Menschen vor Wandprojektionen bei "Giganten der Renaissance" im Leipziger Kunstkraftwerk
Projektion von da Vincis Abendmahl im Kunstkraftwerk Leipzig Bildrechte: Kunstkraftwerk / Foto: Luca Migliore

Immersive Kunst Kunstkraftwerk Leipzig zeigt "Giganten der Renaissance"

Zum 500. Todestag von Leonardo da Vinci widmet das Leipziger Kunstkraftwerk den "Giganten der Renaissance" eine multimediale Ausstellung. Die Klang- und Video-Installation, die auch Werke von Raffael und Michelangelo umfasst, kommt von der Immersive Art Factory um Gianfranco Iannuzzi. Die Schau eröffnet am 19. Januar und läuft bis Jahresende.

von Katrin Schlenstedt, MDR KULTUR

Menschen vor Wandprojektionen bei "Giganten der Renaissance" im Leipziger Kunstkraftwerk
Projektion von da Vincis Abendmahl im Kunstkraftwerk Leipzig Bildrechte: Kunstkraftwerk / Foto: Luca Migliore

"Giganten der Renaissance" – so heißt die neue Klang- und Videoinstallation im Leipziger Kunstkraftwerk, die am Sonnabend eröffnet wird. Der Titel scheint auch Programm für die Präsenation: Wer in die einstige Industriehalle mit den acht Meter hohen Wänden tritt, ist umgeben von Gemälden von Leonardo da Vinci, Michelangelo oder Raffael in Großaufnahme und sattem Sound.

"Kunst neu erleben"

Menschen vor Wandprojektionen bei "Giganten der Renaissance" im Leipziger Kunstkraftwerk
Das Kunstkraftwerk als Sixtinische Kapelle: Michelangelos Fresken - hier der Ausschnitt "Die Erschaffung Adams" - sind Teil der Projektion. Bildrechte: Kunstkraftwerk / Foto: Angelina Perke / Governatorato dello Stato della Città del Vaticano

Da Vincis berühmtes Abendmahl, das im Original den Speisesaal der Dominikaner in Mailand ziert, erscheint auf dem rauhen Backstein des alten Maschinensaals. Auf da Vinci folgen Raffaels Madonnen und Michelangelos Fresken für die Sixtinische Kapelle. Der Bilderreigen steht kaum still. Mal macht er die Mauern zur Riesenleinwand, mal wird die Industriehalle zum Ausstellungsaal mit Säulen und Mosaikenböden.

Aber nicht um Überwältigung, sondern um eine "neue Begegnung mit den Kunstwerken" gehe es, sagt Gianfranco Iannuzzi von der Immersive Art Factory, die auf solche dreidimensionalen Projektionen zur Erschaffung virtueller Räume spezialisiert ist. Üblicherweise stehe ein Besucher allein vor einem Gemälde, immersive Kunst hole ihn heraus aus seiner "klassischen Aufnahmeposition". Zum Sehen und Hören komme seine eigene Bewegung im Raum, und die verändere seine Wahrnehmung, durch sie werde er Teil der Kunst.

Ich möchte den Betrachter nicht vor das Kunstwerk, sondern ich will ihn in das Kunstwerk versetzen. Er soll sich darin bewegen und nicht sitzen, er soll mit dem Kunstwerk und mit anderen Besuchern interagieren. Ich wünsche mir ein Erlebnis, also eine emotionale Beschäftigung.

Gianfranco Iannuzzi, Immersive Art Factory

Menschen vor Wandprojektionen bei "Giganten der Renaissance" im Leipziger Kunstkraftwerk
Im Kunstkraftwerk vereint: da Vincis Frauen - die Dame mit dem Hermelin, Mona Lisa und Ginevra de' Benci schauen von den Wänden. Bildrechte: Kunstkraftwerk / Foto: Luca Migliore

Immersive Kunst als kollektive Erfahrung

Uraufgeführt wurden die "Giganten" in den berühmten Steinbrüchen der Carrières de Lumières in Südfrankreich, laut Iannuzzi wurde die Installation für den Leipziger Industrieraum neu konzipiert. Schließlich sei sie kein Film, den man überall abspielen könne. Das Ambiente sei fundamental.

Für mich ist die immersive Kunst nicht nur eine neue Form der 'multimedialen Ausstellung', sondern auch eine neue Form der Requalifizierung von verlassenen Orten. Sie mit Kultur und Kunst wiederzubeleben, ist das Beste, was für die Stadt und das Gebiet getan werden kann.

Gianfranco Iannuzzi, Immersive Art Factory

Auf "bewegte wie bewegende Weise" sollen die Besucher die wichtigsten Werke der drei Universalgenies präsentiert bekommen. An Touchscreens können sie sich außerdem selbst tief in die Bilder hineinzoomen, um überraschende Details zu entdecken oder neue Perspektiven zu bekommen. Auf das Ergebnis der Begegnung ist Iannuzzi immer wieder gespannt:

Die immersive Arbeit ist für mich erst dann vollendet, wenn sie von der Öffentlichkeit bewohnt wird. Es ist eine kollektive Erfahrung, die der Isolation und dem Individualismus unserer Zeit entgegenwirkt.

Gianfranco Iannuzzi, Immersive Art Factory

Bildergalerie Einblicke in die Ausstellung: "Giganten der Renaissance"

Auf einer Fläche von 7.000 Quadratmetern kann das Publikum bis Ende 2019 in weltbekannte Kunstwerke von da Vinci, Michelangelo und Raffael eintauchen.

Menschen vor Wandprojektionen bei «Giganten der Renaissance» im Leipziger Kunstkraftwerk
"Giganten der Renaissance" – so heißt die neue Klang- und Videoinstallation im Leipziger Kunstkraftwerk – hier verwandelt sich die Industriehalle in einen Ausstellungssaal. Bildrechte: Kunstkraftwerk / © Angelina Perke
Menschen vor Wandprojektionen bei «Giganten der Renaissance» im Leipziger Kunstkraftwerk
"Giganten der Renaissance" – so heißt die neue Klang- und Videoinstallation im Leipziger Kunstkraftwerk – hier verwandelt sich die Industriehalle in einen Ausstellungssaal. Bildrechte: Kunstkraftwerk / © Angelina Perke
Menschen vor Wandprojektionen bei "Giganten der Renaissance" im Leipziger Kunstkraftwerk
Im Kunstkraftwerk Leipzig immersiv vereint: da Vincis Frauen – die Dame mit dem Hermelin, Mona Lisa und Ginevra de' Benci schauen von den Wänden. Bildrechte: Kunstkraftwerk / Foto: Luca Migliore
Menschen vor Wandprojektionen bei «Giganten der Renaissance» im Leipziger Kunstkraftwerk
Da Vincis berühmtes Abendmahl, das im Original den Speisesaal der Dominikaner in Mailand ziert, erscheint auf dem rauhen Backstein des alten Maschinensaals. Bildrechte: Kunstkraftwerk / © Angelina Perke
Menschen vor Wandprojektionen bei "Giganten der Renaissance" im Leipziger Kunstkraftwerk
Dem Abendmahl wohnen hier schon mal einige Besucher in bequemer Haltung bei. Gianfranco Iannuzzi von der Immersive Art Factory möchte das Publikum mit seinen Installationen aus der "klassischen Aufnahmeposition" holen. Bildrechte: Kunstkraftwerk / Foto: Luca Migliore
Menschen vor Wandprojektionen bei "Giganten der Renaissance" im Leipziger Kunstkraftwerk
Und wieder verwandelt sich der Raum durch die dreidimensionale Projektion. Bildrechte: Kunstkraftwerk / Foto: Luca Migliore
Menschen vor Wandprojektionen bei «Giganten der Renaissance» im Leipziger Kunstkraftwerk
Auf einer Fläche von 7.000 Quadratmetern kann das Publikum bis Ende 2019 in weltbekannte Kunstwerke von da Vinci, Michelangelo und Raffael eintauchen. Bildrechte: Kunstkraftwerk / © Luca Migliore
Menschen vor Wandprojektionen bei "Giganten der Renaissance" im Leipziger Kunstkraftwerk
Das Kunstkraftwerk als Sixtinische Kapelle: Michelangelos Fresken – hier der Ausschnitt "Die Erschaffung Adams" – sind Teil der Projektion. Bildrechte: Kunstkraftwerk / Foto: Angelina Perke / Governatorato dello Stato della Città del Vaticano
Menschen vor Wandprojektionen bei «Giganten der Renaissance» im Leipziger Kunstkraftwerk
Raffaels Engel aus dem "Triumph der Galatea" in Großaufnahme - Parallel zur Klang- und Videoinstallation, die an den 500. Todestag von Leonardo da Vinci in diesem Jahr erinnert, gibt es im Kunstkraftwerk auch ein wissenschaftliches Begleitprogramm. Bildrechte: Kunstkraftwerk / © Angelina Perke
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Digitale Dekomposition? "Am Anfang wird ein aufgenommenes Bild von uns im Rechner in seinen Teile zerlegt", erklärt Gianfranco Iannuzzi das Prinzip der digitalen Dekomposition, die seinen Arbeiten zu Grunde liegt. Dann werde es neu zusammengesetzt. "Beim Abendmal von Leonardo z.B. haben wir die Figuren, den Tisch und den Hintergrund voneinander separiert. Dann haben wir das Bild in einer Simulation so aufgebaut, wie es Leonoardo vermutlich Schicht um Schicht gemalt hat: Zuerst Hintergrund und Tisch, dann kommen die Apostel. Wir simulieren damit den künstlerischen Prozess. Und manchmal erlauben wir uns einen kleinen Scherz."

Jump'n'Run mit da Vinci

"Giganten der Renaissance" im Leipziger Kunstkraftwerk
Bildrechte: Kunstkraftwerk/Vitruvius Hochschule Leipzig

Zur Interaktion lädt außerdem eine App, die Gamedesign-Studenten von der Leipziger Vitruvius Hochschule zur Schau im Kunstkraftwerk entwickelten. Die Anwendung zielt laut Professor Michael Baur weniger darauf, Fakten über Leben und Werk des Renaissance-Künstlers zu vermitteln. Vielmehr funktioniere die "Da Vinci App" wie ein ein Jump'n'Run-Game mit Puzzle-Elementen: "Wir wollen dem User so das schöpferische und explorative Wesen Leonardo Da Vincis näherbringen", sagt Baur. Über eingebaute Interaktionen solle die App auf die Ausstellung im Kunstkraftwerk neugierig machen.

Begleitprogramm für Experten

Auf einer Fläche von 7.000 Quadratmetern kann das Publikum bis Ende 2019 in die weltbekannten Kunstwerke eintauchen. Parallel zur Klang- und Videoinstallation, die an den 500. Todestag von Leonardo da Vinci in diesem Jahr erinnert, gibt es im Kunstkraftwerk auch ein wissenschaftliches Begleitprogramm, das den Künstler, aber auch den Architekten und Erfinder würdigt.

Angaben zur Ausstellung "Giganten der Renaissance"
im Kunstkraftwerk Leipzig

Ab 19. Januar 2019
Saalfelder Strasse 8b
04179 Leipzig

Öffnungszeiten:
Di - So | 10:00-18:00 Uhr
Montags geschlossen

Hinweis: Nach Angaben des Kunstkraftwerks sind Ausstellungstermine vom 20.-22.01. ausgebucht. Besuche sind ab dem 23. Januar wieder möglich.

Die Multimedia-Show wurde von den italienischen Künstlern Gianfranco Iannuzzi, Renato Gatto und Massimiliano Siccardi mit Unterstützung des Italienischen Kulturinstituts Berlin und dem Centro interdisciplinare di Cultura italiana an der Universität Leipzig geschaffen; den Soundtrack lieferte Luca Longobardi.

Die "Giganten" knüpfen an die Vorgänger-Schau "Florenz und die Uffizien" an, die auch von der Immersive Art Factory gestaltet wurde.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Januar 2019 | 13:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 04:00 Uhr

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