Klassikerlesung | 01.09. – 30.09.2020 Ricarda Huch: "Der letzte Sommer" und andere Prosa

Richarda Huch (1864-1947) galt einst als Grand Dame der deutschen Literatur. Die Schriftstellerin war eine der ersten deutschen Frauen, die ihr Studium mit einer Promotion abschloss. Ihr umfangreiches Werk umfasst neben Gedichten, Novellen und Romanen eine Vielzahl historischer Arbeiten. In dieser Klassikerlesung auf MDR KULTUR hören Sie ausgewählte Erzählungen von Ricarda Huch. Es lesen Rosemarie Fendel, Manfred Wagner und Achim Gertz.

Zeitgenössisches Porträt der deutschen Schriftstellerin und Historikerin Ricarda Huch
Die Schriftstellerin Ricarda Huch (1864-1947) Bildrechte: dpa

Ihr Name ist geläufig: Viele Schulen sind nach Ricarda Huch benannt, ihr vielfältiges Werk von mehr als 50 Büchern ist heute nur wenig bekannt. Dabei galt die 1864 in Braunschweig geborene Schriftstellerin und Historikerin jahrzehntelang als eine der wichtigsten Intellektuellen des Landes. Thomas Mann schrieb 1924 zu ihrem 60. Geburtstag: "… nicht nur die erste Frau Deutschlands ist es, die man zu feiern hat, es ist wahrscheinlich die erste Europas."

Eine Vorreiterin war Ricarda Huch in vielerlei Hinsicht. Sie studierte Geschichte und Philosophie und promovierte als eine der ersten deutschen Frauen 1892 an der Universität Zürich. Sie arbeitete zunächst als Bibliothekarin und Lehrerin, ehe sie ein Leben als freie Schriftstellerin wagte.

Nach literarischen Anfängen als Lyrikerin und Erzählerin widmete sie sich zunehmend historischen Arbeiten, etwa ihren großen Werken zur Revolution von 1848 und zum Dreißigjährigen Krieg. Revolutionen und Rebellen sind bei Ricarda Huch wiederkehrende Themen, sie schrieb Biografien über Garibaldi, den Befreier Italiens und Bakunin, den russischen Anarchisten, über Luther und Lassalle.

1926 wurde sie als erste Frau in die Preußische Akademie der Künste gewählt, aus der sie aber 1933, nach Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten, wieder austrat. Zwischen 1935 bis 1947 lebte sie bei ihrer Tochter In Jena. In diesen Jahren der "inneren Emigration" verfasste sie ihre monumentale "Deutsche Geschichte". Nach dem Krieg arbeitete sie an einem Buch über den Widerstand gegen Hitler, das unvollendet blieb.

Im Oktober 1947 nahm Ricarda Huch als Ehrenpräsidentin am Ersten Deutschen Schriftstellerkongress in Berlin teil. Anschließend übersiedelte sie zu Tochter und Schwiegersohn nach Frankfurt am Main. Am 17. November 1947 starb sie im Gästehaus der Stadt Frankfurt in Schönberg im Taunus.

Erzählungen von Ricarda Huch in der Klassikerlesung

In dieser Klassikerlesung widmen wir uns ausgewählten Erzählungen von Ricarda Huch. Der letzte Sommer, erschienen 1910, führt ins zaristische Russland zu Beginn des 20.  Jahrhunderts.

Der Gouverneur Jegor von Rasimkara geht mit Todesurteilen gegen rebellierende Studenten vor und hat aus Angst vor Unruhen die Universität schließen lassen. Nun hat er sich mit seiner Frau Lusinja und seinen drei Kindern Welja, Katja und Jessika auf seinen Sommersitz in Kremskoje zurückgezogen. Nachdem er einen Drohbrief erhalten hat, drängt ihn Lusinja, den Studenten Lju als Personenschützer einzustellen. Der junge Mann genießt bald das Vertrauen der Familie. Noch ahnt niemand, dass er selbst zu jenen revolutionären Kräften gehört, die der zaristischen Herrschaft ein Ende setzen wollen.

Die Erzählung Lebenslauf des heiligen Wonnebald Pück ist eine humorvolle Satire auf die katholische Kirche. Sie handelt von dem wenig begabten Kaufmannssohn Wonnebald Pück, der aus Mangel an Möglichkeiten eine klerikale Laufbahn einschlägt, wobei sein ausschweifender Lebenswandel und seine Verfehlungen dazu führen, dass er immer wieder befördert wird.

Ricarda Huchs frühe Erzählung Teufeleien, erschienen 1897, basiert auf einem Stoff der sogenannten Wick'schen Sammlung aus der Züricher Stadtbibliothek. Die Geschichte spielt in einer spätmittelalterlichen Stadt. Vor dem Haus eines Ratsherren soll der Teufel sein Unwesen treiben. Doch in Wirklichkeit ist der nächtliche Spuk irdischer Herkunft.

Angaben zur Sendung

MDR KULTUR-Klassikerlesung
"Der letzte Sommer" und andere Prosa (22 Folgen)
Von Ricarda Huch

01.09. - 18.09.2020 | 1. bis 14. Folge
Der letzte Sommer
Gelesen von Rosemarie Fendel | Produktion: HR 1998

21.09. - 24.09.2020 | 15. bis 18. Folge
Lebenslauf des heiligen Wonnebald Pück
Gelesen von Manfred Wagner | Produktion: Rundfunk der DDR 1966

25.09. - 30.09.2020 | 16. bis 22. Folge
Teufeleien
Gelesen von Achim Gertz | Produktion: NDR 1966

Sendung: 01.09. – 30.09.2020 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir "Der letzte Sommer" und "Teufeleien" leider nicht im Internet zum Hören anbieten. Die vier Folgen der Lesung "Lebenslauf des heiligen Wonnebald Pück" stehen hier nach der Ausstrahlung 30 Tage zum Hören bereit.

Ricarda Huch: "Der letzte Sommer
Bildrechte: Kampa Verlag

Buchtipp Ricarda Huch: "Der letzte Sommer"

Ricarda Huch: "Der letzte Sommer"

Gebundene Ausgabe, 144 Seiten
ISBN: 978-3311210085
Kampa Verlag 2019
16,00 Euro

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