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InterviewCorona Experiment in Leipzig - Der Veranstalter ist gespannt

Interview

Konzert-Experiment: "Die Ergebnisse werden in jedem Fall positiv sein"

Stand: 21. August 2020, 14:54 Uhr

Am Samstag findet in der Leipziger Arena ein Konzert mit Tim Bendzko statt. Genauer gesagt: eine Konzert-Simulation im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Halle unter dem Titel "Restart-19". Ziel ist es zu testen, ob und wie Großveranstaltungen in Zeiten der Pandemie stattfinden können, ohne eine Gefährdung der Bevölkerung zu riskieren. Auf die Ergebnisse sind nicht nur Wissenschaftler gespannt, sondern auch Veranstalter wie Matthias Winkler, Geschäftsführer von Mawi Concert.

MDR KULTUR: Wie groß sind die Hoffnungen in dieses Experiment in Leipzig oder eben auch wie klein?

Matthias Winkler: Ich hoffe sehr, wie wohl alle in der Branche, dass diese Studie zeigen wird, dass Konzerte, insbesondere auch Stehkonzerte, unter bestimmten Voraussetzungen mit wirtschaftlich vernünftigen Zuschauerzahlen möglich sind.

Welche Tragweite kann denn so eine Studie haben? Die Probandenzahl wird ja nur etwas mehr als halb so groß wie geplant sein, rund 2.000 statt der geplanten 4.000 Menschen nehmen teil.

Ja, schade. Aber soweit ich weiß, kann das Ziel der Studie auch so erreicht werden. Vielleicht war es nicht so glücklich, einen Künstler wie Tim Bendzko auszusuchen, der ja eher ein Club-Künstler ist. Aber man muss Tim Bendzko absolut Respekt zollen, dass er sich für diese Studie zur Verfügung stellt. Möglicherweise wäre es mit einem vermeintlich attraktiveren Künstler unter diesen widrigen Bedingungen auch nicht besser gelaufen. Die Leute interessieren sich gerade einfach nicht so sehr dafür. Es ist Sommer, Ferienzeit und gerade haben wir 35 Grad.

Ich erhoffe mir trotzdem Ergebnisse, die passgenaue Hygienekonzepte für unterschiedlichste Veranstaltungsformate und unterschiedlichster Hallengrößen möglich machen.

Die Zahl der Neuinfektionen steigt wieder. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht jetzt schon von einem Karnevalsverbot, private Feiern sollen gedeckelt werden. Da kann man sich Indoor-Konzerte eigentlich schwer vorstellen. Was, wenn man jetzt feststellt, Konzerte wären unter bestimmten Bedingungen möglich oder eben nicht möglich. Also ich sage mal: Alkoholverbot, Abstand, Masken. Wann ist ein Konzert noch ein Konzert?

Präsentation in Vorbereitung des Experimentes Bildrechte: dpa

Ich bin mir sehr sicher, dass diese Studie zeigen wird, dass Konzerte und Sportveranstaltungen unter Einhaltung von strikten individuellen Hygienevorschriften möglich sind. Und ich glaube, dass die Leute auch wieder zu Konzerten kommen würden. Wir sehen es gerade im Vorverkauf für die zwei In Extremo-Konzerte am 2. und 3. Oktober auf der Peißnitz in Halle. Da waren nach wenigen Stunden 500 Karten verkauft. Das, was die Leute interessiert, wo sie Lust drauf haben, da gehen sie auch hin.

Wahrscheinlich sind sie auch hungriger denn je zuvor auf gute Konzerte. Aber wäre das ein Signal an die Branche, wenn das Ergebnis der Studie zu einem negativen Ergebnis kommt?

Die Ergebnisse der Studie werden in jedem Fall positiv sein, weil wir nämlich dann zum ersten Mal wissenschaftliche Grundlagen haben, nach denen wir für jede Halle, für jeden Klub, für jede Sportveranstaltung individuelle Abstands- und Hygienekonzepte erarbeiten können.

Deep Purple sollten auf der Peißnitz in Halle spielen, viele andere Bands 2020 auch. Was ist mit diesen ganzen Konzerten, werden die 2021 nachgeholt?

Ja, ich glaube, abgesehen von Lynyrd Skynyrd, die ihre Europa-Tournee auf 2022 verlegt haben, finden alle Konzerte 2021 statt. Das betrifft insbesondere die auf der Peißnitz, etwa mit Judas Priest und Deep Purple.

Das Gespräch führte Moderator Stefan Maelck für MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 21. August 2020 | 12:10 Uhr