31. März 1567: Philipp I. von Hessen stirbt "Der fürstliche Reformator"

Er war einer der eifrigsten politischen Verfechter der Reformation, ein entscheidender Widerpart des katholischen Kaisers Karl V. – und ein Bigamist: Philipp I. von Hessen. Vor 450 Jahren ist er gestorben.

Philipp I. von Hessen
Philipp I. von Hessen (1504-1567) Bildrechte: IMAGO

1530, ein Reichstag, Augsburg: Philipp Melanchthon darf mit Genehmigung Karls V. die "Confessio Augustana" vortragen, das Augsburger Bekenntnis zum lutherischen Glauben. Zu einer Verständigung kommt es allerdings nicht: Es bleibt bei der Entzweiung Deutschlands in Glaubensfragen, beim Zerwürfnis zwischen dem katholischen Kaiser und den protestantischen Landesfürsten. Bereits vorher hat Philipp I. von Hessen klargemacht, was dies bedeutet:

Dan es ist jo gewiß, das die sach uf dreien wegen stehet; der irst: verlaugnen Christum; der ander weg, das wir volkomene christen seien und leiden, das man uns leib, gut, ehr und alles nimbt; zum dritten, das wir uns weren. Uf dem wege stehet gluck und hofnunge, uf den andern garnichts.

Philipp I. von Hessen

Philipp wird 1504 in Marburg geboren. Ab 1509 ist er formal Regent der Landgrafschaft Hessen, bereits mit 13 Jahren führt er wirklich die Amtsgeschäfte. 1524 ist wohl das Jahr, mit dem Philipp als Anhänger der Reformation angesehen werden kann. Theologin Gury Schneider-Ludorff weist in ihrem Buch "Der fürstliche Reformator" darauf hin, dass ein entsprechendes Selbstzeugnis nicht existiert und man ohnehin von einer allmählichen Entwicklung ausgehen müsse. Fakt ist: Für Luther und die Seinen wird er ein eminent wichtiger Anhänger.

Wir haben fur, in unserem Fürstenthumben mit unsern underthanen geistlichs und weltlichs standts uns in sachen, unseren glauben und Christlich religion belangend, zuvergleichen.

Philipp I. von Hessen

Das kündet Philipp 1526 an und bedeutet: Er trägt die Reformation in seine Landgrafschaft. Eine Universität wird gegründet, Klöster werden aufgelöst und ein paar davon in Hospitäler verwandelt, gedacht für "arme Personen".

Und dieselben armen sollen nicht anders dan allein armut und notdurft halben, nicht nach gunst, gaben, geschenck angenommen werden.

Philipp I. von Hessen
Der Schweizer Reformator Huldrych Zwingli, Kupferstich von Konrad Meyer (1618-1689)
Huldrych Zwingli (1618-1689) Bildrechte: IMAGO

Gleichzeitig versucht Philipp, die eigenen Reihen zu vereinen. Er bittet zum "Marburger Religionsgespräch", um die Auseinandersetzungen zwischen Luther und Zwingli zu beenden, denn die spielen seiner Ansicht nach den – so wörtlich – "Papisten" in die Hände. Die trennenden Probleme werden allerdings nicht aus dem Weg geräumt. 1530/31 entsteht der "Schmalkaldische Bund", ein Bündnis protestantischer Fürsten, das in den Folgejahren militärisch und machtpolitisch eine wichtige Rolle spielt. Philipp führt diesen Bund mit an – und trägt letztlich doch nicht unerheblich zu seiner Schwächung bei.

Wir begehren die Welt nit zu zwingen, wafur die Margarethen halten soll, wir aber halten sie fur unser Weib aus Gotts Wort.

Philipp I. von Hessen

Das Problem: Margarethen, genauer Margarethe von der Saale, die Philipp 1540 heiratet, ist seine zweite Frau – nicht nach der ersten, sondern mit der ersten Frau. Diese Doppelehe bringt ihm Hohn und Verachtung ein, und auf Bigamie steht die Todesstrafe. Das treibt den hessischen Herrscher in eine Übereinkunft mit dem Kaiser. Nach diversen Konzessionen Philipps, etwa dem Ausschluss eines Zusammengehens mit Frankreich, bestätigt Karl V., ihm sei alles "was sey, genzlich nachgelassen und verzigen".

Im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 zertrümmert Karl V. den protestantischen Bund. Philipp wird eingesperrt. Erst nach fünf Jahren ist er wieder in Amt und Würden. Doch die große Bedeutung im Reich, die hat er nicht mehr.

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