"Deuscthland"-Schau in Düsseldorf Jan Böhmermann macht jetzt Kunst im Museum

Moderator Jan Böhmermann hat am Donnerstagabend im NRW-Forum in Düsseldorf seine erste Museumsausstellung eröffnet. Er sagte bei der Vorstellung der Schau, er setze damit Ideen um, die im Fernsehen nicht funktionierten. Es habe in den letzten Jahren viele Sachen gegeben, "die so links und rechts runtergefallen sind auf der Hobelbank", so Böhmermann.                                           

Die Ausstellung mit dem absichtlich verdreht geschriebenen Titel "Deuscthland" zeigt zum Beispiel Wanderkleidung, die man von Urlaubsfotos der Kanzlerin kennt und die man hier sogar anfassen kann. "Dieses Beige, was in den Socken, in der Hose und in der Mütze eigentlich steckt: Das ist zumindest tröstlich, dass man es anfassen kann", bemerkt Böhmermann dazu.

Die Wanderkleidung finde ich von daher ganz schön, weil sie zum ersten Mal diese Form von Macht, mit der wir seit zwölf Jahren konfrontiert werden, greifbar macht.

Jan Böhmermann über ausgestellte Kleidung, inspiriert von Angela Merkel

Einen sogenannten "Reichspark" kann man mittels Virtual-Reality-Brillen in einer fiktive Achterbahnfahrt erkunden. Böhmermann gestaltet hier die Zeit von 1933 bis 1945 zum "Freizeiterlebnis", inklusive Bücherverbrennung und Begegnung mit Hitler.

Schwarz-Weiß-Diskussionen auf Knopfdruck

Jan Böhmermann
Jan Böhmermann brachte Deutschland 2016 mit seinem bewusst provokanten "Schmähgedicht" an den Rand einer Staatskrise Bildrechte: dpa

Aufgestellt ist auch ein "Diskursautomat", der die Besucher per Knopfdruck "schuldig" oder "unschuldig" wählen lässt. Zu den Auswahlmöglichkeiten gehören dabei "Israel oder Palästina", "Karriere oder Familie" oder "Ost oder West". Die Abstimmung wird in einem Foto festgehalten und dieses bei Twitter veröffentlicht.

In einem Séparée spiegelt die Ausstellung den Rechtsstreit um Böhmermanns "Schmähgedicht" auf den türkischen Präsidenten Erdogan wider. "Rechtsfreier Raum" wird dieser Bereich genannt und man kann dort verschiedene öffentlich zugängliche Dokumente aufrufen. Dazu gehört beispielsweise die Mitteilung des Landgerichts Hamburg, in der auseinanderdividiert wurde, welche Verse des "Schmähgedichtes" verboten sind und welche nicht. In der Ecke des Séparées steht ein Pappaufsteller, der laut Böhmermann den Anwalt von Erdogan zeigt.

Jan Böhmermann will "hart an der Gegenwart" arbeiten

Die Ausstellung hat Böhmermann mit seiner Produktionsfirma Bildundtonfabrik zusammengestellt. Der Moderator erklärte, er wolle damit "hart an der Gegenwart" arbeiten. Die gescheiterten Jamaika-Sondierungen in Berlin seien dafür geradezu ein Glücksfall: "Dass wir gerade in so einer Art Lauerstellung sind, ist für die Ausstellung perfekt." Momentan gebe es keine Gewissheiten und keine Richtung.

Besucher der Ausstellung müssen an einer "Passkontrolle" ihr Handy abgeben, um keine Fotos verbreiten zu können. Man wolle der Schau nicht "das Neue" nehmen, begründete Böhmermann die Geheimnistuerei, jeder solle sich "selbst ein Bild von der Ausstellung machen und diese völlig unvoreingenommen besuchen."  Auch Journalisten durften vorab keine Fotos in der Ausstellung machen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 23. November 2017 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2017, 10:28 Uhr

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