Kuratoriumssitzung Radebeul will Karl May vom Heldensockel holen

Schriftsteller Karl May wird oft auf den Wilden Westen reduziert. Doch die jüngeren Generationen lesen heute kaum noch seine Cowboy- und Indianer-Geschichten. Doch wie kann man den Schriftsteller zeitgemäß präsentieren? Darum ging es bei der Kuratoriumssitzung der Karl-May-Stiftung in Radebeul am Samstag. Vorsitzender der Karl-May-Gesellschaft, Florian Schleburg, über die Ergebnisse.

Häuptling in einer Vitrine im Karl-May-Museum Radebeul
Karl May ist mehr als der Wilde Westen – das soll künftig auch eine Rolle spielen. Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

MDR KULTUR: Herr Schleburg, Diskussionsbedarf gab es jede Menge bei der Kuratoriumssitzung. Welche Positionen sind denn aufeinander getroffen?

Florian Schleburg: Wir haben eigentlich eine konstruktive Sitzung gehabt. Im Juni waren ja ein klein wenig die Fetzen geflogen in der Karl-May-Stiftung. Da hatte das Museum zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre unter wenig rühmlichen Umständen seinen Direktor verloren. Wir haben einen neuen Vorstand in der Stiftung gewählt. Der hat jetzt die Arbeit der letzten drei, vier Monate vorgestellt und – wenn ich das mal so zusammenfassen darf – uns Kuratoren erfreut und überzeugt. Wir haben dem neuen Vorstand tatsächlich applaudieren können, den Rücken stärken können. Es geht jetzt erfreulicherweise in die richtige Richtung.

Die richtige Richtung bedeutet was?

Es bedeutet, dass wir erst einmal das Museum, das natürlich auch durch die Corona-Krise wirtschaftlich ein wenig angeschlagen war, finanziell konsolidieren konnten – in erster Linie dank der Opferbereitschaft der Belegschaft des Museums. Wir können sogar die Vision eines erweiterten und sanierten Karl-May-Museums für die nächsten Jahre in etwas realistisch abgespeckter Form wieder anpacken. Und wir haben dem Kuratorium zwei neue Mitglieder beigesellt, darunter erstmals eine Frau.

Karl May müsste ein bisschen entstaubt werden – gerade was die jüngere Generation angeht. Das ist auch etwas, was in Museum und Ausstellungen mit reinspielt. Da gibt es zum Beispiel eine ethnografisch wertvolle Indianer-Sammlung. Welche Konsequenzen sind da aus der Sitzung abgeleitet worden?

Karl-May-Museum Radebeul - Villa Bärenfett - ein Blockhaus, davor einem Totempfahl
Das Karl-May-Museum in Radebeul Bildrechte: MDR SACHSEN

Die Details der neuen Konzeption obliegen natürlich nicht dem Kuratorium direkt. Das ist eine Sache, die der Museumsdirektor mit einem Workshop von Fachleuten in nächster Zeit ausarbeiten muss. Aber wir haben einen Konsens erzielt, dass das Ganze etwas professioneller, etwas zeitgemäßer angepasst werden muss. Wir werden mit diesen ethnografischen Sammlungen zum Beispiel – auch im Sinne der heutigen Museumspolitik – ein wenig sensibler umgehen müssen als das in kolonialen Zeiten der Fall war.

Und wir werden Karl May ein bisschen von seinem Heldensockel herunterholen und zu einem interessanten, vielfältigen Menschen machen müssen, der er bekanntlich war. Die Klischees, die man in den letzten Jahrzehnten so populär von Karl May verbreitet hat, die greifen viel zu kurz. Er war eine psychologisch komplexe Persönlichkeit. Er hatte ganz große Schwächen, aber natürlich auch ganz interessante Stärken. Und das kann man der heutigen Gesellschaft ein bisschen interessanter präsentieren, als das in den letzten Jahrzehnten leicht stagnierend in Radebeul passiert ist.

Wir sind gerade in der Corona-Zeit mit den Erfahrungen belehrt worden, was digital so möglich ist. Wird es bei Ihnen auch Schritte in diese Richtung geben?

Auf jeden Fall. Der Museumsneubau, der jetzt konzipiert werden und in den nächsten Jahren, wenn die Fördermittel usw. ausgeschöpft sind, auch angepackt werden soll, wird einen neuen Besucher-Zugang erhalten. Dort wird neben Sonderausstellungen, Depot- und Büroflächen, auch eine digitale Begrüßung geboten werden – eine digitale Einführung in die Welt Karl Mays und der amerikanischen Ureinwohner.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Oktober 2020 | 16:15 Uhr