gedeutet. So steht es wie der Phallus für Potenz – hier die sexuelle, dort die kriegerische – und damit für an Männer gerichtete Erwartungen. Der Filmheld aus "Braveheart" (USA 1995) konnte seine große Liebe nicht vor den englischen Angreifern schützen und verschrieb sich daraufhin ganz dem Freiheitskampf der Schotten. Das Schwert, das für Mel Gibson in der Rolle des William Wallace angefertigt wurde, ist aufgrund seiner imposanten Länge von über anderthalb Metern nur in der leichten Aluminiumvariante handhabbar – und auch diese kommt in den Kampfszenen des Films kaum zum Einsatz. Der echte William Wallace (ca. 1270–1305) soll seinerzeit einen handlicheren Streithammer bevorzugt haben.

Bildrechte: Militärhistorisches Museum Dresden
+ ältere Frau + Objekte der Ausstellung 'Gewalt und Geschlecht'.
Trostfrauen (Comfort Women) – Wainem | Fotograf: Jan Banning | Mojogedang (West Java), 1925–2012 Während des Asien-Pazifik-Krieges (1937–1945) hatte die japanische Armee in sämtlichen von ihr besetzten Gebieten Frontbordelle für ihre Soldaten eingerichtet und damit ein gigantisches Netzwerk sexueller Versklavung geschaffen. Bis heute sind die Verbrechen an den sogenannten Trostfrauen in Japan tabuisiert. Die Regierung weigert sich noch immer, die historische Verantwortung für die verübten Menschenrechtsverletzungen zu übernehmen und den Frauen eine finanzielle Entschädigung für das erlebte Leid zukommen zu lassen. Jan Banning hat insgesamt 18 Frauen aus Indonesien porträtiert, die das Martyrium überlebt haben. Nach mehr als sechs Jahrzehnten waren sie erstmals bereit, öffentlich von den erlebten Gräueltaten zu berichten.

Bildrechte: Militärhistorisches Museum Dresden/Panos/VISUM
+ Kleid von Katharina + Objekte der Ausstellung 'Gewalt und Geschlecht'.
Kleid von Katharina der Großen | Russland, 1772 Das 1772 für Katharina die Große angefertigte Kleid ist in den Farben des Preobraschenski-Regiments der zaristischen Leibgarde gehalten. Dieses Regiment war ihr treu ergeben und stürzte ihren Mann Peter III. Dieser hatte sich mit seiner preußenfreundlichen Politik, die auch in der Einführung blauer Uniformen nach preußischem Vorbild seinen Ausdruck fand, den Unmut seines Militärs zugezogen. Nach dem Putsch wurde das Regiment allen anderen, auch innerhalb der Garde, vorangestellt, und die alten Farben wieder eingeführt. Kleider dieser Art wurden bei Truppenbesuchen getragen, und demonstrierten die Verbundenheit zwischen der militärischen Anführerin und dem Regiment. Bildrechte: Militärhistorisches Museum Dresden
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 26. April 2018 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. April 2018, 06:00 Uhr

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