Ausstellungsraum im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle
Ein Blick in den neuen Raum der Dauerausstellung Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Archäologie Ausstellung: Als die "Barbaren" die Römer zurückschlugen

Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle hat am Montagabend einen neuen Abschnitt seiner Dauerausstellung eröffnet. Unter dem Titel "Barbarenmacht" werden Objekte aus der Spätantike präsentiert – der Epoche zwischen dem dritten und dem fünften Jahrhundert, als die Germanen die Römer verdrängten und die Völkerwanderung begann. Zu sehen sind unter anderem Funde aus dem Fürstengrab von Gommern im Jerichower Land und aus vier Gräbern bei Leuna.

Ausstellungsraum im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle
Ein Blick in den neuen Raum der Dauerausstellung Bildrechte: MDR/Anne Sailer

Wenn Archäologe und Museumsleiter Harald Meller durch sein Museum führt, sprüht er immer vor Leidenschaft, kommt ins Schwärmen und zieht die Besucher in seinen Bann, und nun eben in den frisch eröffneten Museumsraum mit seinen rund 180 Quadratmetern:

Wir alle kennen die Germanen, die sich mettrinkend versammeln. Und die auf Walhall warten und die mit ihren Freunden zechen. Wo tun die das? In Königshallen mit riesigen Pfosten, mit den Waffen, die an den Wänden hingen.

Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt

Genau so eine rekonstruierte Halle mit dicken, hölzernen Säulen ist nun im Landesmuseum zu besichtigen. Kurator Arnold Muhl hat vier Jahre an diesem Raum gearbeitet. Mit seinem Kollegen hat er alle Funde zusammengetragen, zugeordnet und beschriftet. Es sind Gefäße, Schmuck, Grabbeilagen und weitere Überbleibsel aus einer Zeit in Mitteldeutschland, in der es offenbar recht kriegerisch zuging.   

"Die Mittelmeerkulturen haben alles, was nördlich von ihnen war, als Barbaren bezeichnet", erklärt Muhl. "Unterschiedslos, ob das Kelten, Germanen, Hunnen oder Awaren waren, das war denen völlig egal." Diese "Barbaren" formierten sich dann zu großen Verbänden, die die Römer nicht mehr besiegen konnten.

Die Zeit der Völkerwanderungen

Ausstellung "Barbaren" im Landesmuseum Halle
Ein römisches Weinmischgefäß aus dem Fürstengrab von Gommern Bildrechte: LDA

In der Zeit vom zweiten bis zum fünften Jahrhundert nach Christus gab es enorme Völkerwanderungen. Auf einer animierten Landkarte ist das in der Ausstellung schön dargestellt. Aus kleinen Stämmen wurden größere, die allerdings auch andere Feinde hatten, so Kurator Arnold Muhl: "Gleichzeitig gibt es ja eine Klimaverschlechterung. Genau in der Zeit. Das heißt: Es sind nasse, feuchte Sommer hier im Norden und im Süden ist große Trockenheit."

Deshalb waren die Ernten schlecht und an manche Gegenden wurden unbewohnbar. "Auch das zwingt Leute zur Migration", erklärt Kurator Muhl.

Prunkstück des neu eröffneten Ausstellungsteils ist das Fürstengrab von Gommern, das – so Landesarchäologe Meller – vor 30 Jahren fast untergegangen wäre: "Gommern wäre weltberühmt geworden, wenn nicht gerade die Wende gewesen wäre." So aber hätten andere Themen die Nachrichten dominiert und der "weltsensationelle Fund dieses reichsten germanischen Grabes, dieser fantastischen germanischen Silberschätze" habe praktisch niemanden interessiert.

Erstmals zu sehen: Funde aus dem Fürstengrab von Gommern

Gezeigt wurden die Funde bislang nicht. Inzwischen wurden sie analysiert und sind jetzt erstmals dauerhaft zu sehen.

Der neue Raum ist ein weiterer Baustein in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte. In zwei Jahren soll sie mit vier weiteren Zimmern vollendet sein. Den chronologischen Endpunkt werden dann das Mittelalter und die Frühe Neuzeit bilden.

Angaben zum Museum Landesmuseum für Vorgeschichte
Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle
geöffnet Di. bis Fr. 9-17 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. September 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. September 2019, 12:41 Uhr

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