Erzbischof Oscar Romero, 1979
Erzbischof Oscar Romero, 1979 Bildrechte: dpa

15. August 1917: Erzbischof Óscar Romero geboren Die Stimme der Armen von San Salvador

Erzbischof Óscar Romero galt als engagierte Stimme der Armen in seiner Heimat, und viele Menschen bewunderten seinen Mut. Doch seinen Einsatz und Mut bezahlte er schließlich mit dem Leben. Vor 100 Jahren wurde Óscar Romero geboren.

von Thomas Hartmann

Erzbischof Oscar Romero, 1979
Erzbischof Oscar Romero, 1979 Bildrechte: dpa

Óscar Romero hat Angst:

Es fällt mir schwer, einen gewaltsamen Tod anzunehmen, der in diesen Verhältnissen sehr wohl möglich ist. Der Nuntius von Costa Rica hat mich sogar vor unmittelbarer Gefahr gewarnt, welche mir diese Woche drohen würde.

Óscar Romero, Erzbischof von San Salvador

Und dann am 24. März 1980 geschieht es: Romero wird erschossen.

In diesem Augenblick ist die Bevölkerung von El Salvador noch sprachlos über eine Tat, die selbst für dieses verzweifelte, von politischen Leidenschaften zerrissene Land grausam, ja ungeheuerlich ist.

Karl Brugger, Korrespondent

1977 wird Romero Erzbischof von San Salvador. Er hat den Ruf eines "standfesten Konservativen" inne, heißt es bei dem Biographen Jonathan R. Brockman. Doch das ändert sich rasch.

Dies, Brüder und Schwestern, ist die Stunde, uns in einer Kirche vereint zu wissen, die sich müht, um der Auferstehung Christi willen, die Erlösung nicht nur jenseits des Todes, sondern auch hier auf Erden zu erlangen; eine Kirche, die für eine gerechtere, menschlichere Welt kämpft, für soziale Feinfühligkeit unter allen Umständen, gegen Gewalt.

Óscar Romero, Erzbischof von San Salvador

Mit diesen wenigen Worten umreißt Romero eine gewaltige Aufgabe. Denn er agiert in einem Land, in dem sehr wenige Menschen sehr viel und die anderen nichts besitzen. Ein Land, in dem politische Gefangene verschwinden, missliebige Menschen getötet werden, erhebliche Spannungen zwischen oben und unten bestehen. Romero betont, er beabsichtige nicht, sich an der Politik zu beteiligen, aber dass sein Tun politische Auswirkungen hat, ist ihm wohl bewusst:

Wenn ich aus der Notwendigkeit des Augenblicks heraus Licht auf die politische Situation meines Landes werfe, dann tue ich dies als Hirte, vom Evangelium her.

Óscar Romero, Erzbischof von San Salvador

Romero verlangt grundsätzliche Veränderungen in seinem Land:

Die Massen der Armen und all jener, die sich auf ihre Seite stellen, werden systematisch ausgerottet. Fragwürdiges kann auch auf deren Seite bisweilen geschehen. Dies aber ändert nicht ernstlich die grundlegende Tatsache, dass in unserem Land die Kinder Gottes, besonders die Armen, die Lieblinge Gottes, ungestraft ermordet werden.

Óscar Romero, Erzbischof von San Salvador

Der Erzbischof klagt die politischen Morde an, verurteilt die Verfolgung Geistlicher, fordert soziale Gerechtigkeit und erwartet, dass die Mächtigen von ihrem Reichtum abgeben.

Solange die Ursachen des gegenwärtigen Elends fortbestehen und die machthabenden Parteien unnachgiebig bleiben, wird sich die gefährliche Lage noch zuspitzen.

Óscar Romero, Erzbischof von San Salvador

Viele der Armen fühlen sich von Romero verstanden und vertreten. Seine Gegner sehen in ihm eher einen gefährlichen Marxisten im Kirchengewand. Auch innerhalb der katholischen Kirche ist er umstritten, Bischöfe in El Salvador empfinden ihn als zu konfrontativ. Für seinen Tod ist der rechtsgerichtete Ex-Militär Roberto D'Aubuisson Arrieta verantwortlich. Kurz zuvor sagt Romero:

Als Hirte bin ich aufgrund des göttlichen Auftrags verpflichtet, mein Leben hinzugeben für jene, die ich liebe – für alle Salvadorianer, sogar für die, welche mich vielleicht töten werden.

Óscar Romero, Erzbischof von San Salvador

Gedenken an die Ermordung von Oscar Romero
Gedenken an die Ermordung von Óscar Romero in San Salvador Bildrechte: dpa

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2017, 00:00 Uhr

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