Vor 80 Jahren geboren Fünf Fakten über Götz George

Götz George spielte mit Romy Schneider, avancierte dank der Winnetou-Filme zum Frauenschwarm und revolutionierte den "Tatort" mit seinem schnodderigen "Schimanski". Auch privat war er gern mal auf Krawall gebürstet. Vor 80 Jahren wurde Götz George in Berlin geboren, 2016 ist er gestorben. Wir haben fünf wissenswerte Aspekte über den Schauspieler zusammengetragen.

1. Die Rolle seines Lebens war Kultfigur Horst Schimanski

Der gebürtige Berliner Götz George ist einem Millionenpublikum besonders als "Tatort"-Kommissar Horst Schimanski in Erinnerung. Den schnodderigen Polizisten mit dem abgewetzten Parka aus dem Ruhrgebiet verkörperte er in 32 Jahren insgesamt 48 Mal. Das Publikum liebte ihn für seine Macken und seine direkte Art – und natürlich für Sprüche wie "Keine Haare am Sack, aber im Puff drängeln." oder "Gibt's hier nichts Anständiges zu essen? Vielleicht 'ne Frikadelle oder 'ne ordentliche Wurst mit Fritten?".

In Interviews stellte Götz George klar, dass Schimanski nicht sein Alter Ego sei, wie viele vermuteten, zudem sei der Kommissar lustiger als er. Obwohl die Rolle für George teilweise auch eine Last war – schließlich wollte er als Schauspieler nicht auf diese eine Rolle reduziert werden – fand er das Spielen des "Tatort"-Helden mit zunehmendem Alter immer spannender: Weil es für den in die Jahre gekommenen Schauspieler schwieriger wurde, den Zuschauern die Rolle des "Draufgängers" glaubwürdig zu präsentieren. "Das ist ja viel spannender, als wenn er permanent als strahlender Held ohne Blessuren herumläuft", sagte er in einem Interview dem "Tagesspiegel". Zuletzt spielte George "Schimmi" 2011.

Götz George als Schimanski im "Tatort"ca. 1981
Kommissar Horst Schimanski ist wohl die Rolle, mit der Götz George bundesweit größte Popularität erlangte. Hier ist er bei seinem ersten Einsatz 1981 zu sehen. Bildrechte: IMAGO

2. George war ein Frauenschwarm - und alles begann mit Romy Schneider

Sein Debüt gab George mit 15 Jahren an der Seite von Filmlegende Romy Schneider 1953 in "Wenn der weiße Fleider wieder blüht". Spätestens die Karl May-Verfilmungen der 60er-Jahre "Schatz im Silbersee", "Unter Geiern" und "Winnetou und das Halbblut Apantaschi" – in denen er neben "Winnetou" Pierre Brice und "Old Shatterhand" Lex Barker spielte – bescherten ihm jede Menge weibliche Fans. Endgültig zum Frauenschwarm avancierte George als "Tatort"-Ermittler "Horst Schimanski". Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" sagte er jedoch: "Die Frauen lieben nicht mich, sondern Schimanski".

Bildergalerie Götz Georges bekannteste Rollen

Jeff (Götz George) ist froh, daߟ seine Verlobte Apanatschi (Uschi Glas) bei den Apachen in Sicherheit ist.
Götz George als Jeff in "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" (1966) ist froh, dassŸ seine Verlobte Apanatschi (Uschi Glas) bei den Apachen in Sicherheit ist. Bildrechte: IMAGO
Götz George als Fred Engel in einer Szene der Karl-May-Verfilmung "Der Schatz im Silbersee" von 1963.
Götz George als Farmersohn Fred Engel in einer Szene der Karl-May-Verfilmung "Der Schatz im Silbersee" von 1963. Neben den großen Stars Pierre Brice und Lex Barker spielte er nur eine Nebenrolle, doch überzeugte schon damals die Kritiker. Auch damit, dass er alle seine Stunts selbst spielte. Bildrechte: dpa
Götz George als Schimanski im "Tatort"ca. 1981
Kommissar Horst Schimanski ist wohl die Rolle, mit der Götz George bundesweit größte Popularität erlangte. Oft wurden Rolle und Mensch verglichen, gefragt wieviel George im Schimanski steckt, wie sehr die Rolle Schimanski auf den Menschen Goerge überging. Mit Sicherheit hat George mit seinem Schimanski den Tatort-Kommissar revolutioniert. 2008 wurde er anlässlich der 700. Sendung als beliebtester Kommissar aller Tatorte gewählt. Bildrechte: IMAGO
Götz George in "Schtonk!", 1992
Der Satirefilm "Schtonk!" dreht sich um die Veröffentlichung der gefälschten Hitler-Tagebücher im Magazin "Stern" im Jahr 1983. Götz George spielte den Skandalreporter Hermann Willié, der mit seiner Faszination für Hitler-Deutschland und Geldgier die Fälschung mit in Umlauf brachte. Bildrechte: IMAGO
Götz George in "Der Totmacher", 1995
Der von Regisseur Romuald Karmakar weitestgehend als Kammerspiel inszentierte Film "Der Totmacher" brachte Götz George besonders großen Erfolg. In der Rolle des homosexuellen Serienmörders Fritz Haarmann brillierte George so sehr, dass er dafür bei den Filmfestspielen in Cannes als Bester Darsteller geehrt wurde. Auch bei den Filmfestspielen in Venedig wurde George als Bester Schauspieler mit der Coppa Volpi ausgezeichnet. Bildrechte: IMAGO
Götz George im Film "George".
Eine besonders bewegende Rolle am Ende seiner Karriere spielte Götz George im Doku-Drama "George", in dem er seinen eigenen Vater spielte. Der Film thematisiert das Verhältnis zwischen ihm und seinem Vater Heinrich George sowie dessen Leben und Schaffen als Schauspieler während des NS-Regimes. Bildrechte: SWR/Thomas Kost
Jeff (Götz George) ist froh, daߟ seine Verlobte Apanatschi (Uschi Glas) bei den Apachen in Sicherheit ist.
Götz George als Jeff in "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" (1966) ist froh, dassŸ seine Verlobte Apanatschi (Uschi Glas) bei den Apachen in Sicherheit ist. Bildrechte: IMAGO
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3. Götz George war nicht nur auf der Leinwand ein Charakterkopf

Mit Ehrgeiz und Spielfreude profilierte sich George in seiner langen Karriere als einer der vielseitigsten deutschen Schauspieler. Für seine berühmteste Kinorolle spielte er den homosexuellen Massenmörder Fritz Haarmann in "Der Totmacher" (1995). In der Satire "Schtonk!" zeigt George sein komödiantisches Talent: Darin gibt er den schmierigen Journalisten, der die vermeintlichen Hitler-Tagebücher exklusiv an den "Stern" verkaufte – die aber eigentlich von einem Fälscher (Uwe Ochsenknecht) stammen. Außerdem spielte er den KZ-Arzt Josef Mengele ("Nichts als die Wahrheit"), einen an Alzheimer erkrankten Busfahrer ("Mein Vater"), einen Taschendieb ("Das Trio"), einen blinden Klavierlehrer ("Der Novembermann"), einen Öko-Aktivisten ("Lüg weiter, Liebling"), einen todgeweihten Staatsanwalt ("Nacht ohne Morgen" ) und viele andere Rollen: Insgesamt 40 Hauptrollen auf der Bühne und 120 Kino- und Fernsehfilme bilden sein Lebenswerk.

Ein Charakterkopf war er aber nicht nur auf der Leinwand: Auch im echten Leben war George sehr direkt und gern mal auf Krawall gebürstet, wie zum Beispiel bei seinem Besuch der Sendung "Wetten, dass?" 1998. Eigentlich sollte er seinen Film "Solo für Klarinette" bewerben - legte sich stattdessen aber lieber mit Showmaster Thomas Gottschalk an. George beschwerte sich, dass es keine Möglichkeit mehr gebe, gute Filme zu machen und dass er in der falschen Veranstaltung sei, denn sein Film sei "sehr komplex". Darauf Gottschalk: "Bin ich auch!" - George: "Ja das wissen wir alle, du hast durch deine Filme sehr viel gezeigt, wie kompliziert du bist …". Gottschalk erntet schließlich Applaus als er George vormacht, wie man seinen Film bewirbt: "Ich habe einen Film gemacht, ich sag Ihnen... "Solo für Klarinette": ein Thriller mit meiner Kollegin Corinna. Nur einer von uns beiden überlebt. Und dann denken alle: Hoffentlich ist es sie und nicht der! Und so erzeugt man Spannung und holt die Leute ins Kino!"

Götz George in "Schtonk!", 1992
Götz George als schmieriger Journalist in "Schtonk!", 1992 Bildrechte: IMAGO

4. Sein Vater war wegen seiner NS-Vergangenheit umstritten

2013 spielte er im TV-Drama "George" seinen eigenen Vater, den Ufa-Star Heinrich, der wegen seiner Schauspieler-Karriere in der Nazi-Zeit umstritten war. Die Rolle als Heinrich George sei "vielleicht die größte Herausforderung unter den vielen Rollen, die Götz George bisher in seinem Künstlerleben gemeistert hat", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres damals. Und "Die Zeit" schrieb: "Götz George ersetzt das alte Bild vom Vater durch ein neues, mit dem er leben kann." Er selbst sagte: "Das ist wie jede andere Rolle auch."

Heinrich George hatte sich in der Weimarer Republik mit Filmen wie "Metropolis" oder "Berlin Alexanderplatz" einen Namen gemacht. Später spielte er in einigen Nazi-Propagagandafilmen wie "Jud Süß" mit, wofür er in Verruf geriet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er von den Sowjets verhaftet und starb im Gefangenenlager Sachsenhausen – 1946, Götz George war damals acht Jahre alt. Seinen Sohn hatte Heinrich nach seiner Lieblingsrolle Götz von Berrlichingen benannt. Übrigens war auch Georges Mutter Berta Drews Schauspielerin und spielte zusammen mit Heinrich George 1933 in "Hitlerjunge Quex".

Die Bildkombo zeigt den Schauspieler Heinrich George (l, undatierte sw-Aufnahme) und seinen Sohn, den Schauspieler Götz George
Götz George (rechts) und sein Vater Heinrich (links) Bildrechte: dpa

5. Er zierte mehrfach das Cover der "Bravo"

Im Laufe seiner langen Karriere hat Götz George nicht nur Fans und Kritiker angehäuft, sondern auch jede Menge Preise. Bereits 1960 wurde der damals 22-Jährige mit dem Filmband in Silber als Bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet. Hinzu kamen mehrere Bambis, der Bravo Otto - ein Grund, weshalb er den Titel der Jugendzeitschrift "Bravo" zierte, die Goldene Kamera u.a. als beliebtester "Tatort"-Ermittler, den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis sowie einen Emmy. 1995 erhielt er den Darstellerpreis bei den Filmfestspielen in Venedig für "Der Totmacher". 2013 bekam George den Deutschen Schauspielerpreis zu Ehren seines Lebenswerks. Das Männermagazin GQ machte den Frauenschwarm im selben Jahr zum "Mann des Jahres". 2014 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz verliehen, weil er in Deutschland Film und Fernsehen mitgeprägt habe, so Bundespräsident Gauck damals: "Seine darstellerische Breite ist legendär."

Der französische Regisseur ("Stille Tage in Clichy", "Die Blume des Bösen") und Produzent Claude Chabrol (2.v.r.) wurde 1960 für seinen Film "Schrei, wenn du kannst" mit dem Preis der Deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Weitere Preisträger waren (l-r): Hanns Lothar, Bernhard Wicki und Götz George (r).
Götz George (rechts) wurde 1960 mit dem Preis der Deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Bildrechte: dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 23. Juli 2018 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2018, 04:00 Uhr

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