Drei junge Mädchen mit Sonnenbrillen sitzen auf einer Bronzeskulptur
Das Jugendwort des Jahres - mehr als eine Werbeaktion des Langenscheidt-Verlags? Bildrechte: Colourbox

Sprach-Auszeichnung Ehrenmann/Ehrenfrau ist das Jugendwort des Jahres

Drei junge Mädchen mit Sonnenbrillen sitzen auf einer Bronzeskulptur
Das Jugendwort des Jahres - mehr als eine Werbeaktion des Langenscheidt-Verlags? Bildrechte: Colourbox

"Ehrenmann/Ehrenfrau" ist das Jugendwort 2018. Das gab der Langenscheidt-Verlag am Freitag bekannt. Es bedeutet in etwa "Gentleman, Lady, jemand, der etwas Besonderes für dich tut" und wurde per Online-Voting aus zehn Kandidaten gewählt.

"Positives Zeichen in Zeiten von Hass und Hetze"

Der Juror und Literaturwissenschaftler Oliver Bach erklärte, die Jugend habe die Wortschöpfung aus einer früheren Zeit und "einem anderen gesellschaftlichen Kontext" wiederentdeckt. Dabei habe sie die Verwendung erweitert und beschränke diese anders als früher nicht mehr auf höhere Gesellschaftsschichten und Männer. Der ebenfalls in der Jury sitzende Youtuber Fabian Grischkat betonte, das Jugendwort setze "in Zeiten von Hass und Hetze ein positives Zeichen". Jeder, der eine gute Tat vollbringe, sei damit gemeint.

Zur Wahl standen außerdem Begriffe wie "verbuggt" - für etwas, das voller Fehler ist oder "Snackosaurus" für einen verfressenen Menschen. In Anspielung auf den Rückzug der FDP und ihres Vorsitzenden Christian Lindner aus einer möglichen Koalition mit CDU/CSU und Grünen nach der Bundestagswahl 2017 stand auch "lindnern" zur Wahl: also - gemäß Lindner-Zitat - lieber etwas gar nicht zu machen als etwas schlecht zu machen.

Zur Auswahl standen insgesamt:

  • verbuggt (voller Fehler, falsch gestrickt, Beispiel: Du bist so verbuggt, du nervst!)
  • glucose-haltig (süß)
  • Ehrenmann/Ehrenfrau (Gentleman, Lady, jemand, der etwas Besonderes für dich tut)
  • Lauch (Trottel)
  • Auf dein Nacken! (Du zahlst!)
  • AF, as fuck (Betonung, wie besonders etwas ist, Beispiel: Die neue Staffel ist sick as fuck!)
  • sheeeesh (Wirklich? Echt jetzt? Nicht dein Ernst?!)
  • Ich küss dein Auge (Ich hab dich gern oder ein sehr starkes Danke)
  • Snackosaurus (verfressener Mensch)
  • lindnern (lieber etwas gar nicht machen, als etwas schlecht machen)

Eine umstrittene Auszeichnung

Unter den Juroren sind Jugendliche, Sprachwissenschaftler, Pädagogen und Journalisten. Bewertungskriterien sind laut den Organisatoren unter anderem sprachliche Kreativität, Originalität und Verbreitung. Kritiker sprechen von einer reinen Werbeaktion des Langenscheidt-Verlags. Zudem ist umstritten, ob Jugendliche die "Wörter des Jahres" wirklich benutzen.

Die Jugendwörter der vergangenen Jahre

2017: I bims (ich bin's)
2016: Fly sein (besonders abgehen)
2015: Smombie (Kombination aus Smartphone und Zombie)
2014: Läuft bei dir (alles perfekt - auch ironisch)
2013: Babo (Anführer, Chef)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 16. November 2018 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 15:38 Uhr

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