Giovanni di Lorenzo
Giovanni di Lorenzo ist Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", Mitherausgeber des Tagesspiegels und seit vielen Jahren Talkshow-Moderator. Bildrechte: IMAGO

Im Interview Giovanni di Lorenzo: Journalisten müssen gegen den Trend arbeiten

Giovanni di Lorenzo
Giovanni di Lorenzo ist Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", Mitherausgeber des Tagesspiegels und seit vielen Jahren Talkshow-Moderator. Bildrechte: IMAGO

Den Journalismus sieht "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo heute dringend in der Pflicht, das Gespräch in der Gesellschaft über alle Spaltung hinweg zu unterstützen. Das sagte er im Gespräch mit MDR KULTUR.

Das Erschreckende ist, dass es vielerorts nahezu unmöglich scheint, miteinander zu reden. Ich vertraue sehr darauf, dass das noch funktionieren kann.

Giovanni di Lorenzo

Gegen den Trend

Nach Ansicht von Giovanni di Lorenzo müssen Journalisten jedoch gegen den Trend arbeiten, dem Publikum nur nach dem Munde zu reden. In diesem Zusammenhang spricht er sich gegen den Mainstream der informationellen Blasenbildung in den Medien aus. Viele Menschen würden heute nur noch nach Bestätigung ihrer eigenen Meinung suchen und in Parallelwelten abtauchen.

Wir versuchen den Lesern gegen jeden Trend und gegen jeden Zeitgeist unterschiedliche Meinungen zuzumuten, weil ich überzeugt bin, dass sich eine gute eigene Meinung nur speisen kann aus der Kenntnis unterschiedlicher Argumente und unterschiedlicher Meinungen.

Giovanni di Lorenzo

Die Lesermeinung als Chance

Wie er bei MDR KULTUR mitteilte, schätzt Giovanni di Lorenzo auch, dass sich das Verhältnis zwischen Publikum und Journalisten verändert hat. Leserinnen und Leser würden heute weniger hinnehmen. Das spreche für mehr Selbstbewusstsein der Leserschaft und geeignete Wege, um diese Meinungen auch kundzutun.

Die Instanz des Journalisten als Belehrender ist ganz stark ins Wanken gekommen, aber ich finde das eher gut.

Giovanni di Lorenzo

Offenheit und Integrität

Folgt man Giovanni di Lorenzo in seinen Argumenten, dann heißt die Konsequenz für Journalisten, konfrontiert mit der Resonanz, die heute aus den Medien zurückkommt, Mut und Integrität.

Wenn es etwas intellektuell Wichtiges gibt, dann das, den Mainstream zu hinterfragen. Wenn es ganz viele sagen, heißt es noch lange nicht, dass es richtig ist.

Giovanni di Lorenzo

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR-Café | 04. Februar 2018 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2018, 00:00 Uhr