Kunst und Design in Halle Jahresausstellung der Burg Giebichenstein: Kunst zum Angucken und Anklicken

In Halle beginnt am 17. Juli die Jahresausstellung 2020 mit Kunst und Design von Studierenden der Burg Giebichenstein. Einige Teile wurden ins Netz verlagert. Doch auch in der Stadt ist an mehreren Orten Kunst zu erleben, zum Beispiel im Literaturhaus Halle, der Burg-Galerie im Volkspark und in der Großen Ulrichstraße.

Burg Giebichenstein (Kunsthochschule) in Halle.
Design-Campus der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Bildrechte: imago images / photothek

Am Wochenende beginnt die Jahresausstellung der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Doch in diesem Jahr muss wegen der Corona-Pandemie vieles auf andere Art und Weise stattfinden. So ist die Besucherzahl beschränkt. Zudem gibt es weniger Gespräche von Angesicht zu Angesicht, dafür mehr digitale Konversation. Außerdem mussten neue Möglichkeiten gefunden werden, die Kunst der Studierenden erfahrbar zu machen.

Diplomausstellung "Close to the Bone" in der Burg-Galerie im Volkspark

Ein junger Mann mit Brille
Bildhauer Tareq Alghamian vor seiner Kammer der Linien Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Ein Teil der Jahresausstellung sind die Werke der Diplomandinnen und Diplomanden, die ab Samstag unter dem Titel "Close to the Bone" in der Burg-Galerie im Volkspark zu sehen sind. Wegen der Hygiene-Maßnahmen dürfen nicht mehr als 14 Personen die Galerie gleichzeitig betreten.

Eines der Highlights dieser Ausstellung hat der Bildhauer Tareq Alghamian geschaffen: einen begehbaren Kasten, der von außen schlicht hölzern anmutet, innen aber stechende Kraft entfaltet. Unterschiedlich lange Stahlquader bohren sich von allen Seiten ins Innere und verengen den Raum. Es ist nur Platz für eine Person, die sich kaum noch drehen kann. Die Stahlquader richten sich auf den Körper und wirken dadurch bedrohlich – als Betrachter erlebt man die Enge also hautnah.

Ausstellungsstück bei der Jahresausstellung der Burg Giebichenstein Halle
Ein Blick auf die Stahlquader im Inneren der Kammer der Linien Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Der 1988 in Syrien geborene Bildhauer will mit seinem Werk zeigen, wie Systeme – seien es politische, gesellschaftliche oder eben auch geometrische – unser Denken und Fühlen beeinflussen. "Man hat das Gefühl, dass es so einen Plan, ein System in diesem Raum gibt", sagt Alghamian, "und gleichzeitig merkt man, dass es auch ein bisschen chaotisch aussieht." Man sei gezwungen, den Linien der Quader zu folgen – "ohne teilzunehmen am Bilden dieser Linien."

Kunst im öffentlichen Raum

Ein weiterer Schauplatz der Jahresausstellung ist das Hermes-Areal am nordöstlichen Stadtrand. Hier wollen die Kunststudenten Karl Gustav Steinig und Walther Scholz ein altes Backsteingebäude mit Projektionskunst zum Leuchten bringen. Dafür haben sie sich von dem Ende Mai gestorbenen Verpackungskünstler Christo inspirieren lassen. "Wir haben uns vorgestellt, wie das Gebäude aussähe, wenn es komplett verhüllt wäre", sagt Steinig.

Feya Schweer - Ornamente der Lebendigkeit und Normen der Möglichkeit
Feya Schweer: "Ornamente der Lebendigkeit und Normen der Möglichkeit" Bildrechte: Max Mendez

Doch dann habe die Zeit gedrängt. Nun gibt es die Verhüllung von innen durch Vorhänge vor den Fenstern. Darauf soll dann Kunst projiziert werden: Videos, Bilder, Skizzen und Texte. Die Arbeiten sollen sich dabei "ständig de- und reorganisieren und dadurch neue Kontexte und Kompositionen visualisieren", so die Macher.

Auch in Halles Zentrum wird Kunst gezeigt. In den Schaufenstern des ehemaligen "Xenos"-Ladens in der Großen Ulrichstraße 13 präsentiert die Ausstellung "Spanne" Werke von 16 Malerei-Studierenden der Burg. In zwei verschiedenen Teilen vom 17. Juli bis 2. August sowie 7. bis 23. August 2020 werden unterschiedliche Arbeiten der Studierenden gezeigt, die jeweils von der Straße aus zu sehen sind. Die Präsentation soll auch ins Internet übertragen werden.

Virtuelle Ausstellungen im Netz

Michal Fuchs - Von dem Land hinab zu gehen
Michal Fuchs: "Von dem Land hinab zu gehen" Bildrechte: Sven Bergelt

Für eine rein digitale Präsentation haben sich Studierende des Fachbereichs Industriedesign entschieden. In der "Shutdown.gallery" sind bis zum 1. Oktober die Arbeiten des vergangenen Semesters in einer virtuellen 3D-Ausstellung zu sehen. "Wir haben uns mit digitalen Tools und mit digitalem Entwerfen von generativem Design auseinandergesetzt", sagt Studentin Wayra Aguilar – also mit einer Sparte des Industriedesigns, bei der Computer-Algorithmen die Formen entwerfen. Deshalb habe sich eine digitale Ausstellung angeboten.

Dabei können sich Besucherinnen und Besucher per Pfeiltasten auf der Tastatur durch die virtuelle Galerie bewegen. Am Freitag wird eine weitere digitale Plattform freigeschaltet, auf der Arbeiten von Studierenden anderer Fächer zu sehen sind.  

Radio "Burgfunk" geht auf Sendung

In einem 48-stündigen Webradio-Programm wollen Burg-Studierende auf das Studienjahr zurückblicken und Kunstprojekte vorstellen. Das Webradio soll am 17. Juli um 18 Uhr beginnen und Gesprächsrunden mit Studierenden, Lehrenden und Gästen bieten.

Design-Studentin Wayra Aguilar, die das Programm betreut, sagte, es gebe "verschiedenste Beiträge, die sich mit der Design-Lehre und dem digitalen Semester beschäftigen". Außerdem seien Live-Sessions mit Bands und DJs, Sound-Performances und Musik-Collagen geplant.

Weitere Informationen zu den Ausstellungen Jahresausstellung der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

"Close to the Bone. Diplome der Kunst"
18. Juli bis 2. August 2020
Burg-Galerie im Volkspark Halle, Schleifweg 8a

Öffnungszeiten:
18. und 19. Juli: 10 bis 18 Uhr
24. bis 26. Juli sowie 31. Juli bis 2. August: 14 bis 19 Uhr

Eintritt frei

Weitere Ausstellungsorte:

Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt
Neuwerk 11

Literaturhaus Halle
Bernburger Straße 8

Digitale Plattform:
17. Juli bis 1. Oktober 2020

Mehr Kunst

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Juli 2020 | 06:30 Uhr