Karl Lagerfeld
Unverkennbar: Der Zopf und die Sonnenbrille waren Kal Lagerfelds Markenzeichen. Bildrechte: imago/UPI Photo

Trauer Nachruf auf Karl Lagerfeld: "Er war quasi allwissend"

Am Dienstag ist der weltberühmte Modeschöpfer Karl Lagerfeld gestorben. Der Mode-Journalist Alfons Kaiser hat regelmäßig mit Lagerfeld gearbeitet: Gemeinsam haben sie Lagerfelds Zeichnungen für eine Kolumne in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" besprochen. Im Gespräch mit MDR KULTUR erzählt Kaiser, wie Lagerfeld ihn mit seinem Witz, seiner Schnelligkeit und seinem Wissen beeindruckt hat.

Karl Lagerfeld
Unverkennbar: Der Zopf und die Sonnenbrille waren Kal Lagerfelds Markenzeichen. Bildrechte: imago/UPI Photo

War Karl Lagerfeld der größte unter den zeitgenössischen Modeschöpfern?

Das auf jeden Fall. Er konnte vielleicht nicht mithalten mit Christian Dior oder Yves Saint Laurent oder auch Coco Chanel, der er ja dann nachgefolgt ist. Weil das waren natürlich in ihrer Zeit, sie hatten ja Mitte des Jahrhunderts begonnen, sehr prägende Gestalten – oder Anfang des Jahrhunderts sogar schon, Coco Chanel. Das heißt, diese prägende Wirkung auf die Modewelt hatte er nicht durch seinen Stil, aber durch seine allumfassende Anwesenheit schon.

Karl Lagerfeld hatte auch eine Rubrik in der F.A.Z. mit Karikaturen. Haben Sie gelegentlich direkt mit ihm zu tun gehabt?

Ja, wir haben die Zeichnungen besprochen. (…) Und das hat er mit sehr viel Liebe getan, er war ja nicht nur ein guter Modezeichner, der die Mode auch wirklich gezeichnet hat und nicht etwa am Computer entworfen, wie das heute so Mode ist. Darauf hat er immer ein bisschen herabgeblickt.

Und er hat dann eben auch Karikaturen gezeichnet, die ich mit ihm gemeinsam "Karlikaturen" genannt habe, was er sehr witzig fand. Und er hat also über 70 Stück in den letzten Jahren gezeichnet, die immer sehr treffend waren, sehr böse, und die zeigten, dass er eben nicht nur Modeschöpfer war, sondern allwissend quasi, sehr gut informiert, was Politik anging, deutsche, französische Innenpolitik, aber auch internationale Politik.

Man konnte ihn quasi allein gar nicht interviewen, da mussten zwei oder drei Leute anrücken, denn er hat einfach so schnell gedacht und geredet, dass keiner mitgekommen ist.

Alfons Kaiser, Mode-Journalist, über Karl Lagerfeld

Wie haben Sie ihn persönlich wahrgenommen? Viele hatten ja vielleicht auch Respekt vor der scharfen Zunge.

Karl Lagerfeld
Karl Lagerfeld ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Hier eine Aufnahme von 1982. Bildrechte: dpa

Ja, natürlich. Da musste man schon ein wenig aufpassen, dass man vielleicht nicht in irgendwelche Fettnäpfchen trat. Aber er war sehr zugewandt, sehr offen, sehr fröhlich, unglaublich witzig, unglaublich schnell. Man konnte ihn quasi allein gar nicht interviewen, da mussten zwei oder drei Leute anrücken, denn er hat einfach so schnell gedacht und geredet, dass keiner mitgekommen ist. Und bei alledem aber eben auch sehr treu und sehr zugewandt, das heißt nicht etwa arrogant oder abgehoben, wie manche Leute sich vorstellen könnten, sondern einfach mitten im Leben stehend.

Welche Kreationen werden mit seinem Namen verbunden bleiben? Gibt es Schöpfungen, wo man gleich weiß: Das ist ein Lagerfeld?

Sehen Sie, und da sind wir nämlich bei dem Punkt, wo man sagen muss: Natürlich, er hat das Bouclé-Kostüm weiterentwickelt, das kleine Schwarze, schön bestickte Abendkleider, aber das waren natürlich Dinge, die es vorher schon gab. Den Smoking für die Frau hat Yves Saint Laurent ganz groß herausgebracht, das "Kleine Schwarze" hatte schon Coco Chanel entwickelt.

Das heißt, die ganz großen prägenden Entwürfe stammen nicht von ihm. Aber sein Genie bestand darin, dass er alte Marken wie zum Beispiel Fendi in Rom, dort hat er sogar schon 1965 zu entwerfen begonnen und hat bis gestern dort als Chef-Designer fungiert, also 54 Jahre lang – er hat alte Marken zum Leben erweckt, und das mit einem großen Genie, mit einer Vielfalt, auch mit einem Witz, der bei Kunden sehr gut ankam.

Das Gespräch führte Ilka Hein.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Februar 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2019, 20:08 Uhr