Alice Schwarzer steht am 18.01.2017 in Köln in der Redaktion der Zeitschrift 'Emma'.
Alice Schwarzer Bildrechte: dpa

03. Dezember 1942: Geburtstag Sie hat das Land verändert - Alice Schwarzer wird 75

von Hartmut Schade, MDR KULTUR

Alice Schwarzer steht am 18.01.2017 in Köln in der Redaktion der Zeitschrift 'Emma'.
Alice Schwarzer Bildrechte: dpa

"Hexe der Nation", "Schwanz-ab-Schwarzer" -  die Namen, mit denen  Alice Schwarzer in den 70er-Jahren bedacht wurde, zeigen: Die Frau polarisiert. Woran sich bis heute nichts geändert hat, wie der Streit um den Feminismus zwischen ihr und der amerikanischen Philosophin Judith Butler zeigt, oder ihre Einlassungen zu den Übergriffen nordafrikanischer Männern in der Silvesternacht 2015 oder zum Vergewaltigungsvorwurf gegen Wettermann Jörg Kachelmann. So umstritten die Person Alice Schwarzer ist, eines ist sicher: Sie hat die Bundesrepublik verändert.

Könnten Sie zunächst einmal bitte erklären, was das eigentlich ist, Feminismus?

Interviewerin Regine Droop von der Deutschen Welle

Ein Intervieweinstieg vor 40 Jahren. Naheliegend, wenn man mit Deutschlands berühmtester Feministin spricht. Einerseits. Andererseits: Erst einmal den Gesprächsgegenstand definieren zu müssen, zeigt wie fremd das Thema den deutschen Hörern noch ist.

Ich bin eigentlich mehr das Produkt der französischen Frauenbewegung muss ich sagen, als der deutschen.

Alice Schwarzer

Alice Schwarzer ist ungewöhnlich - und wurde schon ungewöhnlich erzogen. Unehelich geboren, wächst sie bei den Großeltern auf. Aufgepäppelt vom Großvater, politisch und intellektuell geprägt von der Großmutter. Zunächst muss sie sich mit der Frauenwelt der 60er-Jahre zurechtfinden. Sie macht eine Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten, ärgert sich über ihren Chef, der sie duzt, während sie ihn Siezen muss und bricht schließlich nach Paris auf. Dort beginnt sie, als Journalistin zu arbeiten und knüpft erste Kontakte zur französischen Frauenbewegung. Nach deren Vorbild organisiert Alice Schwarzer 1971 das spektakuläre Bekenntnis von 374 Frauen:

Wir haben abgetrieben - und fordern das Recht dazu für jede Frau!

Stern 6. Juni 1971

Es wird die Initialzündung für die westdeutsche Frauenbewegung. Und Alice Schwarzer wird ihr Gesicht. Sie wird, auch wenn es ihr nicht passt, zur feministischen Institution - vollends als sie 1977 die feministische Zeitschrift "Emma" gründet. Der Titel ist ein Wortspiel mit der "Emanzipation".

Die Institution Schwarzer ist ja nicht nur die Person, das, was ich sage und schreibe und vertrete. Sondern ich stehe sozusagen für den kämpferischen Feminismus. Ja, ich muss auch einstehen für Dinge, die ich gar nicht verantworte oder die ich kritisch sehe.

Alice Schwarzer

Scharfzüngig und streitlustig beeinflusst Alice Schwarzer die intellektuellen Debatten der Bundesrepublik. Nicht nur bei den klassischen Frauenthemen:

Manchmal wähle ich mir ein Thema, einfach aus intellektuellem Sport, aus Spaß am Widerspruch, am Danebengehen. Ein Thema, von dem ich weiß: Jetzt gibt’s aber Geheule.

Alice Schwarzer

"Geheule" gab es beispielsweise 1979, als Alice Schwarzer den Dienst an der Waffe auch für Frauen fordert. Zwanzig Jahre dürfen Frauen den Männern in der Bundeswehr nicht nur den Militärmarsch blasen oder ihre Heldenwunden pflegen, sondern mit ihnen gemeinsam kämpfen. Das Land hat sich verändert – auch durch Alice Schwarzer. Kein Wunder dass sie zufrieden ist mit sich und ihrem Leben: "Ich hätte es besser nicht machen können."

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Alice Schwarzer
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Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2017, 00:00 Uhr

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