Schauspieler Joe Bausch
Joe Bausch, der Mann für die "Harten Geschichten", so der Untertitel seines Hörbuchs "Gangsterblues". Bildrechte: dpa

Hörbuch Joe Bausch erzählt Knast-Geschichten

von Bastian Wierzioch, MDR KULTUR

Schauspieler Joe Bausch
Joe Bausch, der Mann für die "Harten Geschichten", so der Untertitel seines Hörbuchs "Gangsterblues". Bildrechte: dpa

Im Nebenberuf gibt er den Gerichtsmediziner im "Tatort" aus Köln. Joe Bausch, Jahrgang 1953, war im wirklichen Leben bis vor kurzem Regierungsmedizinaldirektor in der Justizvollzugsanstalt Werl in Nordrhein-Westfalen. Mehr als 30 Dienstjahre hat Bausch als Gefängnisarzt auf dem Buckel. Unzählige Knast-Geschichten kamen im Laufe dieser Jahrzehnte zusammen.

Eher Sachhörbuch als Unterhaltung

Joe Bausch: "Gangsterblues"
Das Hörbuch umfasst sechs CDs. Bildrechte: Hörbuch Hamburg

In Bauschs vertonten Erinnerungen "Gangsterblues" stehen nicht die Verbrechen seiner Patienten im Vordergrund. Im Fokus seiner Geschichten liegen Justizvollzugsanstalten, das Leben, die Kultur darin. Welche Hierarchien herrschen? Wie sieht der Alltag in Gefängnissen aus? In welchem Zustand befindet sich der Strafvollzug in Deutschland?

Diese Themen transportiert Bausch mittels insgesamt zwölf Kurzgeschichten. Außerdem reflektiert der Gefängnisarzt seine eigene Rolle "im Haifischbecken Gefängnis", wie er selbst sagt. Im Kern also haben wir es hier mit einem gut erzählten Sachhörbuch zu tun und weniger mit Unterhaltungsliteratur.

Zwölf Short-Stories

Bausch gibt seine Knastgeschichten nicht eins zu eins wieder, so wie er sie wohl tatsächlich erlebt haben dürfte. Seine Fälle haben so nicht stattgefunden. Doch sie hätten so stattfinden können. Bausch verfremdet und fiktionalisiert. Seinem Projekt tut dies keinen Abbruch.

Konkret erzählt der Arzt etwa in der Short-Story "Struht geht nicht" von dem Häftling Hans-Dieter Struht, der unauffällig, immer fleißig, immer höflich in seiner kahlen Zelle lebt. Vor 20 Jahren ermordete er seine damalige Geliebte. Zuvor lebte er ein unauffälliges Leben, so wie danach im Knast.

Irgendwann kommt die Zeit, da könnte Struht frei kommen. Dafür müsste er nur sein Gnadengesuch unterschreiben, was er aber nicht macht. Struht geht nicht. Irgendwann bekommt er auch noch Darmkrebs, verweigert sich aber jeder Behandlung. Dieser Mann gibt Rätsel auf. Joe Bausch beschreibt seinen Fall als "selbstauferlegtes Martyrium" – als eine Vergrößerung der eigenen Strafe durch den Straftäter selbst.

Das harte Leben im Gefängnis

Im Fall von Markus Lesser, einem braven Sparkassen-Angestellten, geht es im Kern um die Schwierigkeit, in Deutschland als Verurteilter die Wiederaufnahme seines Verfahrens zu erreichen. Markus Lesser soll als junger Mann nach einem Schützenfest eine junge Frau ermordet haben. Deswegen muss er eine lebenslange Freiheitsstrafe absitzen. Doch währenddessen kommen immer mehr Zweifel auf. Ist er tatsächlich der Täter? Allen Zweifeln zum Trotz bleibt Lesser bis zum Schluss im Gefängnis.

In weiteren Kurzgeschichten zeigt Autor Joe Bausch, was passieren kann, wenn man im Gefängnis zu viele andere Häftlinge gegen sich aufbringt, wie wichtig die psychologische Betreuung von Strafgefangenen sein kann oder wie Gefängnisärzte in medizinethische Dilemmata geraten können.

Bausch überzeugt als Vorleser

Autor Joe Bausch liest sein Hörbuch selbst, und dies auf gehörigem Niveau. Es gibt keine Passage, in der er gekünstelt wirkt oder überbetont. Die Tatsache, dass hier jemand aus seinem eigenen Berufs-Alltag als Gefängnisarzt erzählt, verleiht Joe Bauschs Lesung ein hohes Maß an Authentizität.

Angaben zum Hörbuch Joe Bausch: "Gangsterblues. Harte Geschichten"
erschienen bei Hörbuch Hamburg
6 CDs, 447 Minuten
gelesen vom Autor

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. November 2018 | 18:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2018, 21:04 Uhr