Pläne für Neugründung Steht das "Impuls-Festival für Neue Musik" vor dem Aus?

Das "Impuls-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt" gibt es seit 2008. Aus Sicht der Veranstalter ist es eine Erfolgsgeschichte. Doch das Kulturministerium will einen Neustart, und zwar bald. Ein Streit bahnt sich an.

von Sandra Meyer, MDR KULTUR

Geigenkopf auf Notenblatt
Bildrechte: Colourbox.de

Die Idee des "Impuls-Festivals für Neue Musik in Sachsen-Anhalt" war, Neue Musik einem breiten Publikum näherzubringen. Das zehnte Jubiläum 2017 wurde auch noch groß und gerne von der Landesregierung gefeiert, dafür gab es auch noch ausreichend Unterstützung, sagt Intendant Hans Rotman.

Doch nun gebe es offensichtlich Pläne, das Festival gänzlich zu ersetzen: "Ich befürchte, dass das Impuls-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt über das Jahr 2019 vom Kulturministerium nicht weiter gefördert wird." Es gebe Hinweise, dass überlegt werde, ein neues Festival zu gründen, so Rotman. Warum, sei ihm ein Rätsel.

Eigentlich steht das Impuls-Festival blendend da und ich verstehe auch nicht, wieso nach zwölf Jahren etwas Neues wieder von vorne aufgebaut werden soll.

Hans Rotman, Intendant des Impuls-Festivals

Kulturministerium bestätigt Änderungswünsche

Rotman, der aus Holland stammt und Geige und Komposition studiert hat, ist ratlos. Seit Jahren hat er ein Netzwerk für zeitgenössische Musik aufgebaut, Konzerte nicht nur in Magdeburg und Halle, sondern auch im ländlichen Raum organisiert, und all das stünde dann zur Disposition. Und tatsächlich bestätigt der Staatssekretär für Kultur, Gunnar Schellenberger, auf Nachfrage eine Neuordnung des Festivals.

Zwar sei das Impuls-Festival "in vielen Etappen sehr erfolgreich" gewesen, so Schellenberger: "Aber ich finde, auch eine Intendanz mit über zehn Jahren ist es wert, auch mal neu ausgerichtet zu werden." Man denke über eine andere Ausrichtung mit mehr Breitenwirkung nach: "Für uns ist es ja nun wichtig, nicht nur im Land Sachsen-Anhalt bekannt zu sein oder wahrgenommen zu werden, sondern in der gesamten Bundesrepublik" – und auch "im internationalen Maßstab" wolle man "eine Größenordnung spielen".

Diese Bekanntheit spricht Schellenberger dem Impuls-Festival offensichtlich ab. Dabei, sagt Intendant Rotman, habe man neben allen Orchestern im Land auch überregionale Kooperationspartner, und auch bundesweit agierende Stiftungen beteiligen sich finanziell.

Ich finde, auch eine Intendanz mit über zehn Jahren ist es wert, auch mal neu ausgerichtet zu werden, und wir haben gesagt: mal überlegen, ob es nicht eine andere Ausrichtung geben kann, die in einer anderen Breite wirken kann.

Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur in Sachsen-Anhalt, über das Impuls-Festival

Was wäre eine Alternative zum Impuls?

Argumente, die Stefan Gebhardt, der kulturpolitische Sprecher der Linken-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, teilt. Von den Vorschlägen des Kulturministeriums ist er deshalb irritiert. Das Impuls-Festival habe sich bewährt und habe ein Publikum gefunden, so Gebhardt: "Sicherlich kostet es auch Geld für das Land, aber ich glaube, dass der Nutzen, den das Land daraus gezogen hat, bisher größer war als die Kosten, die es verursacht hat." Außerdem gebe es noch keine Alternative zum Impuls-Festival.

Tatsächlich tut sich Staatssekretär Schellenberger schwer, ein konkretes Konzept zu erläutern. Man möchte sich inhaltlich neu aufstellen und fokussiere auf die Kulturhauptstadt Magdeburg – wie genau, sagt er allerdings nicht. Es werde Gespräche mit Musikverantwortlichen geben und mit den Intendanten der Orchester, sagt Schellenberger: "Zeitliche Perspektive ist für uns schon 2020/21, dass wir da eine neue Organisation haben – wie die auch immer aussehen wird und wer die Partner sind, da sind wir gerade auf der Suche."

Ich kann mir schwer vorstellen, dass jemand anderes das besser macht.

Karen Stone, Intendantin des Theaters Magdeburg, über den Impuls-Intendanten Hans Rotman

Änderungen ab 2020/21?

Karen Stone
Karen Stone, Intendantin Theater Magdeburg, ist "äußerst zufrieden" mit dem Impuls-Festival Bildrechte: IMAGO

Ob eine Neuordnung des Festivals in so kurzer Zeit realistisch ist mit entsprechender Planungssicherheit, mag auch Karen Stone, Intendantin des Theaters Magdeburg, nicht beantworten. Sie wurde bisher auch nicht zu einem Gespräch geladen. Doch als langjährige Partnerin hat sie eine Meinung: "Bisher war ich mit Hans Rotman und seinen Plänen zur Gestaltung des Impuls-Festivals äußerst zufrieden. Er hat wirklich spannende Sachen gebracht." Sie könne sich schwer vorstellen, dass jemand anderes das besser mache.

Dennoch ist jedem Protagonisten klar, dass ein Festival nach zehn Jahren evaluiert werden sollte. Und wenn das Kulturministerium auflistet, dass man zukünftig auch mit dem Tonkünstlerverband oder "Sinuston", dem Festival für elektroakustische Musik in Magdeburg, zusammenarbeiten will, also den beiden weiteren Festivals für Neue Musik, scheint das sinnvoll und überfällig. Doch ob deshalb ein ganzes Festival radikal erneuert werden muss, sei dahin gestellt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Mai 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2019, 07:33 Uhr

Abonnieren