Musikgeschichte 60 Jahre Motown - Musik jenseits von schwarz und weiß

2648 West Grand Boulevard, Detroit, Michigan – in den Sechzigern die wichtigste Adresse der Musikindustrie. Hier residierte Motown, das legendäre Label von Berry Gordy, auf dem sich alles tummelte, was in der afro-amerikanischen Musik Rang und Namen hatte: Marvin Gaye, die Four Tops, Diana Ross, die Temptations, Stevie Wonder, die Jackson 5 oder Smokey Robinson. Vor 60 Jahren wurde Motown gegründet - ein Rückblick.

von Marcel Anders, MDR KULTUR

Motown. Eine Hitfabrik, die auf einem simplen Konzept basierte: Alles drehte sich um Liebe und Beziehungen. Um Dinge eben, mit denen sich jeder identifizieren konnte, egal welcher Hautfarbe. Es sei einfach um die Wahrheit gegangen, bringt es Labelgründer Berry Gordy im Gespräch mit MDR KULTUR auf den Punkt.

Insofern war alles sehr visuell, sehr emotional und ehrlich.

Berry Gordy

Ein Ansatz, mit dem Motown ab Anfang der 60er-Jahre Musikgeschichte schrieb - mit 110 Top-10-Hits, die Millionenumsätze erzielten. "The Sound Of Young America", wie Gordy ihn nannte, ging um die Welt – und beruhte auf einem losen Verbund an Musikern, Produzenten und Songwritern, die alle zusammen, aber auch in direkter Konkurrenz agierten. Was zur Veröffentlichung gelangte, wurde jeden Freitag basisdemokratisch entschieden.

Das war das Prinzip der Firma: Jeder hat sich mit jedem gemessen – und jeder mit mir. Ich war der erste, den sie übertrumpfen wollten. Und wenn ihnen das gelungen ist, waren sie extrem froh – und ich extrem niedergeschlagen.

Berry Gordy

Zeit für wahre Helden

Barry Gordy
Barry Gordy. Bildrechte: imago/The Photo Access

Doch Motown lieferte nicht nur unwiderstehliche Melodien. Der ehemalige Profi-Boxer und Fabrikarbeiter Gordy hatte auch eine Vision: Er wollte Musik, die nicht nur ein schwarzes Publikum bedienen, sondern unabhängig von der Hauptfarbe des Hörers funktioniert sollte. Er träumte davon, R&B und Soul mit Mainstream-Pop zu verbinden und einen Beitrag zur amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zu leisten. Eine mitunter lebensgefährliche Mission.

Wir hatten Probleme, schwarze Künstler in den Süden der USA zu schicken. Viele Weiße wollten sie zwar sehen, wurden aber von anderen Weißen daran gehindert. Insofern waren meine Kollegen praktisch Aktivisten, denn sie wurden sogar beschossen. Sie sind die wahren Helden von Motown: Sie haben ihr Leben riskiert, um den Leuten ein gutes Gefühl zu geben.

Berry Gordy

Raus aus Detroit

Motown machte Gordy zwar reich und berühmt, aber nicht wirklich glücklich. Denn mit dem Erfolg kamen Spannungen und haltlose Pläne. 1972 zog Motown nach Los Angeles, trennte sich von vielen Künstler wie Mitarbeitern und konzentrierte sich zunehmend aufs Filmgeschäft. 1988 verkaufte Gordy seine Firmenanteile und verlegte sich auf Pferderennen, Musicals und Familie.

Mittlerweile ist er 89 Jahre alt, lebt in Palm Desert, spielt Golf mit Ex-Präsident Obama, und ist wahnsinnig stolz auf das, was er am 12. Januar 1959 startete: Nämlich eine Firma, die – im wahrsten Sinne des Wortes – Musik für die Ewigkeit hervorgebracht hat.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Januar 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2019, 09:07 Uhr

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