Geschrumpft, verformt, vergilbt Der Gläserne Mann: Hygiene-Museum Dresden konserviert Ausstellungsikone

Wie unser Körper funktioniert, das sollten die Gläsernen Figuren im Deutschen Hygiene-Museum zeigen. Auch beim Ur-Mann von 1930 ließen sich alle Organe in Funktion betrachten. "Haut und Muskelgewebe" sind aus einst transparentem Kunststoff, der Einblick erlaubte in die Innenwelt. Damals eine Sensation sind die anatomischen Erklärmodelle aus Dresden mittlerweile zum kunsthistorischen Objekt geworden, das – geschrumpft, verformt und vergilbt – vor dem Verfall gerettet werden muss.

Hygiene-Museum, Gläserner Mann von 1935 4 min
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MDR KULTUR - Das Radio So 17.05.2020 13:20Uhr 04:16 min

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Der 85 Jahre alte Gläserne Mann des Deutschen Hygiene-Museums Dresden wird derzeit konserviert. Wie Museumsdirektor Klaus Vogel am Freitag mitteilte, sei das durchsichtige Modell von 1935 sehr fragil und könne nicht im klassischen Sinn restauriert werden. Denn die lebensgroße anatomische Figur sei nicht wie der Name nahe lege aus Glas, sondern aus einem sehr brüchigen Kunststoff – mit Drähten aus Aluminium im Innern.

Leicht vergilbt und nicht mehr ganz komplett

Derzeit beschäftigt sich Konservatorin Maria Lörzel mit dem Gläsernen Mann, der nicht mehr transparent, sondern leicht vergilbt erscheint. Einige Stellen der Figur seien außerdem unsachgemäß mit Klebeband repariert worden, erklärt Lörzel. Das Geschlechtsteil fehle komplett. Die Altersschäden kämen durch Schrumpfungen des Materials sowie Brüche zustande. Die Kunststoffhülle werde nun gereinigt und konserviert.

Ausstellungsikone und Forschungsprojekt

Die Arbeiten am "Gläsernen Mann" begannen im April und sollen Ende des Jahres abgeschlossen sein. Sie sind Teil eines mehrjährigen Forschungsprojektes zur Bewahrung von Objekten aus Kunststoff, das noch bis 2021 läuft. Der "Gläserne Mann" von 1935 gehört Museumsdirektor Vogel zufolge zu den "Ausstellungsikonen des 20. Jahrhunderts". Er sei 1936 in Stockholm und 1937 auf der Weltausstellung in Paris zu sehen gewesen. 1950 sei der Kunststoffmann an eine Schaustellerfamilie verkauft und später mehrfach in Finnland gezeigt worden. Die Figur kehrte demnach erst nach einem Ankauf 2009 ins Deutsche Hygiene-Museum nach Dresden zurück. In den Werkstätten des Museums wurden vor und nach dem Zweiten Weltkrieg laut Vogel etwa 130 menschliche Gläserne Figuren hergestellt sowie etliche durchsichtige Kühe und Pferde, sogar ein gläserner Motor. 38 Gläserne Figuren sind noch erhalten.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Mai 2020 | 13:30 Uhr