Ich bin eine Muslima, Theater, Dresden, Bürgerbühne, Staatsschauspiel
Im April wurde das Stück "Ich bin eine Muslima - Haben Sie Fragen" an der Bürgerbühne Dresden uraufgeführt. Bildrechte: Staatsschauspiel Dreden, Foto: Sebastian Hoppe

Intendantenbefragung von MDR KULTUR Erfolgsmodell Bürgerbühne: Wie Laien das Theater neu definieren

Ich bin eine Muslima, Theater, Dresden, Bürgerbühne, Staatsschauspiel
Im April wurde das Stück "Ich bin eine Muslima - Haben Sie Fragen" an der Bürgerbühne Dresden uraufgeführt. Bildrechte: Staatsschauspiel Dreden, Foto: Sebastian Hoppe

Die Mehrzahl der mitteldeutschen Stadt-, Landes- und Staatstheater hat inzwischen eine Bürgerbühne. Bei einer Umfrage von MDR KULTUR gaben 75 Prozent der Intendantinnen und Intendanten an, dass partizipative Theaterprojekte im eigenen Haus organisiert würden. Weitere 16 Prozent der Befragten denken derzeit über eine Gründung nach. Das Modell Bürgerbühne bietet neue Ausdrucksformen und macht Theater für ein breiteres Publikum attraktiv. Nach Aussage von Ansgar Haag vom Meininger Staatstheater helfen Kindertheater, Bürgerbühne etc., Türen zu öffnen und den Zugang zu zeitgenössischer Literatur an immer neue Publikumsschichten zu tragen.

Wolf E. Rahlfs ist der künftige Intendant des Theaters der Altmark
Wolf E. Rahlfs Bildrechte: Theater der Altmark

Wolf E. Rahlfs, Intendant des Theaters der Altmark, sagte in der Umfrage, dass das Bürgertheater im eigenen Haus vom organisatorischen Aufwand her mittlerweile den Rang einer eigenständigen Sparte habe: "Wir haben es verstärkt mit einem Publikum zu tun, für das 'Theater-Sozialisation' nicht mehr selbstverständlich ist, weshalb wir neue Angebots- und Kommunikationsflächen im erwähnten Sinne schaffen."

Neue Formate lösen traditionelle Theaterästhetik ab

Das Theater befindet sich in einem extremen Wandel: weg von der geschlossenen bürgerlichen Theaterästhetik des 19. und 20. Jahrhunderts hin zu einem postdramatischen offenen Theaterformat. Dieses definiert sich auch als gesellschaftlicher Diskursraum, was für das Bürgerbühnenformat zentral ist: Bürgerbühnen bieten die Möglichkeit, Wandel zu thematisieren und darauf zu reagieren, indem sie Themen wie Heimat, Stadtgeschichte, Fremdes und Eigenes, Krankheit oder Alltag auf die Bühne bringen. So sind sie ein Mittel der kulturellen Bildung, das gleichzeitig (neues) Publikum an die Theater bindet. Ausgangspunkt für Bürgerbühnen waren in den vergangenen Jahren oft Jugendtheaterclubs.

Die Theater stellen bei diesem Angebot mindestens die Infrastruktur, meistens unterstützen Theaterpädagogen und Dramaturgen zudem die Arbeit. Selbstentwickelte Stücke sind im Trend, weil hier die Übersetzung von Selbsterlebtem in Kunst stark zur Geltung kommt.

Staatsschauspiel Dresden Vorreiter in Deutschland

Miriam Tscholl, Leiterin der Bürgerbühne Dresden
Miriam Tscholl Bildrechte: MDR/Judith Burger

Als Vorreiter in Deutschland gilt hier seit 2009 das Staatsschauspiel Dresden, die dortige Bürgerbühne machte unter ihrer langjährigen Leiterin Miriam Tscholl immer wieder mit außergewöhnlichen Inszenierungen auf sich aufmerksam. Theaterarbeit mit Geflüchteten war seit 2015 ein wichtiges Anliegen. Im Mai 2019 fand hier ein europäisches Bürgerbühnenfestival statt. Besonders erwähnenswert im Bürgerbühnenkontext ist auch das Theater Bautzen, das mit dem "Thespis-Zentrum" ein Zentrum für transkulturelles Theater gegründet hat.

Zum Projekt Intendantenbefragung MDR KULTUR hat in einer repräsentativen Erhebung die Intendantinnen und Intendanten der 32 Stadt- und Landes- und Staatstheater in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen befragt. In 16 Fragen wollten wir unter anderem wissen, ob die Theaterleitungen angesichts der aktuellen politischen Debatten die Freiheit der Kunst in Gefahr sehen, ob es an der Zeit für neue Finanzierungsmodelle ist, und ob die Idee, Theaterbesuche in Zukunft kostenlos zu machen, Unterstützung findet. Die Ergebnisse der Befragung geben wir in diesem sowie in weiteren Artikeln (siehe unten) wieder. Die Befragung wurde durchgeführt von Opernredakteurin Bettina Volksdorf und Theaterredakteur Stefan Petraschewsky.

Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur 6 min
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

MDR KULTUR - Das Radio Mo 19.08.2019 08:40Uhr 06:06 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Theaterredakteur 6 min
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MDR KULTUR - Das Radio Mo 19.08.2019 08:40Uhr 06:06 min

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Zuschauerraum im Theater 6 min
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Ein Mann und eine Frau stehen vor einer Video-Projektion, darauf ist ein Planet im Weltall mit drei Menschen zu sehen. 4 min
Bildrechte: Rolf Arnold

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Kultur im MDR
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 19. August 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 04:00 Uhr