Janine Klinge, Beauftragte für Junge Landfrauen in Sachsen mit Moderator Vladimir Balzer
Janine Klinge, Beauftragte für Junge Landfrauen in Sachsen Bildrechte: Joachim Blobel / MDR KULTUR

Perspektiven Landfrau Janine Klinge blickt besorgt auf die sächsische Landtagswahl

Janine Klinge, Beauftragte für Junge Landfrauen in Sachsen mit Moderator Vladimir Balzer
Janine Klinge, Beauftragte für Junge Landfrauen in Sachsen Bildrechte: Joachim Blobel / MDR KULTUR

Janine Klinge ist Beauftragte für Junge Landfrauen in Sachsen. Schon seit 1992 engagiert sie sich in dem Verband für Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im Gespräch mit MDR KULTUR erklärt sie, dass sie im Hinblick auf die Landtagswahl in Sorge um die Zukunft des Verbandes ist: "Es treten durchaus auch Parteien an, deren Frauenbild nicht dem entspricht, was wir gerne möchten."

Sie fürchtet zudem, "dass die ganze Arbeit, die wir in den letzten Jahren geleistet haben, wieder zunichte und rückgängig gemacht werden kann". Je nach Ausgang der Wahl sieht sie sogar die Existenz des Verbands bedroht. Man müsse sich nur die Wahlprogramme anschauen, dann sehe man, welche Parteien den Landfrauen wohlgesonnen seien und welche nicht. Davon abhängig sei aber später die Entscheidung über die Vergabe finanzieller Mittel.

Ländliche Räume nicht abhängen, sondern digital anbinden

Laut Klinge zeigt sich die jetzige Regierung gegenüber der Arbeit der Landfrauen aufgeschlossen. Dennoch beklagt sie die Tendenz, dass die Politik sich nur auf den städtischen Raum konzentriere. Dabei sei die Infrastruktur in ländlichen Räumen jetzt schon unzureichend. Es komme vor, dass bei Video-Konferenzen die Ortsvereine nicht zugeschaltet werden können, weil die Internetverbindung zu schlecht sei. "Da wollen wir, da müssen wir entgegenwirken als Landfrauen", sagte Klinge weiter.

Dabei leben Landfrauen nicht nur auf dem Dorf, wie Klinge betont. Alte Traditionen und Handwerkskünste zu erhalten, das interessiere auch Frauen in der Stadt. Da ergäben sich Verbindungen, die es zu nutzen gelte. Zudem wolle sich der Verband stärker um Fragen der Weiterbildung kümmern – beispielsweise zur Nutzung von Online-Medien oder Online-Handel. Das spreche vor allem auch Frauen an, die gerade in den Ruhestand gingen. Sie seien die Hauptklientel des Vereins zurzeit, während Frauen unter 40 Jahren im Verband rar seien.

Zur Person

Janine Klinge wurde 1984 im vogtländischen Rodewisch geboren. Sie studierte Medienmanagement an der Hochschule Mittweida. 2007 absolvierte sie ein Auslandssemester in Australien. Danach arbeitete sie im Event- und Messemanagement. Seit 2017 ist sie Bildungsreferentin beim Sächsischen Landfrauenverband e.V. und Beauftragte der Jungen Landfrauen Sachsens.

Engagement der Landfrauen Bereits im 19. Jahrhundert schlossen sich Bäuerinnen zusammen, um ihren Interessen Gehör zu verschaffen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründeten sich 1947 im Westen Deutschlands die ersten Landfrauenvereine, nach 1989 kamen Mitglieder aus dem Osten dazu. Heute gehören eine halbe Million Frauen dem Verband an. Da das Berufsbild der Bäuerin im Wandel ist, finden sich mittlerweile Frauen aus allen Berufen und Altersklassen unter den Mitgliedern.

Der Sächsische Landfrauenverband wurde 1992 von 50 Engagierten in Zug nahe Freiberg gegründet, in einer Zeit voller Aufbruchsstimmung, mit Fördergeldern und Unterstützung vom Staat. Zeitgleich vollzog sich ein gewaltiger Umbruch ihrer Arbeitswelt. Viele Frauen verloren ihren Job und ihr soziales Umfeld. Um etwas dagegen zu unternehmen, gründeten die sächsischen Landfrauen "Beschäftigungsprojekte", die einen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt ermöglichen sollten. Landesweit entstanden Begegnungsstätten und Stützpunkte, von denen einige noch heute existieren und ehrenamtlich betrieben werden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft | 10. August 2019 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2019, 15:17 Uhr

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