Herbert Grönemeyer
Herbert Grönemeyer im September 1984, als sein Album "4630 Bochum" die Charts stürmte Bildrechte: imago/Horst Galuschka

Popgeschichte Als Herbert Grönemeyer mit "4630 Bochum" zum Star wurde

Vor 35 Jahren, am 19. September 1984, erreichte das Album "4630 Bochum" von Herbert Grönemeyer Platz eins der westdeutschen Charts – nach vier gefloppten Alben. Grönemeyer sagt: Der Erfolg kam, weil er endlich sang, wie er wollte. Also so, dass keiner was verstand.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Herbert Grönemeyer
Herbert Grönemeyer im September 1984, als sein Album "4630 Bochum" die Charts stürmte Bildrechte: imago/Horst Galuschka

Als 1984 sein fünftes Album "4630 Bochum" erschienen ist, erzählt Herbert Grönemeyer, ist er mit einem Vertriebsmann seines Labels in einen Bochumer Plattenladen gegangen, um dem Inhaber die Platte anzubieten. Aber der winkt gleich ab und zeigt auf Grönemeyers vorige Alben: "Guck mal, der ganze Schrott hier, der hier steht, kauft kein Mensch. Bleib mir mit der Platte weg."

Ein schwerer Fehler. Aber soll man dem Plattenexperten wirklich einen Vorwurf machen? Wer ahnt schon, dass der Ladenhüter Grönemeyer auf einmal ein Hit-Album landet?

Aller guten Dinge sind fünf

Vier Alben hat er bereits veröffentlicht: das erste, schlicht "Grönemeyer" betitelt, kommt 1979 heraus, es folgen "Zwo", "Total Egal" und "Gemischte Gefühle". Dennoch ahnen nur wenige, dass hier einer an einer Musikerkarriere bastelt. Wem der Name ein Begriff ist, der meint Film: Schließlich spielt Grönemeyer den Robert Schumann in "Frühlingssinfonie", vor allem aber den Leutnant Werner in "Das Boot". Ein Riesenerfolg, aber der Dreh war hart.

"Ich hab 160 Tage gedreht", erzählt Grönemeyer. "Wenn man sich vorstellt, man spielt drei Wochen lang Todesangst und pumpt sich da jeden Tag wieder rein und sucht in seiner Phantasie nach allem, was einem die Todesangst ins Gesicht schreibt – da ist man abends wie eine ausgehöhlte Kiwi."

Was den Musiker Grönemeyer angeht, gibt ihm seine Plattenfirma nach der vierten Scheibe den Laufpass. Mit dem ist vielleicht ein Blumentopf zu gewinnen, so die vermeintliche Erkenntnis, aber wirklich nur einer.

Eine Platte nur für Bochumer?

Immerhin aber kommt Grönemeyer woanders unter. Die Idee, das neue Album "4630 Bochum" zu nennen, stößt er dort nicht unbedingt auf Gegenliebe. Der Vorwurf: Das kaufe ja schon in Wanne-Eickel keiner mehr.

Das war die erste Platte, die ich selber produziert hab. Und da konnte ich zumindest mal so singen, wie ich wollte. Und musste nicht immer deutlich sprechen am Ende des Satzes, damit auch jeder versteht, dass wir heute ganz ordentlich sprechen.

Herbert Grönemeyer über "4630 Bochum"

Gegen alle Erwartungen startet "Bochum" durch. Und längst nicht nur in Bochum. Es sind wohl vor allem die intelligenten deutschsprachigen Texte, die die Leute ansprechen. Lieder wie "Männer", Pop gewordener Diskussionsbeitrag zum Thema "Wie muss Mann heute sein?", "Alkohol" oder "Flugzeuge im Bauch" - ein großartiges Stück über eine Beziehung, die am Ende ist, nur dass man dummerweise noch denjenigen liebt, der einen nicht mehr liebt.

Der Anfang einer langen Erfolgsgeschichte

Grönemeyer hat zu diesem Song auch eine Anekdote zu erzählen - von dem Moment, als zwei Manager seiner Plattenfirma den Song zum ersten Mal hörten: "Ich saß auf dem Sofa und die beiden immer: 'Verstehst du was?' – 'Nee. Du?' – 'Nee. Was singt denn der?' – 'Keine Ahnung!'"

Daraufhin habe er vorgegeben, er wolle den Song mit dem Tontechniker neu abmischen. "Und da haben wir dann vier Stunden gesessen, nichts gemacht, und sind mit der gleichen Nummer wieder runtergegangen. Und die beiden so: 'Ja, jetzt. Viel besser.'"

Mit "Bochum" hat die Bundesrepublik einen neuen Star. Einen, der sich engagiert, mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält, durchaus auch aneckt. Der erfolgreiche Liveauftritte und Alben liefert. Nach "Bochum" gibt es "Sprünge", nach "Sprünge" "Ö" und so geht das munter weiter.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. September 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2019, 17:24 Uhr

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