Die amerikanische Sängerin Janis Joplin, USA Ende 1960er Jahre.
Haare wie Draht und eine Stimme wie ein Reibeisen: Janis Joplin konnte singen wie niemand davor und niemand danach. Bildrechte: IMAGO

Neuauflage des Hit-Albums "Cheap Thrills" Unbekannte Aufnahmen von Janis Joplin erschienen

von Peter Hartlapp, MDR KULTUR

Die amerikanische Sängerin Janis Joplin, USA Ende 1960er Jahre.
Haare wie Draht und eine Stimme wie ein Reibeisen: Janis Joplin konnte singen wie niemand davor und niemand danach. Bildrechte: IMAGO

Vor 50 Jahren, im August 1968, veröffentlichte Janis Joplins erste Band Big Brother and the Holding Company ihr Album "Cheap Thrills". Es war ihr Major-Label-Debüt, erreichte Platz eins in den US-Charts und war für Joplin der endgültige Durchbruch. Der psychedelische Soul in ihrer Stimme verschleierte die musikalischen Defizite der Band – und machte aus "Cheap Thrills" etwas Neuartiges, Bahnbrechendes.

Die überarbeitete Fassung des Albums erscheint nun unter dem ursprünglich vorgesehenen Titel, der der Plattenfirma damals zu kontrovers für die breite Masse war: "Sex, Dope & Cheap Thrills". Fünf Tracks auf der Doppel-CD wurden schon einmal veröffentlicht. Der Rest: 25 nie gehörte Stücke, fragmentartige Demos, Jams und kurze Outtakes mitunter aus einer legendären dreitägigen Session in den New Yorker C.B.S. Studios 1968.

Aufnahmen erstmals ohne Geräusche von Fake-Publikum

Wer das Original-Album "Cheap Thrills" im Ohr hat, erinnert sich an Publikumsgeräusche. Jubeln. Klatschen. Die wurden damals im Studio künstlich dazu gemischt, um Live-Atmosphäre zu simulieren. Lediglich Big Mama Thorntons "Ball and Chain" war eine echte Live-Aufnahme. Eine alternative Version, aufgenommen im Winterland Ballroom in San Francisco, ist nun erstmals auf "Sex, Dope & Cheap Thrills" zu hören.

Die Liner Notes im Booklet stammen von Grace Slick, Sängerin von Jefferson Airplane – und von David Getz, Drummer von "Big Brother & The Holding Company". Slick schildert, wie sie Janis Joplin kennenlernte: "Dann hörte ich diese Stimme – großer Gott!" Jedes Gefühl, das Joplin ausgedrückt habe, sei "wie eine Detonation" gewesen, "absolut kompromisslos". Joplin habe problemlos den Übergang von den biederen Fünfzigern in die tabulosen Sechzigerjahre geschafft, so Slick: "Wir alle profitierten von den neu gewonnenen Freiheiten, und das spiegelte sich in der Musik wider."

Ein historisches Dokument

Slick zeigt sich zufrieden, dass nun eine neue Generation diese Musik kennenlerne. Und diese Generation hört, wie Joplin durch "Roadblock" stürmt, oder sie lauscht Joplins Soul beim "Farewell Song".

Musikalisch bietet "Sex, Dope & Cheap Thrills" nichts bahnbrechend Neues an. Es ist vielmehr ein historisches Dokument, das einen kurzen und glücklichen Lebensabschnitt Joplins einfriert – vor ihrem Absturz und dem viel zu frühen Drogentod mit gerade mal 27 Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. Dezember 2018 | 07:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2018, 16:16 Uhr