Portal der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig
Die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hochschulpolitik Protest: HGB Leipzig zeigt Ausstellung ohne Bilder

Die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig öffnet ab dem 14. Februar ihre Türen zum jährlichen "Rundgang": eine Art Leistungsschau, bei der Studierende Malereien, Fotos, Grafiken und Videokunst zeigen. Normalerweise. Doch in diesem Jahr verzichten die Kunstklassen aus Protest gegen ein so genanntes "Bestrafungssystem" auf die Präsentation ihrer Arbeit. Denn das sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hält Finanzmittel zurück, weil Leistungsziele nicht erreicht wurden.

von Jennifer Stange, MDR KULTUR

Portal der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig
Die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

An der Hochschule für Grafik in Leipzig findet ab heute eine Ausstellung ohne Kunstwerke statt. Mit den weißen Wänden beim jährlichen "Rundgang" wollen Studierende und Mitarbeiter gegen Mittelkürzungen durch den Freistaat Sachsen protestieren. Der hatte die Gelder gestrichen, weil vom Freistaat gesetzte Leistungsziele nicht erfüllt worden waren.

Wir wollen keine Ziele vorgesetzt bekommen. Wir wollen sie selber entwickeln, individuell, manchmal auch in Gruppen oder Kollektiven. Es müssen eigene Ziele sein.

Thomas Locher, Rektor der HGB Leipzig

Finanzielle Folgen

Thomas Locher, Rektor der HGB Leipzig
Thomas Locher Bildrechte: Erich Malter

Locher ist selbst Künstler und seit 2017 im Amt als Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst, kurz HGB. Die Vereinbarungen zwischen Hochschule und dem sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hat er von seiner Vorgängerin geerbt. Dabei geht es etwa um Ziele bei der Profilbildung, der Qualitätssicherung oder den Studierenden- und Absolventenzahlen. Man habe einige Ziele nicht erreicht, so Locher, und sei dafür bestraft worden.

Laut Locher wurde vor allem die Regelstudienzeit bei den Studierenden nicht eingehalten, außerdem entsprach die Zahl der ausgebildeten Meisterschüler nicht den Vorgaben. Rund 170.000 Euro weniger kann die HGB deswegen in den nächsten beiden Jahren ausgeben. Bei einem jährlichen Etat von rund 5 Millionen Euro schmerze das, so Locher.

Sachsenweites Problem

Solcherlei Strafmaßnahmen kennt man nicht nur in Leipzig. Auch die Hochschule für Bildende Künste Dresden scheiterte an ähnlichen Zielvorgaben und muss nun mit noch größeren Einbußen im Haushalt leben.

Durch die ganze Entwicklung mit Pegida hatten wir deutlich weniger Bewerber. Der ein oder andere hat auch gesagt, dass er deswegen wegbleibt. Beim Gleichstellungsauftrag hatten wir die Verfehlung deshalb, weil wir nicht genügend Frauen auf Stellen berufen konnten.

Jochen Beißert, Kanzler

Wissenschaftsministerium bleibt hart

Eva Maria Stange
Eva-Maria Stange Bildrechte: dpa

Etwa die Hälfte aller 14 Hochschulen in Sachsen hat die Gleichstellungsziele verfehlt und immer noch zu wenig Frauen auf Professuren berufen. Eva-Maria Stange, sächsische Ministerin für Wissenschaft und Kunst (SPD), will an diesem Punkt nicht mit sich reden lassen - man werde hart bleiben, sagte sie MDR KULTUR.

Da muss man sich schon ein bisschen mehr Mühe geben und sehen, dass man Gleichstellungsziele ernst nimmt und nicht nur bei der Gleichstellungsbeauftragten ablädt.

Eva-Maria Stange

Die gestrichenen Mittel in diesem Bereich bekomme nur, wer Maßnahmen ergreife, um sich zu verbessern, so die Ministerin weiter. Darüber hinaus zeigt sie sich kompromissbereit. Für den laufenden Zeitraum seien die Zielvorgaben ohnehin bereits angepasst worden.

Hochschulen als Unternehmen?

Das Gesetz, was diese Zielvorgaben möglich macht, hat Ministerin Stange im Jahr 2008 auf den Weg gebracht. Damals kam die Kritik, wie sie heute von den Kunsthochschulen vorgetragen wird, von allen Seiten. Sie kenne die Diskussion darüber, dass diese Form von Hochschulsteuerung an Unternehmen angelehnt sei und einen neoliberalen Touch habe.

Man kann nicht Globalhaushalte haben und gleichzeitig alleine entscheiden wollen, welche Ziele man damit verfolgt. Das funktioniert nicht.

Eva-Maria Stange

Gewisse Vorgaben blieben deswegen notwendig, so Stange: Die Zahl der auszubildenden Lehrer und Ärzte beispielsweise, Konkurrenz und Leistungsfähigkeit ebenfalls.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Februar 2019 | 07:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 15:01 Uhr

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