Klassikerlesung | 01.10. – 30.10.2020 Briefe Richard Wagners

Mit Opern wie "Der Fliegende Holländer", "Tristan und Isolde“ oder "Die Meistersinger" schrieb Richard Wagner Musikgeschichte. Ein musikalisches Genie, aber schwierig im Umgang, ständig in Geldnöten und doch bekam er seine eigenes Festspielhaus. Seine umfangreiche Korrespondenz gibt faszinierende Einblicke in Leben und Werk des Komponisten. Eine Auswahl der schönsten Briefe, unter anderem an Robert Schumann, Friedrich Nietzsche, König Ludwig II. und Cosima Wagner, liest Gert Westphal.

Richard Wagner
Richard Wagner (1813-1883) Bildrechte: IMAGO

Wenn Richard Wagner gerade nicht damit beschäftigt war, ein Drama, ein Gedicht oder ein Pamphlet zu verfassen oder die Oper zu revolutionieren, dann widmete er sich seiner Korrespondenz, und das nicht zu knapp. Über 9.000 Schriftstücke sind belegt. 

In Leipzig, der Geburtsstadt des Komponisten, begann man in den 1960er-Jahren mit der Herausgabe sämtlicher Briefe Richard Wagners. Das Jahrhundertprojekt wurde nach 1999 vom Traditionsverlag Breitkopf & Härtel weitergeführt und liegt derzeit in 22 Bänden bis zum Jahr 1870 vor.

Ein imponierendes Zeitdokument

Richard Wagners Briefe bilden ohne Zweifel eine der außerordentlichsten Korrespondenzen der Kulturgeschichte. Was sich hier auf tausenden eng beschrieben Seiten ausbreitet, ist zunächst einmal das Ergebnis eines schier unerschöpflichen Mitteilungsbedürfnisses. Dann aber auch ein einzigartiges Zeugnis künstlerischer Willenskraft, psychologischen Scharfsinns und intellektueller Energie, schließlich ein imponierendes Lebens- und Zeitdokument.

Wagners Korrespondenz ist schon rein physisch eine erstaunliche Leistung und dem Gehalt nach ein schöpferisches Lebenswerk für sich. Von dieser Fülle kann diese Auswahl nur eine Andeutung geben. Sie enthält Briefe an Robert Schumann, Franz Liszt, Giacomo Meyerbeer, Friedrich Nietzsche, Hans von Bülow, Mathilde Wesendonck und Peter Cornelius, an den Freund und Mäzen König Ludwig II., an die erste Ehefrau Minna Wagner und die Geliebte und spätere zweite Ehefrau Cosima.

Der Sprecher Gert Westphal

Gert Westphal wurde am 5. Oktober 1920 in Dresden als Sohn eines Fabrikanten geboren und wuchs hier in der Villa Blasewitzer Straße 1 auf. Sein nach dem Blasewitzer Realgymnasium 1939 begonnenes Schauspielstudium am Dresdner Konservatorium beendete der Kriegsdienst bereits ein Jahr später.

Gert Westphal
Gert Westphal Bildrechte: dpa

Nach dem Krieg kam Gert Westphal nach Bremen. Er spielte an den Kammerspielen und begann ab 1946 eine Karriere am neu gegründeten Sender Radio Bremen: zunächst als Hörspiel-Sprecher, ab 1948 als Oberspielleiter und Chef der Hörspielabteilung. 1953 wechselte Gert Westphal zum Südwestfunk in Baden-Baden, wo er bis 1959 die Hörspielabteilung leitete und zeitweilig auch Chefregisseur der Fernsehspielabteilung war. Zahlreichen Autoren hat er den Weg zum Rundfunk geebnet und viele bedeutende Schauspieler-Kollegen für das Medium gewonnen.

Zum Theater kehrte Westphal 1959 zurück, als Ensemble-Mitglied des Züricher Schauspielhauses, dem er bis 1980 angehörte. Seitdem war er freiberuflich tätig – als Schauspieler, Regisseur und vor allem als Rezitator. Seine Vorlesekunst auf der Bühne und im Studio brachte ihm Huldigungen ein wie: "König der Vorleser", "Caruso der Vorleser", "Fischer-Dieskau des Wortes" oder "des Dichters oberster Mund" (Katia Mann).

Gert Westphal hat ein einzigartiges Vorlese-Repertoire hinterlassen. Seine Lieblingsautoren waren Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane und Thomas Mann. Marcel Reich-Ranicki bezeichnete ihn als wahrscheinlich besten Rezitator in deutscher Sprache.

Gert Westphal starb 2002. Sein Grab in Kilchberg bei Zürich befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Familiengrab Thomas Manns.

Angaben zur Sendung

MDR KULTUR-Klassikerlesung
Briefe Richard Wagners (22 Folgen)

Sprecher: Gert Westphal
Regie: Hanjo Kesting
Produktion: NDR 1983

Sendung: 01.10. – 30.10.2020 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

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