Szenenbild: "Krieg der Träume"
"Krieg der Träume" erzählt die Entwicklung Europas von 1918 bis 1939 anhand ausgewählter Biografien. Bildrechte: SWR/LOOKS Film

Neue Geschichts-Doku bei Arte Serie "Krieg der Träume": Europa zwischen den Weltkriegen

Am Dienstagabend startet Arte die neue achtteilige Doku-Serie "Krieg der Träume". Sie erzählt die Geschichte Europas zwischen den Weltkriegen anhand von 13 ausgewählten Biografien, die alle auf die eine oder andere Art mit den Wirrnissen der Zeit verknüpft sind. Die Dokumentation verzichtet auf einen Erzähler und schildert die Ereignisse stattdessen strikt aus der damaligen Perspektive.

von Stefan Nölke, MDR KULTUR-Geschichtsredakteur

Szenenbild: "Krieg der Träume"
"Krieg der Träume" erzählt die Entwicklung Europas von 1918 bis 1939 anhand ausgewählter Biografien. Bildrechte: SWR/LOOKS Film

Auf ARTE startet am Dienstagabend ein spannendes, großangelegtes Geschichtsprojekt: "Krieg der Träume" lautet der Titel einer achtteiligen dokumentarischen Dramaserie, in der die Geschichte Europas in den Jahren zwischen 1918 und 1939 anhand von 13 Biographien erzählt wird. Hinter der Produktion steht eine Reihe europäischer Medienanstalten. Denn tatsächlich handelt es sich nicht nur um eine Fernsehserie, sondern um ein internationales Multimedia-Projekt. Das heißt, parallel zur Ausstrahlung der Serie werden Ausstellungen und Theateraufführungen gezeigt und es erscheinen Bücher und DVDs.   

Gleich in mehrererlei Hinsicht ist das Projekt verdienstvoll und innovativ. Schon die Dimension mit mehr als 30 Partnern und Förderern ist ungewöhnlich. Vorläufer war vor vier Jahren das Projekt "14 – Tagebücher des Ersten Weltkrieges". Auch das war schon international und multimedial ausgerichtet. Nun aber haben sich die Verantwortlichen unter Federführung des Südwestrundfunks noch weiter vernetzt.

Der Blick von heute, von uns, die wir alles vermeintlich besser wissen, fehlt völlig. Wir, die Filmemacher, erzählen nur aus der Zeit heraus. 

Jan Peter, Autor und Regisseur von "Krieg der Träume"

Inhaltlich wird hier der Versuch unternommen, Geschichte aus einer europäischen Perspektive zu erzählen. Und dies unterscheidet sich von vielen Büchern und auch von dem, was man gemeinhin im Schulunterricht lernt, dadurch, dass die Erzählung über den begrenzten nationalstaatlichen Horizont hinausgeht. Damit kommt man erstens dichter an die historische Wahrheit heran. Und zweitens ist dies in Zeiten, in denen ein Teil der Bevölkerung bei uns und bei unseren Nachbarn eine Rückkehr zu heroisch gestimmten nationalen Narrativen fordert, auch politisch ein wichtiges Anliegen.

Eine aufgeladene Epoche

Szenenbild: "Krieg der Träume"
Szene aus der Doku-Serie "Krieg der Träume", zu sehen ab 11. September bei Arte und ab 17. September als Dreiteiler im Ersten. Bildrechte: SWR/Ricardo Vaz Palma

Die Epoche, um die es geht, vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zum Beginn des Zweiten, war ungeheuer aufgeladen. Damals setzte die große Auseinandersetzung zwischen Demokraten, Kommunisten, Anarchisten, Nationalisten und Faschisten ein. Gleichzeitig war es die Zeit, in der ein neues Frauenbild aufkam. Eine Zeit, in der die Menschen insgesamt mehr Teilhabe, mehr Wohlstand und individuelles Glück forderten.

Exemplarisch haben die Filmemacher 13 Biographien ausgesucht, die eine Menge dramatischen Stoff bieten, aber auch gut dokumentiert sind. Diese einzelnen Lebensgeschichten werden anhand von kurzen Schlüsselszenen parallel erzählt. Allesamt sind das spannende Figuren, die teilhatten an der historischen Entwicklung auf die ein oder anderen Weise, die sich aber selbst nie getroffen haben.

Der Traum von einem besseren Leben

Was sie aber vereint, ist der Traum von einem besseren Leben. Da ist die polnische Schauspielerin Pola Negri, die in den wilden 20er Jahren zum deutsch-amerikanischen Stummfilm-Star aufsteigt und später, nachdem sie während der Weltwirtschaftskrise alles verloren hat, von den Nazis hofiert wird.

Rudolf Höss, der spätere Ausschwitzkommandant, ist ebenfalls unter den 13 Protagonisten. Wegen der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg trägt er eine unglaubliche Wut in sich. Wütend über die Demütigung seiner Nation durch die französischen Kolonialherren ist auch der vietnamesische Intellektuelle Ho Chi Minh – so sein Kampfname, der sich in den 20er-Jahren dem Kommunismus anschließt. Ähnlich wie Hans Beimler, der bei der Novemberrevolution 1918 und bei der Gründung der KPD dabei ist. Später wird er im spanischen Bürgerkrieg den Tod finden. Der ein oder andere wird Beimler vielleicht noch aus DDR-Geschichtsbüchern kennen, den Westdeutschen dürfte er eher unbekannt sein.

Guckt es Euch an. Und dann fühlt!

Jan Peter, Autor und Regisseur

Zum Konzept der Serie gehört, dass es keinen Erzähler gibt, der über die Chronologie der Ereignisse, über die Hintergründe und Zusammenhänge aufklärt, erklärt der Autor und Regisseur Jan Peter – 1968 in Merseburg geboren und einer der erfolgreichsten Filmemacher aus Mitteldeutschland: "Der Blick von heute, von uns, die wir alles vermeintlich besser wissen, fehlt völlig. Wir, die Filmemacher, erzählen nur aus der Zeit heraus."

Ohne Vorwissen kommt man kaum mit

Nach Peters Worten wollen die Filmemacher zwar nicht erklären, dennoch würden manche Dinge klar: "Wir nehmen erst einmal unvoreingenommen bestimmte Perspektiven ein und stellen sie nebeneinander. Und wir sagen nicht von vornherein: 'Das sind die Guten, das sind die Bösen'. Ich glaube, diese Moralisierung von Geschichte, da muss man sehr aufpassen, weil es Geschichte sehr langweilig für junge Leute macht. Nach dem Motto: 'Ah, jetzt sagt uns der Lehrer wieder, da müssen wir dies denken, da müssen wir das denken.'"

Dass die Serie ohne auktorialen Erzähler auskommt, ist ein interessanter Ansatz, hat aber den Nachteil, dass man doch ein gewisses Hintergrundwissen mitbringen muss, um die Handlungen  zu verstehen. Es geht doch sehr zügig und im Galopp durch die 20er- und 30er-Jahre. Da hilft es, sich im Vorfeld ein bisschen schlau zu machen. Was die jungen Leute, die Jan Peter im Blick hat, hoffentlich nicht abschrecken wird, sich diese sehenswerte Serie "reinzuziehen".

Angaben zur Serie "Krieg der Träume"
achtteilige Doku-Serie
ab 11. September bei Arte
ab 17. September als Dreiteiler im Ersten

Literatur über den Zweiten Weltkrieg

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. September 2018 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2018, 04:00 Uhr

Literatur über den Zweiten Weltkrieg