Ein Stempel wirbt für Magdeburg als Kulturhauptstadt
Das Motto von Magdeburg im Rennen um den Titel Kulturhauptstadt 2025 lautet "Machen!" Bildrechte: Andrea Jozwiak/Kulturhauptstadt-Büro

Auswahlverfahren Kulturhauptstadt Europas 2025: Die mitteldeutschen Kandidaten

Deutschland darf eine der beiden Kulturhauptstädte Europas 2025 stellen. Von den neun Bewerbern kommen fünf aus Mitteldeutschland: Magdeburg, Gera, Zittau, Chemnitz und Dresden. Außerdem gehen Hannover, Hildesheim, Nürnberg und Pforzheim ins Rennen. Was sind die Strategien der mitteldeutschen Kandidaten, wie fällt die Entscheidung, und was würde der Titel für die Städte bedeuten? Hier sind Antworten auf die wichtigsten Fragen der Kulturhauptstadt-Bewerbungen.

Ein Stempel wirbt für Magdeburg als Kulturhauptstadt
Das Motto von Magdeburg im Rennen um den Titel Kulturhauptstadt 2025 lautet "Machen!" Bildrechte: Andrea Jozwiak/Kulturhauptstadt-Büro

Was bedeutet "Kulturhauptstadt Europas"?

Die jährlich neue Ernennung einer Kulturhauptstadt geht zurück auf einen Vorschlag der griechischen Künstlerin und Kulturministerin Melina Mercouri von 1985. Die Initiative der EU soll die Vielfalt und den Reichtum der europäischen Kulturen hervorheben und zugleich das Gemeinschaftsgefühl der Europäer stärken. Die gekürten Städte bieten im Titeljahr jeweils ein besonders umfangreiches Kulturprogramm an, mit dem sie auch Touristen anlocken wollen.

Seit 2005 stellen die europäischen Länder die Kulturhauptstädte im Rotationsprinzip. Die Reihenfolge ist per Beschluss festgelegt worden. 2025 sind Deutschland und Slowenien an der Reihe. Bislang gab es drei deutsche Kulturhauptstädte Europas: 1988 Berlin (West), 1999 Weimar und 2010 Essen.

Wie läuft das Bewerbungsverfahren ab?

Bis Ende September 2019 müssen die deutschen Kandidaten ihre schriftliche Bewerbung bei der Kulturstiftung der Länder einreichen. Von dort werden die Unterlagen an eine unabhängige europäische Experten-Jury weitergeleitet. Das Gremium trifft anschließend eine Vorauswahl. Die Städte, die danach noch im Rennen sind, müssen bis zum Sommer 2020 detailliertere Bewerbungen abgeben. Daraus wählt das Experten-Gremium im Herbst 2020 seinen Vorschlag für je eine Gewinnerstadt pro ausrichtendem Land aus. Der deutsche Gewinner wird schließlich formell von der Kultusministerkonferenz ernannt.

Welche Strategien haben die mitteldeutschen Bewerber?

Magdeburg

Magdeburg kann mit Kulturschätzen wie der 500 Jahre alten Bibliothek trumpfen. Andrea Jozwiak spricht für das Magdeburger Kulturhauptsstadtbüro und räumt ein, dass es in der Stadt aber auch viel Leerstand und Renovierungsbedarf gebe. Den Freiraum sieht sie auch als Chance, immerhin habe Magdeburg viel Raum für Neues und Kreatives: "Viele sagen ja, Leipzig ist das neue Berlin. Aber was passiert nach Leipzig? Da versuchen wir, ein bisschen eine kleine Geschichte zu schreiben. Eventuell könnte Magdeburg das neueste hippe Viertel sein." Für die Bewerbung hat das Kulturhauptsstadtbüro Magdeburg auch ein neues Logo entworfen und viele Projekte, wie eine monatliche Talkrunde, ins Leben gerufen.

Der Magdeburger Dom von außen bei blauem Himmel.
Der Magdeburger Dom ist das Wahrzeichen der Stadt. Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Chemnitz

Für Ferenc Csák ist der Bewerbungsprozess viel wichtiger als das Ergebnis. Der Kulturamtsleiter von Chemnitz hat schon als Staatssekretär im ungarischen Bildungsministerium die Bewerbung von Pecs zur Kulturhauptstadt 2010 betreut. Das Bewerbungsmotto in Chemnitz lautet: "AUFbrüche". Das verweise auf die Brüche in der Stadtgeschichte, wie zum Beispiel durch die Industrialisierung, erklärt Csák und hebt auch den Untertitel der Bewerbung hervor: "'Opening Minds' – öffne den Geist. Öffne den Geist heißt bei uns auch, öffne den Geist für Europa. Chemnitz hat immer prosperierende Zeiten erlebt, wenn die Stadt oder die Region für europäische Strömungen offen war und ein intensiver Austausch zwischen der Region Chemnitz, der Stadt Chemnitz und Europa stattgefunden hat."

Gera

Gera kann mit den meisten Bauhaus-Denkmälern in Thüringen punkten. Zudem zählt im Rennen um den Titel als Kulturhauptstadt auch ein schlüssiges Bewerbungskonzept: Gera hat als einst reiche Textilstadt einen schmerzhaften Wandel durchlebt, und auch der Wismut-Uranabbau hat Spuren hinterlassen. "Diese Transformation gehört zu den spannendsten Narrativen in diesem Wettbewerb", findet MDR KULTUR-Autorin Simone Reber, die bei der Präsentation der mitteldeutschen Bewerberstädte in Berlin dabei war. Laut Oberbürgermeister Julian Vonarb gehe Gera zwar als "krasser Außenseiter" ins Rennen – aber das berge die Chance eines Überraschungserfolges.

Das Barockbauwerk der Orangerie und Kunstsammlung Gera spiegelt sich in Gera (Thüringen) in einem Wasserbecken
Die Orangerie berherbergt die Kunstsammlung Gera, die auch das Otto-Dix-Haus als Ausstellungsgebäude nutzt. Bildrechte: dpa

Zittau

Die "Sechsstadt" (ein historischer Städtebund) bewirbt sich als Region Dreiländereck. Von der Bewerbung verspricht man sich hier Identitätsbildung und ein stärkeres Zusammenwachsen der Region – samt Zusammenrücken der Städtegesellschaft. "Wir haben große und potente Mitbewerber. Aber wir sind stark, wenn wir zusammenarbeiten", sagte Oberbürgermeister Thomas Zenker. Unterstützung erhält Zittau nicht nur vom Landkreis Görlitz und Städten in der Oberlausitz, sondern auch von den Nachbarn in Tschechien und Polen.

Dresden

Wenn eine Stadt so reich an Kulturgütern sei wie Dresden, werde nicht erwartet, dass man sich überhaupt als Kulturhauptstadt Europas bewerben müsse, sagt Stephan Hoffmann, Leiter des Bewerbungsbüros: "Warum man sich trotzdem bewirbt, hat viel mit den Punkten zu tun, wo es weh tut. Wo es Europa im Moment weh tut. Weil wir uns, glaube ich, ganz vehement die Fragen stellen müssen: Was bedeutet dieser kulturelle Reichtum auf diesem alten Kontinent?" Wenn man Europa von außen betrachte als kulturgeprägten, alten, reichen Kontinent sei Dresden dafür wahrscheinlich eine exemplarische Stadt. Kulturmanager Michael Schindhelm ist seit März Kurator für die Bewerbung Dresdens und findet sogar: "Dresden steht für die Identitätskrise Europas - und sollte deswegen Kulturhauptstadt werden".

Der Dresdner Theaterkahn vor Kathedrale und Semperoper
Katholische Hofkirche, Zwinger, Semperoper ... nicht nur entlang der Elbe hat Dresden zahlreiche Kulturschätze zu bieten. Bildrechte: IMAGO

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Oktober 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2018, 10:48 Uhr

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