Ian Kershaw, Preisträger der Karlsmedaille und britischer Historiker, sitzt vor der Preisverleihung in der ersten Reihe.
Ian Kershaw sprach bei seiner Dresdner Rede über "Europas Krise und Zukunftsperspektiven". Bildrechte: dpa

Zu Gast bei den "Dresdner Reden" Historiker Kershaw mahnt Reformen in der EU an

Bei einer leidenschaftlichen Rede im Staatsschauspiel Dresden hat Ian Kershaw vor einer Rückkehr des Nationalismus innerhalb der Europäischen Union gewarnt. Es würden nun Staatsmänner und -frauen mit Visionen und Engagement gebraucht.

Ian Kershaw, Preisträger der Karlsmedaille und britischer Historiker, sitzt vor der Preisverleihung in der ersten Reihe.
Ian Kershaw sprach bei seiner Dresdner Rede über "Europas Krise und Zukunftsperspektiven". Bildrechte: dpa

Bei einer leidenschaftlichen Rede in Dresden hat der britische Historiker Ian Kershaw tiefgreifende Reformen der Europäischen Union angemahnt. Seiner Meinung nach sollte Deutschland auf die Vorschläge von Frankreichs Präsident Macron eingehen. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass die EU den Herausforderungen durch die Globalisierung und den Rechtspopulismus nicht gewachsen sei. Die Rückkehr zum Nationalismus wäre ein Albtraum.

Ideen gesucht

Kershaw sagte am Sonntag bei seiner Rede im Staatsschauspiel Dresden, dass Staatsmänner und -frauen mit Visionen und Engagement gebraucht würden: "Wenn diese vorhanden wären und Regierungen konsequent zusammenarbeiten würden, um sich der Gefahr des Populismus deutlich entgegenzustellen, die falschen Verheißungen des Populismus aufzuzeigen und uns die immensen Vorteile, die über die Jahrzehnte europäischer Kooperation und Integration entstanden sind, vor Augen führen, dann haben wir gute Chancen, die heutigen schweren Herausforderungen zu bewältigen", so Kershaw. Die Hoffnung, dass Großbritannien doch noch in der EU oder zumindest eng mit ihr verbunden bleibe, habe er noch nicht aufgegeben.

Zur Person

Ian Kershaw gilt als einer der wichtigsten Historiker der Gegenwart. Er wurde durch seine Schriften zum Nationalsozialismus, insbesondere durch seine zweiteilige Hitler-Biografie bekannt. Am Montag ist sein zweiter Band über die Europäische Geschichte von 1914 bis in die Gegenwart erschienen. Er trägt den Titel "Achterbahn" und folgt auf den Besteller "Höllensturz". Bis zu seiner Emeritierung war Kershaw Professor für Modern History an der University of Sheffield.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 11. März 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 14:14 Uhr

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