Otis Redding
Otis Redding bei einem Auftritt 1967 Bildrechte: IMAGO

10. Dezember 1967: Soul-Sänger Otis Redding kommt ums Leben Der tragische Tod des "King of Soul"

"Mr. Pitiful" ist ein Lied, das auf den Spitznamen von Otis Redding anspielt; weil er seine Balladen so glaubwürdig mitleiderregend, eben "pitiful", interpretierte. Vor 50 Jahren kam der "King of Soul" bei einem Flugzeugabsturz ums Leben - mit 26 Jahren.

von Sven Hecker

Otis Redding
Otis Redding bei einem Auftritt 1967 Bildrechte: IMAGO

Ich esse die Musik und schlafe mit der Musik.

Otis Redding lebt die Musik, mit jeder Faser seines Körpers. Kein Wunder, dass er zu einem der "Väter des Soul" wird. Dass er genau das will – mit, durch und von seiner Musik leben – das weiß er schon früh und singt in der Kirche seines Vaters, der Baptisten-Pfarrer in Georgia ist.

Ich sang Spirituals in der Kirche meines Vaters, seit ich sieben war. Als ich älter wurde, wechselte ich zum Rhythm and Blues.

Otis spielt in einer Schulband, verlässt die Highschool aber frühzeitig, um Musiker zu werden. Sein großes Idol: Little Richard.

Ich versuchte, so zu singen wie Little Richard, als ich klein war. Er war immer mein Vorbild.

Tatsächlich steigt er bald kurzzeitig bei Richards ehemaliger Begleitband ein. Später tritt er solo auf, singt bei örtlichen Talentshows. Mit den kleinen Gagen unterstützt er auch seine Familie. Mit 18 Jahren wird er als Fahrer und Roadie für eine lokal bekannte Band engagiert: Johnny Jenkins & The Pinetoppers. Otis wittert seine Chance. Und tatsächlich bekommt er sie, darf mit der Band auftreten und nimmt 1960 seine erste Single auf: "She's Alright".

Nebenher wäscht er Autos, denn von der Musik leben kann er noch nicht. Zumal Otis heiratet und bald Familie hat; später insgesamt drei Kinder. 1962 wurden dann die entscheidenden Weichen gestellt.

Ich begleitete einen Freund zu Plattenaufnahmen nach Memphis, Tennessee. Und ich bat ihn, mich auch einen Titel singen zu lassen: "These Arms Of Mine".

Hier untertreibt Redding ein wenig: Er nervt seinen Freund, den Gitarristen und späteren Co-Autoren vieler seiner Songs, Steve Cropper. Er nervt solange, bis er singen darf. Ergebnis: Ein Plattenvertrag bei "Stax Records". Die Firma, die sich zu einem der wichtigsten Labels mausern sollte bei der Entwicklung eines neuen Stils: des Soul.

Otis Redding hat in seiner kurzen Karriere großen Anteil daran und wird oft als musikalisches Herz und Inspirationsquelle, als maßgebliche Figur dieses speziellen "Memphis Soul" bezeichnet. Auch, wenn einer seiner Songs, "Respect", erst durch Aretha Franklin zum Welthit gemacht wird – und zur Hymne der Emanzipationsbewegung von Schwarzen und Frauen. Soul-Sänger Wiiliam Bell, ein Kollege Reddings, dazu:

Die großen Märsche der Schwarzen kamen noch. Otis schrieb dafür ein Lied über Respekt und packte es in eine Liebesgeschichte, aber es ging um das Leben.

Mitte der 1960er-Jahre hat es Redding endlich geschafft. Seine Platten landen – trotz "Beatlemania" – oben in den Charts. Er gilt als "King of Soul" und ist live schon zu Lebzeiten eine Legende; in den USA wie in Europa. Beim Monterey-Festival im Juni 1967 gelingt es ihm, dem schwarzen Soul-Sänger, schließlich auch das weiße US-Publikum für sich zu gewinnen. 

Otis Redding ist ganz oben, fast zumindest. Den Gipfel seines Ruhms wird er selbst nicht mehr erleben. Anfang Dezember 1967 nimmt er ein Stück auf, von dem ihm sein Manager abgeraten hat: Zu poplastig! Geschrieben auf einem Hausboot in Kalifornien, eingespielt als Zugabe nach dem eigentlichen Studiotermin. Otis setzt sich durch, wieder einmal.

Nur drei Tage später, auf dem Weg zu einem Konzert, stürzt sein Flugzeug ab. Mit dem gerade einmal 26-jährigen Sänger sterben auch fünf Mitglieder seiner Begleitband. Kurz darauf stürmt sein letzter Song an die Spitzen der Hitparade: "(Sittin' On) The Dock Of The Bay".

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Dezember 2017 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2017, 00:00 Uhr

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