Betrachtung Brexit: Warum wir die Briten trotzdem lieben

Das Vereinigte Königreich verlässt am Freitag die Europäische Union. Zeit, "Farewell" zu sagen. Doch die britische Kultur von Led Zeppelin bis Blur, von Monty Python bis Mr. Bean, von Sherlock Holmes bis James Bond wird auch nach dem Brexit alle Grenzen überwinden – zum Glück. Eine persönliche Liebeserklärung.

Frau hält eine britische Flagge in der hand
Bildrechte: imago/Sven Simon

Der Gallier Obelix hat es schon immer gewusst: Die spinnen, die Briten! Als er 1986 kopfschüttelnd diese Worte sprach, da konnte niemand die prophetische Kraft in Bezug auf Europa erahnen. Und doch war damals schon klar: Die Briten kochen ihren eigenen Tee.

Sie lieben und zelebrieren ihren Eigensinn, zum Beispiel ihre Vorliebe und fetischartige Liebe zu gepflegten Rasenflächen. Sie fahren seit eh und je auf der falschen Seite und beschimpfen sich mit den schönsten Höflichkeiten. Das ist einmalig in Europa. Schrullig ist das vielleicht, im Grunde aber ungefährlich und ganz nett. So wie die englische Fußballnationalmannschaft im Elfmeterschießen: viel Tamtam und am Ende nichts passiert.

Okay, der Ball ist jetzt im Brexit-Tor, damit müssen wir wohl leben. Aber an vielem, was ich an England liebe, wird sich eben gar nichts ändern. Wie kaum eine andere Nation sind den Briten Rituale heilig. Den Fünf-Uhr-Tee gibt es, selbst wenn die Nation am Abgrund steht und möglicherweise auch schon ein Stück weiter ist.

Ein Leben ohne die Songs von Led Zeppelin, The Who oder Paul Weller wird es nicht geben.

Jan Kubon, MDR KULTUR-Musikredakteur

Erst ein Ale, dann den Five O'Clock Tea

Jan Kubon, Musikredakteur bei MDR KULTUR
Jan Kubon, Musikredakteur bei MDR KULTUR Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Ich werde mir weiterhin gemeinsam mit meinen britischen Kumpels gegen 17 Uhr circa 1.000 Kilokalorien in Form von doppelt gesahnter Milch mit Mürbeteig und Marmelade einverleiben, mittags im Pub an der Ecke das erste Ale des Tages trinken. Ich werde weiterhin versuchen, mir von meinen Brit-Homies die Faszination von Cricket beibringen zu lassen. In der Regel endet auch das immer mit dem nächsten Ale im "local pub".

Ich werde auch in einem ausgetretenen Ex-EU-Land weiterhin Mitglied des National Trust sein, um mir an sorgfältig gezählten Urlaubstagen ungezählte Schlösser und Burgen anzuschauen. "Oh England My Lionheart" wird auch weiterhin einer meiner Lieblings-Kate-Bush-Songs sein.

Und meine musikalische Liebe gilt natürlich immer und bis in alle Musikredakteurs-Ewigkeit dem Beat, der British-Blues-Invasion, dem Punk, dem Ska, dem Prog-Rock von Genesis und Pink Floyd, der Arroganz von Blur und dem pöbelnden, melodienverliebten Krach von Oasis.

Britische Rockmusik hat die Welt verändert

Led Zeppelin
Led Zeppelin, hier bei einem späten Reunion-Konzert 2012 Bildrechte: Warner Music

Ein Leben ohne die Songs von Led Zeppelin, The Who oder Paul Weller wird es nicht geben. Und auch die Tage, an denen in meinem Briefkasten die Flaggschiffe des britischen Pop-Journalismus, das "Uncut-" und "Mojo-Magazine" landen, werden Feiertage bleiben. Großbritannien, du zickige Lady, das ist unzweifelhaft ein schwerer Tag für all deine unwürdigen Verehrer, wie ich es einer bin. Aber wir werden dich immer lieben, auch wenn es eine unerwiderte Liebe zu sein scheint.

Und trotzdem werden wir es weiter versuchen, dich zu begeistern, dich noch einmal für uns einzunehmen. Und ich zitiere an dieser Stelle einen der ganz großen Pop-Poeten aus Great Britain, den italienischstämmigen Musiker Ezio: "The further we stretch, the higher the sky, it gets harder, the harder we try." In diesem Sinne: Aufgeben ist keine Option.

Brittania, ein Stück von dir wird immer in meinem Herzen leben. Da bin ich nun mal hartnäckig. Und nun raten Sie mal, wo es im nächsten September in den Urlaub hingeht: Klar nach Cornwall. Mir doch egal, ob ich dann eventuell Stunden vor deinen Grenzschranken warten muss, bis du mich mal reinlässt.

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Januar 2020 | 12:10 Uhr

Abonnieren