Becher aus Meißner Porzellan mit den gekreuzten Schwertern, 2016
Becher aus Meißner Porzellan mit dem Markenzeichen: den gekreuzten Schwertern. Bildrechte: dpa

300. Todestag von Johann Friedrich Böttger Wie das Meißner Porzellan wirklich entstand

Porzellan aus Meißen: Das Weiße Gold ist ein sächsischer Mythos. Der Legende nach wurde es von Johann Friedrich Böttger erfunden – beim Versuch, Gold zu machen. Mittlerweile weiß man: Es war kein missglückter alchemistischer Versuch, sondern eine geplante Entwicklung, an der nicht nur Böttger beteiligt war. Heute vor 300 Jahren starb der Alchemist mit gerade mal 37 Jahren: vermutlich an den Folgen seiner chemischen Experimente.

von Hartmut Schade, MDR KULTUR

Becher aus Meißner Porzellan mit den gekreuzten Schwertern, 2016
Becher aus Meißner Porzellan mit dem Markenzeichen: den gekreuzten Schwertern. Bildrechte: dpa

Wie schon einmal, im Oktober 1701, will Johann Friedrich Böttger wieder Gold machen. Am 20. März 1713 trifft man sich in Böttgers Labor: August der Starke und Anton Egon Fürst zu Fürstenberg sehen mit eigenen Augen, wie Böttger aus Blei und Kupfer Gold und Silber transmutiert.

Das Goldmachen fasziniert Böttger von klein auf. Da mag ihn sein Lehrherr, der Apotheker Zorn in Berlin, noch so sehr verspotten, Lehrling Böttger probiert es heimlich abends immer wieder. Und er hat Erfolg: Unter den Augen seines skeptischen Lehrherren verwandelt er drei Loth Silbergroschen in Gold. Damit beeindruckt er auch den Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz.

Ich zögere, allem Glauben zu schenken, wage jedoch nicht, so vielen Zeugen die Stirn zu bieten, da ich absolut keine gültigen Gründe finden kann, die ihre Aussagen widerlegen könnten.

Gottfried Wilhelm Leibniz

Böttger im Visier der Mächtigen

Johann Friedrich Böttger
Johann Friedrich Böttger (1682-1719) Bildrechte: imago/Leemage

Der Fortgang der Geschichte ist bekannt: Böttger soll dem Preußenkönig Gold machen, flieht nach Sachsen, wird dort Staatsgefangener des starken August, der ebenfalls Gold will. Der Freiberger Mineraloge Papst von Ohain und der Universalgelehrte Ehrenfried Walther von Tschirnhaus sollen ihn gleichermaßen überwachen wie unterstützen. Die drei bilden den Kern des "Contubernium", einer – so Böttger-Biograph Klaus Hoffmann – Frühform der Industrieforschung.

Ein erklärtes Ziel des Contuberniums ist es gewesen, Wege und Methoden zur besseren Ausnutzung der landeseigenen Bodenschätze aufzuzeigen und zu erproben.

Klaus Hoffmann, Böttger-Biograph

Gold: Fehlanzeige! Aber zwei neue Produkte entstehen

Affe
Skulptur aus Böttger-Steinzeug Bildrechte: MEISSEN

Allerdings ist das nur das "Nebenwerk". "Hauptwerk", so steht es im offiziellen Auftrag des Contuberniums, ist das Goldmachen. Man kommt mit dem Nebenwerk aber besser voran. Beim Bau der Brennöfen entsteht zufällig hartes rotes Steinzeug, das später als Böttger-Steinzeug bekannt wird. Und so schwenken die drei um, über 200 Erden werden in verschiedenen Kombinationen gebrannt. Eine wissenschaftliche Fleißarbeit, aus der 1708 erstmals weißes Porzellan hervorgeht. Selbstbewusst verspricht Böttger, er fertige "... das guthe weiße Porcellain sambt der allerfeinsten Glasur …, welches dem Ostindischen wo nicht vor, so doch gleich komme."

Böttger stirbt zeitig – und wird trotzdem unsterblich

Die Albrechtsburg Meißen an der Elbe
Die Albrechtsburg Meißen an der Elbe Bildrechte: Lothar Sprenger

August ist durchaus zufrieden. Er befiehlt die Errichtung einer Porzellan-Manufaktur auf der Meißener Albrechtsburg, erinnert Böttger aber auch an seinen Hauptauftrag: Goldmachen. Dieser wiederum hat andere Pläne, will künstlichen Bernstein und das seltene Ultramarinblau erschaffen. Dazu einen "Licquor zur Conservation todter Körper" – was aber zurückgewiesen wird.

Also doch Goldmachen. Wieder gelingt es. Oder doch nicht? Leibniz hat schon 1701 geschrieben, er hoffe, dass "weder der junge Mann noch eine andere verdächtige Person Geldstücke in den Tiegel getan" hätten, "sonst wäre das Experiment zweifelhaft".

Mehr Gold zu schaffen, muss Böttger krankheitshalber ablehnen. Er leidet an "Paraxysmi Convulsivi", Krampfanfällen. Ausgelöst durch das tägliche Hantieren in giftigen Dämpfen, stirbt er mit gerade mal 37 Jahren. Ohne sein letztes Projekt, den Unsterblichkeit verleihenden Stein der Weisen zu finden, abgeschlossen zu haben. Unsterblich ist er trotzdem geworden.

Veranstaltungstipp Zum 300. Todestag von Johann Friedrich Böttger besucht der Künstler und Autor Edmund de Waal die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, um aus seinem neuen Buch "Die weiße Straße" zu lesen. Im Podiumsgespräch diskutiert er seine Imagination der Persönlichkeiten Böttgers und dessen Mentors Ehrenfried Walther von Tschirnhaus. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt und wird simultan ins Deutsche übersetzt.

13. März 2019 | 19:00 Uhr | Treffpunkt: Eingang Mathematisch-Physikalischer Salon

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 13. März 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 04:00 Uhr

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