Kommentar Leipziger Jahresausstellung: Ladet Axel Krause wieder ein!

Der Skandal um die Leipziger Jahresausstellung begann mit einem Streit über den Maler Axel Krause, der der AfD nahesteht. Es folgte ein Schauspiel mit diversen Kehrtwenden – doch die finale Kehrtwende steht noch aus. Ein Kommentar.

Andreas Höll
Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

von Andreas Höll, MDR KULTUR-Kunstredakteur

Eines kann man jetzt schon feststellen: Der Ausschluss von Axel Krause aus der 26. Jahresausstellung hat der Leipziger Kunstszene massiv geschadet. Vor allem aber wurde das Recht auf Meinungsfreiheit, wie es im Artikel 5 des Grundgesetzes formuliert ist, schwer beschädigt.

Sachsens Kunstministerin Eva Stange hat heute den Ausschluss des AfD-nahen Künstlers in einem Interview mit der "Leipziger Volkszeitung" scharf kritisiert und das Skandalon folgendermaßen zugespitzt: "Es geht nicht, dass Menschen wegen ihrer politischen Haltung stigmatisiert und gesellschaftlich ausgeschlossen werden. Die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei. Ich kann verstehen, dass man ihre Positionen nicht teilt und aus guten Gründen ablehnt. Aber wir leben zum Glück in einer Demokratie und die fordert uns auf, uns mit Positionen auseinanderzusetzen." Und weiter führt sie aus: "Ausgrenzung ist der falsche Weg, damit spaltet man die Gesellschaft." Soweit die klare Haltung der SPD-Politikerin.

Und es mehren sich nun die Stimmen, die diese urdemokratische Position ebenfalls vertreten. Und dazu gehören selbst jene Künstlerinnen und Künstler, die die Teilnahme des AfD-nahen Malers in einem Brief hart kritisiert hatten. Doch nachdem er ausgeschlossen wurde, betonen sie, niemals für seinen Rausschmiss plädiert zu haben und schieben die Schuld allein den Kuratoren der Schau zu.

Plötzlich sind sich alle einig

Der Maler Axel Krause vor seinem Werk "Der Traum des Metzgers"
Der Maler Axel Krause vor seinem Werk "Der Traum des Metzgers" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Da stellt sich die Frage: Gibt es nun auf einmal einen breiten Konsens darüber, dass die Ausladung Krauses eine falsche Entscheidung war? Und falls das mit Ja beantwortet wird, schließt sich daran die nächste Frage an: Warum wird dann Axel Krause nicht wieder eingeladen?

Nach all dem Chaos um diese Ausstellung wäre das nur folgerichtig: Erst der Rauswurf des Künstlers, dann die Absage der Schau, dann wieder die verspätete Ausrichtung – nur dieses Mal ohne Axel Krause. Warum also gibt man nun nicht allen Kunstinteressierten die Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen und die Gemälde von Axel Krause selbst in Augenschein nehmen zu können?

Alfred Weidinger, der Direktor des Leipziger Museums der bildenden Künste, hat bei MDR KULTUR genau das vorgeschlagen. Er sagt zwar, dass es nun zu spät dafür sei, aber meiner Meinung nach müssten etwaige organisatorische Komplikationen dennoch zu meistern sein. Und auch wenn Krauses Bilder erst mit Verzögerung gezeigt würden, wäre das nach all dem Hickhack durchaus verkraftbar.

Es könnte ein erster Schritt sein, dass nun tatsächlich das geschieht, was auch das Ziel der abgesagten Podiumsdiskussion war: dass in dieser hochbrisanten kulturpolitischen Debatte die verschiedenen Akteure nicht nur über einander reden, sondern gemeinsam ins Gespräch kommen.

Ein Plädoyer für die Meinungsfreiheit

Und zwar begleitet von einer Schau, bei der niemand wegen seiner politischen Haltung stigmatisiert wird – so sie denn die durch die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland und das Bürgerliche Gesetzbuch gedeckt ist. Und das wäre dann auch ein kraftvolles Plädoyer für die Meinungsfreiheit – so wie es von einem französischen Aufklärer überliefert ist. Der hat damals geschrieben:

"Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Dieses Zitat wird meist Voltaire zugeschrieben, doch davon unabhängig hat es seine Gültigkeit bis zum heutigen Tage bewahrt. Denn zur Verteidigung der offenen Gesellschaft gehört auch die Verteidigung einer pluralistischen Streitkultur, die selbstbewusst und souverän andere Meinungen aushält, auch wenn es schwerfällt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Juni 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2019, 17:04 Uhr

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