Manfred Uhlig
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

02. September 1927: Manfred Uhlig geboren "So, ich dreh jetzt mal was durch die Mangel"

Die "3 Dialektiker" - nein, das hat nichts mit Marx, Engels und Lenin zu tun; aber schon mit der DDR, mit der Samstagabend-Show ein "Kessel Buntes". Die "3 Dialektiker" führten in den ersten Jahren durch die Sendung - vergleichsweise spitzen-reich. Bis es ein paar Genossen zu bunt wurde. Zum legendären Moderatorentrio gehörte - als "Quotensachse" sozusagen - Manfred Uhlig: Ur-Leipziger, Entertainer, Kabarettist und Radiomoderator.

von Sven Hecker

Manfred Uhlig
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Ein blöder Jahrgang" - so sinnierte Manfred Uhlig einmal. Denn 1944 wurde Uhlig als 17jähriger Gymnasiast noch in den Krieg geholt. Zum Glück heil heimgekehrt, startete danach seine Karriere - sie führte ihn als Entertainer bis ins Samstag-Abend-Programm des DDR-Fernsehens:

So, ich dreh jetzt mal was durch die Mangel. Was kommt da raus? - Na Tapete! - Nee, Mangelware (Lachen.)

Manfred Uhlig "Ein Kessel Buntes", 1972

So funktionierte Humor in der DDR. 1972, in der großen Vorzeige-Show des DDR-Fernsehens "Ein Kessel Buntes". "Mangelware" - der Begriff war im Alltag der Bürger allgegenwärtig, auch an Tapete konnte es mangeln. Nur offiziell sollte das möglichst kein Thema sein. Eigentlich. Hier wurde es einfach erwähnt, auf großer Bühne, zur besten Sendezeit - von Manfred Uhlig, dem "Sachsen vom Dienst" im festen Moderatorengespann, den "Drei Dialektikern". Mit Uhlig auf der Bühne standen das "Nordlicht" Horst Köbbert und der Berliner Lutz Stückrath.

1927, "ein blöder Jahrgang" - so sinnierte Manfred Uhlig einmal. Der 17-jährige Leipziger wird 1944 noch Luftwaffenhelfer. Nach dem Kriegsende holt Uhlig das Abitur nach und studiert zwei Jahre Schauspiel. Eine frühe Leidenschaft:

Ich stamme doch aus Leipzig-Kleinzschocher, dort hatten wir einen Garten, eigentlich schon meine Großeltern. Den ganzen Sommer über waren da für die Kinder Spiele, da wurden so kleine Theateraufführungen gemacht. Da habe ich immer schon mitgemacht. Welche Rollen? Immer was Lustiges, immer was Ulkiges.

Manfred Uhlig

Erstes Kabarett-Programm "Rührt euch!" wird gleich verboten

Nach ersten Bühnenerfahrungen außerhalb kehrt Uhlig 1956 zurück ins geliebte Leipzig, zur "Pfeffermühle". Sein Einstand dort? Gleich ein voller Erfolg, wenn man so will. Das Programm "Rührt euch!" wird verboten, nach inszeniertem Volkszorn während der Aufführung. Stein des Anstoßes sind ein paar spitze Sätze über Fußballwetten:

Da kamen so Sätze vor wie: Wird sich Walter Ulbricht auf halblinks halten? Naja, wenn er die Vorlagen Chruschtschows nicht übersieht. Und da, bei diesem Satz brach's aus. Da standen die auf, stürmten die Bühne, Ausgänge wurden besetzt, Keiner durfte raus. Wir mussten die ganze Nacht dort bleiben, die Garderoben wurden durchsucht. und dann wurden wir erstmal drei Monate auf Eis gelegt, gesperrt. Das war eben ein 'konterrevolutionäres Programm'.

Manfred Uhlig

Leidenschaft fürs Radio: "Alte Liebe rostet nicht"

Nach dem Mauerbau wendet sich Uhlig, von den Fernseh-Ausflügen abgesehen, ganz seiner großen Liebe zu, dem Radio. Wobei er sicherheitshalber erläutert:

Ich bin zweimal verheiratet, mit meiner Frau seit 1955 und mit dem Rundfunk.

Manfred Uhlig

Und da, beim Rundfunk, wird er vor allem mit einer Sendereihe erfolgreich - über Jahrzehnte: "Alte Liebe rostet nicht". Ein musikalisches Städteporträt, das Uhlig gemeinsam mit seinen beiden Redakteurskollegen Günther Hansel und Wolfgang Bauer entwickelte. Die erste Sendung kam 1965 aus Waltershausen.

Bei der Recherche für die Sendungen schaut Uhlig den Leuten "aufs Maul", begibt sich in sozialistische Wartekollektive, beim Arzt oder Friseur, vor Geschäften. Später wird er dann schon auf der Straße angesprochen. Und so erfährt Uhlig, wo Bürgern und Bürgermeistern der Schuh drückt. Trotz offizieller Erfolgsmeldungen.

Unsere Misswirtschaft, die wir hatten, die gab es ja überall. Und was in einzelnen Städten so spezielles passiert ist, das konnten wir mit Namen  und Hausnummer benennen  - was heißt: Wir haben es gemacht. Es war ja nicht zum Nachteil eines Bürgermeisters. Im Gegenteil, der war ja richtig glücklich. Es wurde in der Öffentlichkeit gesagt: Das eben trotzdem mal eine Straße irgendwo ausgebessert wurde, das konnten wir uns auf unsere 'Alte-Liebe-Fahne' schreiben.

Manfed Uhlig

24 Jahre tourt die Sendung durchs schlaglöchrige Land, 289 Folgen. Für Oktober 1990 ist Nr. 300 geplant, in Zwickau, aber da ist "Radio DDR" schon Geschichte.

Sein Spiel um Städtenamen überlebt die Wende

Uhlig macht noch eine ganze Weile weiter Radio, beim MDR - vor allem mit seiner Reihe, die schon in der "Alten Liebe" beliebt war:

"... Ah! Adam Ries Ah! Ries Ah… Und seit der Zeit heißt Riesa Riesa …"

Die nicht ganz ernst gemeinten Erklärungen, wie Städte zu ihren Namen kamen. Die gibt es inzwischen auch als Buch. Zur Freude wohl nicht nur von Manfred Uhlig, der nun 90jährigen sächsischen Radio-Legende.

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2017, 00:00 Uhr

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