Der junge Prinz gerät bei der Suche nach dem Wunderbäumchen in die Gewalt eines bösen Zwerges. Als Bär verzaubert entführt er Tausendschön aus ihrem Palast
Christel Bodenstein spielt die hochmütige Prinzessin. Bildrechte: MDR/HA Kommunikation

13. Dezember 1957: Uraufführung "Das singende, klingende, Bäumchen" Wie eine verzogene Prinzessin ihr Herz entdeckt

Die DEFA hat beeindruckende Märchen hinterlassen. Neben "Das kalte Herz", "Der kleine Muck" und "König Drosselbart" zählt auch "Das singende, klingende Bäumchen" zweifelsohne zu den Höhepunkten der Babelsberger Filmkunst. Die Geschichte vermag noch immer die Herzen zu rühren, obwohl der Film schon 60 Jahre alt ist.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Der junge Prinz gerät bei der Suche nach dem Wunderbäumchen in die Gewalt eines bösen Zwerges. Als Bär verzaubert entführt er Tausendschön aus ihrem Palast
Christel Bodenstein spielt die hochmütige Prinzessin. Bildrechte: MDR/HA Kommunikation

Da ist ein Prinz, und er ist schön. Wer das nicht selbst sieht, der wird im Vorspann unmissverständlich darauf hingewiesen. Denn da steht, dass Eckart Dux den schönen Prinzen spielt. Auch die von Christel Bodenstein verkörperte Prinzessin bekommt von Anfang an ihr Attribut mit. Sie ist hochmütig und verhält sich entsprechend, als der schöne Prinz ihr ein Geschenk macht: Doch die Schatulle mit den vielen Perlen kippt sie einfach aus. Jeder Tölpel könne sowas schenken, von einem Freier verlange sie mehr: Das singende, klingende Bäumchen.

Nun möchte man einer solch garstigen Person mit diesem ungehobelten Auftreten nicht unbedingt recht geben, aber: Sonderlichen Einfallsreichtum legt der Prinz mit seiner Perlenkiste tatsächlich nicht an den Tag.

Was soll schon schiefgehen?

ALT füge ich nach.
Ein falscher Satz und schon wurde aus dem Prinzen ein Bär. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Und diesen Mangel beweist er ein weiteres Mal, als er nun einfach losreitet und das Bäumchen sucht. Warum? Um diese charakterlich verschrobene Dame zu ehelichen? Weil es ein klarer Auftrag ist und damit er seine Hochzeitspläne nicht noch einmal überdenken muss?

Fakt ist, er findet das Bäumchen, das nur singt und klingt, wenn ihn die Prinzessin nach Empfang des Bäumchens liebt. Darum ist dem Prinzen nicht bange. Bringt er das Bäumchen, wird die Prinzessin seine Werbung annehmen, ihn prompt lieben und das Bäumchen singen - so seine Überzeugung. Ein Bär wolle er sein, wenn das nicht funktioniere. Naivität, die bestraft wird, denn bald darauf wandelt der schöne Prinz als Bär umher.

Ungezogenes Einzelkind

Ein Prinz beugt sich zu einem Zwerg herunter.
Der Zwerg führt Böses im Schilde. Das missfällt dem Prinzen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nun geht es bei dem "Singenden, klingenden Bäumchen" aus dem Jahre 1957 nicht wirklich um die Naivität eines männlichen Adligen, sondern um die Veränderung der Prinzessin. Einer, für die man wohlwollend ins Feld führen muss, dass sie von ihrem alleinerziehenden, königlichen und offenbar überforderten Vater völlig verzogen worden ist. Einer, die im Verlaufe der Handlung auf nicht gerade leichte Art lernt, dass es wichtigere Dinge gibt als Aussehen und schnöden Besitz, egal ob dies nun Perlen sind oder ein Bäumchen. Nämlich: Nähe, Gefühle, Freundschaft, Liebe.

Eine wundersame Verwandlung

Prinzessin Tausendschön (Christel Bodenstein) wurde vom Bären in das Zauberreich des Zwerges entführt.
Prinzessin Tausendschön hilft dem Fisch Bildrechte: RBB/PROGRESS/Kurt Schütt

Die Prinzessin wandelt sich wirklich. Befreit später einen eingefrorenen Fisch, der zwar durch und durch künstlich aussieht, der einem dennoch so sehr ans Herz wächst, dass man nicht mitansehen mag, wie er nachher auf dem Trockenen verendet. Es ist das Werk eines Zwergs, gegen den selbst der "Herr der Ringe"-Gollum nicht origineller wirkt. Dieser Zwerg fasziniert: Er mag böse sein, aber er hat Recht, wenn er dem Bärprinzen sagt, er, der Zwerg, sei doch nicht schuld, dass das Bäumchen nicht gesungen habe. Der Prinz hätte wissen müssen, dass die Prinzessin launisch und hochmütig sei. Und das ist sie eine Weile ohne jeden Zweifel.

"Das singende, klingende Bäumchen" ist noch 60 Jahre nach seiner Entstehung ein beeindruckender Film für die, die mit ihm aufgewachsen sind. Später Geborene mögen sich an dem Stand der damaligen Tricktechnik stören - aber eigentlich ist dies das Thema des Films. Es geht eben nicht darum, wie etwas aussieht, sondern um das Herz, um das Gefühl - und dass davon sehr viel in diesem Märchen steckt, ist ihm heute noch anzusehen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Dezember 2017 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2017, 00:00 Uhr

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