Johnny Hallyday gestorben
Der Rockmusiker Johnny Hallyday brachte den Rock 'n' Roll nach Frankreich. Bildrechte: dpa

Rocksänger Johnny Hallyday Frankreichs "Elvis" ist tot

Johnny Hallyday gestorben
Der Rockmusiker Johnny Hallyday brachte den Rock 'n' Roll nach Frankreich. Bildrechte: dpa

Der französische Rockmusiker Johnny Hallyday ist tot. Wie seine Ehefrau mitteilte, starb der Sänger in der Nacht zum Mittwoch an den Folgen einer Krebserkrankung. "Er hat uns diese Nacht verlassen, wie er sein ganzes Leben lang gelebt hat: mit Mut und Würde", erklärte seine Ehefrau. Hallyday wurde 74 Jahre alt.

In Frankreich war Hallyday schon zu Lebzeiten eine Legende: Seine Lieder verkauften sich millionenfach, und er füllte ganze Stadien. Der Rockmusiker galt bis zuletzt als einer der größten Stars im französischen Showbusiness.

Der französische "Elvis"

In den 60er-Jahren brachte Hallyday den Rock 'n' Roll nach Frankreich. Dabei entwickelte er einen ganz eigenen Stil und kombinierte den französisch gesungenen Rock 'n' Roll im Laufe seiner Karriere mit Country, Hip-Hop und Techno.

Als Vorbild diente Hallyday tatsächlich Elvis Presley, der stets sein Idol blieb. So wie Elvis leistete auch er seinen Wehrdienst in Deutschland ab und nahm dort einige Rock 'n' Roll-Platten auf. Seine Ausflüge in die deutsche Sprache wie "Ja der Elefant" von 1961 und "Lass die Leute doch reden" von 1965 sind allerdings in Vergessenheit geraten.

Johnny Hallyday, 1966
Von Elvis inspiriert, erfand Hallyday den französischen Rock 'n' Roll. Bildrechte: IMAGO

Zwischen Joe Cocker und Elvis Presley

Hallyday arbeitete mit großen Pop-Stars wie Jon Bon Jovi und Patrick Bruel zusammen. Mit Songs wie "Quelque chose de Tennessee", "Oh, ma jolie Sarah" oder "Je t'aime" schwankte er musikalisch zwischen Joe Cocker, Elvis Presley und Georges Brassens.

Johnny Hallyday, 2015
Über 55 Jahre stand Johnny Hallyday auf der Bühne. Bildrechte: IMAGO

In seiner über 50-jährigen Karriere hat Hallyday so viele Goldene und Silberne Schallplatten bekommen wie kaum einer seiner Landsleute. "In Frankreich ist Hallyday unerreichbar", erklärte auch der Frontmann der britischen Rockgruppe The Rolling Stones, Mick Jagger. Der Nachwelt hinterlässt Hallyday mehr als 100 Millionen Tonträger und bekannte Songs wie "Ma gueule", (etwa: "Meine Schnauze"), "Noir c'est noir" ("Schwarz ist Schwarz") und "Cheveux longs idées courtes" ("Lange Haare, kurze Ideen").

Macron: In jedem von uns steckt etwas von Hallyday

Der unabhängige französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron nimmt am 16.03.2017 in Berlin an einer Podiumsdiskussion in der Hertie School of Governance teil.
Der französische Präsident Emmanuel Macron Bildrechte: dpa

In einer ersten Reaktion äußerte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betrübt über den Tod Hallydays. In seiner Erklärung wies Macron darauf hin, dass "in jedem von uns etwas von Hallyday" stecke. "Von Johnny Hallyday werden wir weder den Namen, noch die Schnauze oder die Stimme vergessen", heißt es in der Erklärung weiter.

Er hat einen Teil von Amerika in unser nationales Pantheon gebracht.

Emmanuel Macron über Johnny Hallyday

Geboren ins Showbusiness

Hallyday wurde am 15. Juni 1943 als Jean-Philippe Smet in Paris als Sohn eines belgischen Varieté-Künstlers und eines französischen Models geboren. Nach der Trennung seiner Eltern wuchs er bei seiner Tante auf, die mit ihm und ihren Töchtern ab 1944 als "The Hallydays" auf Tanztournee ging.

Als Teenager kehrte Hallyday nach Paris zurück, wo er sich als Gelegenheitssänger und Pausenfüller in den Musikclubs um die Place Pigalle sein Geld verdiente. 1960 brachte Hallyday seine erste Platte auf den Markt. Drei Jahre später spielte er bei einem Freiluftkonzert in Paris vor 150.000 Zuhörern. Für Frankreichs Jugend wurde er zum Idol – verkörperte er doch im konservativen Frankreich der De-Gaulle-Ära den wilden Rock'n'Roll.

Neben seiner Arbeit als Musiker baute sich Hallyday auch eine Schauspielkarriere auf. So drehte er unter anderem mit Jean-Luc Godard, Costa-Gavras, Patrice Leconte und Claude Lelouch. Im Krimi "David Lansky" war er auch im deutschen Fernsehen zu sehen.

Exzesse und Steuerflucht

Er habe "alles ausprobiert", sagte Hallyday einmal. Nach vier Ehen und zahllosen Affären war er seit 1996 mit der rund 30 Jahre jüngeren Laeticia verheiratet.

Drogen, mehrere Scheidungen, Alkohol und der Vorwurf von Vergewaltigung: Hallyday sorgte nicht nur für positive Schlagzeilen. Während die Franzosen ihm seine Exzesse weitgehend nachsahen, verprellte Hallyday viele mit seiner Steuerflucht. 2006 ließ er sich im Schweizer Gstaad nieder.

In den vergangenen Jahren sorgte der Rocker vor allem mit Gesundheitsproblemen für Schlagzeilen. Im Jahr 2009 begann er seine Abschiedstour, die nach einer Bandscheibenoperation jedoch ein jähes Ende fand. Nachdem er ein künstliches Koma und eine Darmkrebserkrankung überstanden hatte, ist er nun dem Lungenkrebs erlegen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 06. Dezember 2017 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2017, 15:36 Uhr

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