Susanne Kucharski-Huniat
Susanne Kucharski-Huniat leitet das Kulturamt der Stadt Leipzig seit 1994. Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Kulturpolitik Susanne Kucharski-Huniat trägt das Leipzig-Gefühl in die Welt

Seit 25 Jahren leitet Susanne Kucharski-Huniat das Kulturamt in Leipzig. Dabei will sie die Stadt auch in der europäischen Kultur-Szene noch bekannter machen – und nennt als großes Vorbild die Metropole Barcelona.

Susanne Kucharski-Huniat
Susanne Kucharski-Huniat leitet das Kulturamt der Stadt Leipzig seit 1994. Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Aus Sicht der Leiterin des Leipziger Kulturamtes, Susanne Kucharski-Huniat, ist Leipzig international noch nicht bekannt genug. Kucharski-Huniat sagte MDR KULTUR, sie sei durch ihren Posten in ganz Europa herumgekommen. Dabei habe sie gemerkt, dass man immer wieder für Leipzig trommeln müsse: "Wir denken immer, wir sind weltbekannt. Aber wir sind eben durch die 40 Jahre doch ein Stück weit vom Schirm weg gewesen."

Barcelona als vorbildliches Beispiel

Als Vorbild nannte sie Barcelona. Zwar wolle sie Leipzig nicht direkt mit der spanischen Weltstadt vergleichen, aber es sei ihr Ziel, dass die Leute auf eine ähnliche Art nach Leipzig schauten: "Wenn allein schon der Name der Stadt (...) eine solche Assoziation erweckt, dass ein Fächer an Themen aufgeht, dass man da hin will, dass man sagt: Da kann ich eigentlich alles erleben. Das fände ich toll."

Auf dem Weg dahin sei neben der freien Kulturszene auch die Kultur- und Kreativwirtschaft wichtig – etwa junge Unternehmen oder die Musikszene. In diesen Bereichen gebe es ein Kommen und Gehen in Leipzig: "Und das muss man auch zulassen, dass wir dann auch mal ein Durchlauf sind, dass Menschen zu uns kommen, eine Weile bei uns leben und wieder weggehen, und dieses Leipzig-Gefühl dann einfach auch wirklich in die Welt tragen."

Zugleich betonte Kucharski-Huniat, dass Leipzig bereits jetzt international einen sehr guten Ruf habe: "Man will auch uns dabei haben und von uns inzwischen auch lernen. Und das ist schön."

Seit 25 Jahren Kulturamtsleiterin

Susanne Kucharski-Huniat
Susanne Kucharski-Huniat zu Gast bei MDR KULTUR Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Susanne Kucharski-Huniat leitet das Kulturamt der Stadt Leipzig seit dem 2. Februar 1994, also seit genau 25 Jahren. Dabei hatte sie ein solches Amt nie angestrebt, wie sie rückblickend erzählt. Allerdings habe sie schon immer gestalten wollen: "Ich bin einfach rein, ich war positiv gestimmt." In den Jahren nach der Friedlichen Revolution sei die Politik die beste Möglichkeit gewesen, sich einzusetzen.

Wir waren noch wie im Rausch.

Susanne Kucharski-Huniat über die Zeit kurz nach der Friedlichen Revolution

In der DDR dagegen habe es immer viel Energie gekostet, gegen etwas zu sein. Schon kurz nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin beim Leipziger Kommissions- und Großbuchhandel eckte Susanne Kucharski-Huniat an. Zum Beispiel, weil sie Solidarnosz-Plakate aufhängte und ähnliche "leicht subversive Attacken" verübte, wie sie es heute nennt.

Leben in der Leipziger Künstler-Szene der 80er-Jahre

Als Partnerin und spätere Ehefrau des Leipziger Künstlers Günther Huniat erlebte sie auch den "Ersten Leipziger Herbstsalon" aus nächster Nähe, eine Ausstellung, die den Sozialismus mit künstlerischen Mitteln kritisch hinterfragte. Erst im Nachhinein habe sie erfahren, dass der Staat die Künstler dafür bis zu zehn Jahre habe einsperren wollen – was dann doch nicht geschah. Damals aber sei sie "wirklich angstfrei" gewesen, so Kucharski-Huniat.

Auch an den Leipziger Montagsdemonstrationen im Herbst '89 nahm sie teil. Eine prägende Erfahrung: "Das kann man nicht vergessen, wenn man dabei war, das trägt einen wirklich auch eine lange Zeit", so Kucharski-Huniat.

In der Wende-Zeit saß sie dann mit am "Runden Tisch" und zog später in den Leipziger Stadtrat ein, wo sie Geschäftsführerin der Fraktion Grüne/Unabhängiger Frauenverband wurde. Ihre Arbeit in mehreren Ausschüssen schuf dann die Voraussetzung, schließlich Kulturamtsleiterin zu werden.

Eine Aufgabe, die sie im nächsten Jahr abgeben möchte – noch vor Beginn des eigentlichen Rentenalters. Nach dann 30 Jahren im Leipziger Neuen Rathaus möchte sie noch einmal etwas Neues anfangen: "Ich bin da neugierig, was da nochmal auf mich zukommt."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Februar 2019 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2019, 17:00 Uhr