Klassikerlesung | 02.01. – 31.01.2020 Alexander Granach: Da geht ein Mensch

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere musste der jüdische Schauspieler Alexander Granach aus Deutschland fliehen. Über die Sowjetunion kam er 1938 in die USA, wo er in Filmen von Fritz Lang und Ernst Lubitsch auftrat. Kurz vor seinem frühen Tod verfasste er seine atemberaubende Lebensgeschichte. Es liest Christian Brückner.

Greta Garbo, Felix Blessard, Sig Ruman, Alexander Granach in einer Szene des Films Ninotchka, 1939
Alexander Granach (Zweiter von links) mit Greta Grabo, Felix Blessard und Sig Ruman in einer Szene des Films "Ninotschka", 1939 Bildrechte: imago images / United Archives

Alexander Granachs Lebensweg ist beispiellos. Als Jessaja Szajko Gronach, neuntes Kind einer jüdischen Bauersfamilie, wird er 1890 in einem galizischen Schtetl geboren. Von seinem Vater lernt er das Bäckerhandwerk, doch er möchte Schauspieler werden.

Film- und Theaterstar der Weimarer Republik

Mit atemberaubender Vitalität und großem Improvisationstalent kämpft er sich aus der galizischen Provinz bis nach Berlin, wo es ihm gelingt, an Max Reinhardts Schauspielschule zugelassen zu werden. In den folgenden Jahren avancierte er zu einem gefragten Bühnendarsteller.

Der erste Weltkrieg, an dem er als Soldat für die Österreichische Armee teilnimmt, kann die glänzende Karriere Granachs nur aufschieben, nicht aufhalten. Im politischen Theater Berlins ist er ein populärer Darsteller, arbeitet mit Größen wie Erwin Piscator und Bertolt Brecht. Er spielt in Kinoklassikern wie Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" (1921) und Arthur Robisons "Schatten - Eine nächtliche Halluzination" (1923).

1933 muss Granach wegen seiner Herkunft und politischen Einstellung Deutschland verlassen. Über Warschau, Moskau, Kiew und Zürich gelangt er in die USA. Mit Rollen in Ernst Lubitschs "Ninotschka" (1939) an der Seite von Greta Garbo und "Auch Henker sterben" (1943) von Fritz Lang beginnt er eine vielversprechende Hollywood-Karriere, die sein früher Tod 1944 in New York abrupt beendet.

Autobiographischer Roman

Nicht als Schauspieler jedoch lebt sein Name fort, sondern als Verfasser eines der ergreifendsten Erinnerungsbücher dieses Jahrhunderts. Unter dem Titel "Da geht ein Mensch" hat Granach kurz vor seinem Tod seine Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend im äußersten östlichen Zipfel der Habsburger Monarchie niedergeschrieben. Mit unerhörter Eindringlichkeit und geradezu dokumentarischer Genauigkeit beschwört Granachs Lebensroman das Galizien der Jahrhundertwende wieder herauf. Das Buch erschien 1945 in einem schwedischen Exilverlag in deutscher Sprache.

Der Sprecher Christian Brückner

Seine Stimme schrieb Filmgeschichte: Er lieh sie Robert de Niro in über 60 Filmen, außerdem Robert Redford, Harvey Keitel, Donald Sutherland und Dennis Hopper. Brückner, geboren 1943 im schlesischen Waldenburg, studierte zunächst Germanistik, Theaterwissenschaften und Soziologie an der Freien Universität Berlin, wechselte dann aber ins Theaterfach, nahm Schauspielkurse und Sprachunterricht.

Seinen Durchbruch hatte er als Stimme von Warren Beatty in "Bonnie and Clyde". 1976 wählte ihn Regisseur Martin Scorsese als ständige deutsche Synchronstimme von Robert de Niro. Obwohl Brückner auch auf der Bühne und im Film als Darsteller auftrat, ist er weithin als Sprecher ("The Voice") in Hörspielen, Lesungen, Reportagen und Dokumentationen bekannt geworden.

Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit seiner Frau den Hörbuch-Verlag "Parlando", in dem jährlich etwa zehn Produktionen erscheinen. Die Hörbücher umfassen ein breites Spektrum von Prosa bis Lyrik, von Liebesdichtung bis politische Literatur.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR-Klassikerlesung
"Da geht ein Mensch - Roman eines Lebens" (23 Folgen)
Von Alexander Granach

Es liest: Christian Brückner
Produktion: BR 1986

Sendung: 02.01. – 31.01.2020 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 02. Januar 2020, 04:00 Uhr

Alexander Granach: Da geht ein Mensch - Roman eines Lebens
Bildrechte: btb Verlag

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