John Lennon und Yoko Ono
Yoko Ono und John Lennon im Jahr 1971– dem Erscheinungsjahr von "Imagine". Bildrechte: dpa

Bildband "Imagine John Yoko" Yoko Ono legt beeindruckenden Bildband zu "Imagine" vor

John Lennons Album "Imagine" ist bis heute ein universelles Statement für Frieden und Liebe, für Selbsterkenntnis und Wut. 38 Jahre nach seinem Tod bringt seine Witwe Yoko Ono nun einen opulenten Bildband heraus, der die Entstehungsgeschichte des Albums zeigt. "Imagine John Yoko" ist dabei nicht nur ein Buch für absolute Lennon-Fans.

von Jan Kubon, MDR KULTUR-Musikredakteur

John Lennon und Yoko Ono
Yoko Ono und John Lennon im Jahr 1971– dem Erscheinungsjahr von "Imagine". Bildrechte: dpa

Imagine: Wort, Kunstkonzept, Mega-Single, Lebensidee und übergroßes Album – letzteres beim Erscheinen von der Kritik als zu poppig verhöhnt. John Lennon nannte das Lied "Imagine" später sein Statement gegen Nationalismus, gegen Kapitalismus und religiösen Fanatismus. Es ist bittersüßer Popschmelz, gegossen auf bittere Aggressivität.

Ein haptischer Genuss

Doch das ganze Album ist durchsetzt von einzigartigen Stücken: der Song "How do you sleep" ist Sarkasmus pur, "I dont wann be a soldier" – Lennons Begehr gegen das Establishment und seine kriegerischen Absichten. Die ganze Größe des Albums zwischen Urschrei-Therapie und vergossener Liebe gibt es nun auf dreieinhalb Kilo Papier. Als Buch mit Prägedeckel: ein wunderbar haptischer Genuss im A-4-Format mit den berühmten Geoff-Hendricks-Wolken von Imagine als Schnittkante.

Yoko Ono
Yoko Ono hat den Bildband kuratiert und herausgegeben. Bildrechte: dpa

Der Bildband "Imagine John Yoko" ist untertitelt mit den Worten "mit Beiträgen von allen" und das ist nicht übertrieben. So erinnert sich zum Beispiel Bassist Klaus Voorman an die Aufnahmen zum Album. Wenn er an die Sessions denke, dann denke er immer an "Jealous guy". "Ich sitze da und weiß nicht mal, in welcher Tonart ich bin. Es geht wie im Traum, verstehst Du? Es ist einfach ein so schöner Song, er fließt einfach." 

Ich schließe die Augen und höre John und spiele einfach.

Klaus Voorman in "Imagine John Yoko"

"Die Noten kommen, wo Platz ist für sie oder wenn ich denke – in diesem speziellen Moment sollten sie gespielt werden."

Inhatlich und visuell gelungen

Neben Weggefährten und engen Freunden kommen – und das ist ein großer Verdienst des Buches – unter anderem auch vermeintliche Randfiguren des Geschehens zu Wort. Da sind zum Beispiel die Nacht-Rezeptionistin der "Record Plant Studios", diverse Toningenieure, Roadmanager, Kameramänner und Fotografen. All diese Details und vielen Zitate ergeben rein textlich schon eine sehr genaue und unterhaltsame Beschreibung rund um das "Imagine"-Album. Gute Idee und gut gemacht! Neben dem Text ist "Imagine John Yoko" aber auch ein visueller Wonneproppen.

Zusammentreffen großer Künstler

Das Buch beschreibt, reich bebildert mit großartigen Fotos von Yoko Ono, Barrie Wentzell, Peter Fordham und John Lennon selbst, das wirkliche Innenleben der Sessions zu "Imagine". Der Betrachter und Leser taucht so in ein Universum ein, das besiedelt ist von den womöglich wichtigsten Musikern dieser Zeit und weiteren kreativen Geistern. Zeichnungen von Klaus Voormann, Abbildungen der Originaltonbänder, Entwürfe zum Studioausbau in Tittenhurst, sowie Abbildungen der originalen Songtexte runden das Bild ab.

Erinnerungen von John Lennon

John Lennon "Imagine"
Das Cover von "Imagine" von 1971. Bildrechte: Universal Music

Auch dem ikonografischen Cover des Albums und an seine Entstehung wird erinnert. So ist zu lesen, wie die Vorder-und Rückseite des Albums von Yoko Ono auf Polaroid fotografiert wurde. John Lennon habe es fantastisch gefunden. "Sie macht also das Foto von mir und dann hatten wir noch das Gemälde von Geoff Hendricks, der nur Himmel malt. Ich stand davor im Hotelzimmer und sie legte das Bild davon über meines, so, dass mein Kopf in den Wolken war. Dann legte ich mich auf das Fensterbrett für ein liegendes Bild für die Rückseite – sie wollte eines mit der Wolke über meinem Kopf." Lennon berichtet, wie er in dem Moment am "Imaginieren" gewesen sei.

Eine Liebe über den Tod hinaus

"Imagine", der Bildband von Yoko Ono, ist in Leinen gebundene Zeitgeschichte. Natürlich wird am Ende dem "Imagine"-Erbe mit all den Kunstaktionen von Yoko ein großer Raum freigeräumt – aber das, was am allermeisten beeindruckt, ist die Offenheit der Zitate aller Beteiligter. John Lennon charakterisiert sich selbst als gewissenlosen, brutalen Typen, der aber ein hoffnungsloser Romantiker ist und egal was man über Yoko Ono geschrieben und geätzt hat, am Ende des Buches wird einem das Herz weich, wenn sie schreibt, dass John Lennon bis zum Ende in vielerlei Hinsicht ein einfacher Mann aus Liverpool gewesen sei. "Er war ein Chamäleon, ein bisschen Chauvinist, aber so menschlich." In ihren gemeinsamen 14 Jahren habe er sich ständig weiterentwickelt. Sie schreibt, dass sie beste Freunde gewesen seien.

Für mich ist er immer noch am Leben. Der Tod kann eine Flamme und einen Geist wie John Lennon nicht löschen.

Yoko Ono in "Imagine Yoko Ono"

John Lennon und Yoko Ono stehen gemeinsam auf der Bühne und singen.
John Lennon und Yoko Ono bei einem ihrer gemeinsamen Auftritte. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Informationen zum Buch Imagone John Yoko
Yoko Ono und John Lennon
Verlag: Edel Books
320 Seiten
49,95 €
ISBN: 978 384 190 6373

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Dezember 2018 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2018, 11:56 Uhr

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