Julia Biel, Musikerin
Mit ihrem selbstbetitelten Album hat Julia Biel nach eigener Aussage ihre Identität gefunden. Bildrechte: Jenna Foxton

Albumtipp: "Julia Biel" Julia Biel - stimmlich zwischen Norah Jones und Nina Simone

Die 1976 in London geborene Sängerin Julia Biel hat eine unverwechselbare Stimme, irgendwo zwischen Norah Jones und Nina Simone. Seit der Veröffentlichung ihres ersten Albums "Not Alone" 2005 räumt sie weltweit Preise ab. Sie ist Multiinstrumentalistin, spielt auf der Bühne meist Klavier oder Gitarre. Ihr neues Album "Julia Biel" zieht den Zuhörer vom ersten Ton an in den Bann.

von Marlene Küster, MDR KULTUR-Musikkritikerin

Julia Biel, Musikerin
Mit ihrem selbstbetitelten Album hat Julia Biel nach eigener Aussage ihre Identität gefunden. Bildrechte: Jenna Foxton

Ein Gefühl der Verlorenheit

"In meiner Musik ging es immer um die Suche nach meiner Identität", sagt Julia Biel. Schon immer habe sie wissen wollen, wohin sie gehöre: "Ich fühlte mich stets verloren, isoliert, irgendwie fehl am Platz. Mit diesem Album mache ich deutlich: Ich habe nun meine Identität gefunden. Deshalb trägt es meinen Namen."

Im Fokus des nach ihr benannten Albums stehen die britische Sängerin selbst und ihre Geschichte. Wie ein roter Faden zieht sich durch Biels Leben das Streben, sich selbst zu finden. Mit ihrer deutschen Mutter und ihrem südafrikanischen Vater wächst sie in dem tristen Süd-Londoner Vorort Sutton auf. Dort gibt es keine Konzerte, kein Theater, nichts Inspirierendes. Julia fühlt sich orientierungslos und unverstanden.

Niemand in meiner Familie interessierte sich für Musik. Sie sagten mir, sie wollten mich nicht singen hören. Ich musste also warten, bis ich von zu Hause ausgezogen war. Ich war als Teenager total deprimiert und wusste nicht, warum mir das geschah.

Julia Biel, Sängerin

Songs gegen das Schweigen der Eltern

Julia Biel: Julia Biel
Cover des selbstbetitelten Albums von Julia Biel Bildrechte: brillJant sounds

Ihre Eltern sprechen nie über ihre Wurzeln, ihren kulturellen Hintergrund oder ihre Herkunft. Dem permanenten Schweigen von Seiten der Eltern musste Biel auf der neuen Platte etwas entgegensetzen: den Song "Say it Out Loud".

Damit wolle sie sagen: "Lass es einfach raus, sag endlich laut, was los ist", erzählt Biel: "Im Song geht es auch um eine Liebesbeziehung, in der ich erlebt habe, dass Dinge nicht offen angesprochen werden. Das sind meine ganz persönlichen Erfahrungen. Dieses Schweigen verunsichert mich und bringt mich jedes Mal in eine sehr unangenehme Situation."

Ihre Vorbilder: Nina Simone, Billie Holiday und Sade

Die Musik ist eine wichtige Konstante in Biels Leben. Sie gibt ihr Halt und die Möglichkeit, ihre Gefühle auszudrücken. In ihren Songs spricht sie über Ängste und Sorgen. Emotionen, die sie als Künstlerin selbst erfährt und mit ihrer unverwechselbaren, wandelbaren Stimme gefühlvoll und ausdrucksstark rüberbringt. Ihre Vorbilder: Nina Simone, Billie Holliday und Sade.

Auf ihrer neuen Platte setzt sie sich mit ihrer Rolle und ihrem Leben als Künstlerin im Song "Wilderness"  auseinander, übersetzt "Wildnis", hier im Sinne von Dschungel des Überlebens.

Normalerweise gehen die Leute jeden Morgen zur Arbeit und jeden Abend zurück nach Hause zur Familie. Als Künstlerin gehe ich aber genau in die entgegengesetzte Richtung. Und es gibt kein Zurück für mich, denn ich bin den Weg einfach schon viel zu weit gegangen. Ich kann kein geregeltes Leben führen. Ich habe es versucht, aber vergeblich, weil es mir einfach nicht entspricht.

Julia Biel, Sängerin

Über alle Genre-Grenzen hinweg

Julia Biel kennt keine Genre-Grenzen. Ihr Sound ist von verschiedenen Elementen beeinflusst: "Das jazzige Element von meiner Stimme, ihrem besonderen Klang und von der Art, wie ich sie einsetze, und natürlich von den Jazz-Harmonien."

In meinem Sound ist auch meine Begeisterung für Popsong-Strukturen zu hören, die von Songs wie 'Sweet Dreams' der Eurythmics geprägt ist. Ich mag nämlich eingängige, prägnante Pop-Melodien.

Weiter beschreibt Biel ihren Sound so: "Der Folk-Touch entsteht dadurch, dass ich eher akustische Instrumente verwende. Ich bin kein Fan von Synthesizern oder Sound-Nachbearbeitung. Das ist für mich schrecklicher Plastik-Sound. Bei mir soll alles organisch bleiben."

Tiefe und Authentizität – Schlüsselworte im Universum von Julia Biel. Sie will über kulturelle Grenzen hinausgehen an einen Ort, wo uns alle eine gefühlsmäßige Ebene verbindet, wo wir uns wiedererkennen, Emotionen austauschen und uns in andere einfühlen können. Sie nimmt den Hörer gefangen, und zwar mit einer Intensität, die lange nachklingt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Februar 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2018, 07:40 Uhr

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