Joe Jackson
Von manchen Dingen mag sich Joe Jackson nicht trennen: zum Beispiel von Einstecktüchern und der guten alten Vinyl-LP. Bildrechte: earMUSIC/Edel/dpa

Album-Tipp Joe Jackson findet auf "Fool" zu alter Stärke

Dem britischen Sänger Joe Jackson geht es seit jeher um die großen Themen: Wut, Trauer oder Freundschaft. Das gilt auch für sein neues Pop-Album "Fool". Musikalisch läuft er damit nach erfolglosen Jahren zu alter Form auf, findet unser Kritiker.

von Peter Hartlapp, MDR KULTUR-Musikkritiker

Joe Jackson
Von manchen Dingen mag sich Joe Jackson nicht trennen: zum Beispiel von Einstecktüchern und der guten alten Vinyl-LP. Bildrechte: earMUSIC/Edel/dpa

Für den "Nebenbei-Konsum" war David Ian "Joe" Jackson noch nie geeignet. Dem Briten geht es um die großen Themen: Jackson singt von Wut, Trauer, Verlust – aber auch von Freundschaft, Freude ... von Musik. 40 Jahre nach seinem Debüt ist das neue Album "Fool" vor allem eines: Ein Déjà-vu. Eine Rückkehr zu alter Stärke nach Jahren mehr oder weniger erfolgloser Rumprobiererei in der Versenkung.

Ein Fan des Album-Konzeptes

Der beat-lastige Titeltrack "Fool" ist der stärkste dieses mit gerade mal acht Songs bewusst knapp gehaltenen Neustarts. Das Album ist eine Reminiszenz an die Vinyl-Platte, als es noch keine CDs gab und der Internet-Stream noch nicht erfunden war, erzählt Jackson:

Das Album-Konzept hat etwas sehr Befriedigendes. Egal, ob es für tot erklärt wurde oder nicht. Aber 20 Minuten auf einer und 20 Minuten auf der anderen Seite stellen mich zufrieden.

Joe Jackson, Sänger und Pianist
CD-Cover: Joe Jackson: "Fool"
"Fool": Joe Jacksons Neustart mit acht Songs Bildrechte: earMUSIC

Immer dabei: Joe Jacksons alte Band von 1979. Die Jungs also, mit denen er damals sein vielbeachtetet Debüt-Album "Look Sharp!" einspielte. "Sharp" sieht Jackson auch mit 64 Jahren noch aus: Schlohweiße, säuberlich nach hinten gekämmte Haare, hohe Stirn, helle Haut, stets im Anzug samt Einstecktuck.

Zum Jubiläum feiert einer wie er den "Narren" – und damit ein Stück weit sich selbst: "Dir wird klar, wie wichtig es ist, seinen Humor zu bewahren. Das ist einer der Gründe, wieso 'Fool' der Titelsong des Albums ist", so Jackson. "Der 'Fool' ist irgendwie auch die Heldenfigur des Songs. Und es ist genau dieser Typ, der am Ende gewinnen soll." Er jedenfalls favorisiere Komödien, denn "Tragödien sind sowieso überall, sie gehören zum Leben dazu."

Eine problematische Kindheit

Dabei erinnert sich Jackson womöglich an seine Kindheit im südenglischen Portsmouth. An sein proletarisches Elternhaus, seine chronische Asthma-Erkrankung, die fehlenden sozialen Kontakte. Das alles war ganz weit weg, als Jackson 1984 nach New York zog – auf in eine neue Welt. In den 80er-Jahren habe er New York geliebt, aber jetzt sei es ganz anders: "Wenn ich dort manchmal durch die Straßen schlendere, weiß ich nicht wirklich, wo ich mich befinde – ein komisches Gefühl."

Aber das passiere wohl jeder Person, wenn sie älter werde, glaubt Jackson. "Dinge verändern sich." Der Song "Strange Land" handele von dem Gefühl, "sich fremd und auch ein wenig verloren zu führen." Gar nicht verloren klingt da schon "Fabulously Absolute", eine Kampfansage an alle Besserwisser. Die punkige Attitüde macht auch vor einem sirrenden 80er-Keyboard-Sound nicht Halt.

Spätabendliche Lounge-Atmosphäre

Daneben scheint es Jackson hauptsächliche darum zu gehen, melodischere Musik zu machen, eine spätabendliche, verführerische Lounge-Atmosphäre zu schaffen – mit Cocktails und beiläufiger Konversation, etwa in "Alchemy".

Einen Hit, so wie vor 40 Jahren mit "Is She Really Going Out With Him?", wird Joe Jackson mit seinem neuen Werk nicht landen. Aber darum geht es auch gar nicht. Jackson bleibt sich lieber treu – und wir halten fest, dass der 64-Jährige mit "Fool" zu alter Form aufläuft.

Auf Tour

Sein 40. Bühnenjubiläum begeht Joe Jackson in diesem Jahr mit einer Welttournee. Die führt ihn auch nach Deutschland, und am 28. März in seine neue Heimatstadt – in den Berliner Admiralspalast. Außerdem sind noch Konzerte in München, Stuttgart und Köln geplant.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Januar 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2019, 04:00 Uhr

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