Landtagswahl Thüringen Vor der Wahl: So wollen die Parteien Kultur auf dem Land fördern

Mareike Wiemann
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Wer in Weimar, Erfurt oder Jena lebt, hat Kulturangebote in Hülle und Fülle. Auf dem Land sieht das anders aus. Welche Konzepte haben die Parteien Linke, CDU, AfD, Grüne, SPD und FDP, um Theater oder Ausstellungen für alle zu ermöglichen? MDR KULTUR mit einem Überblick.

Ein Blick auf die letzten fünf Jahre

Wie kann Kultur im ländlichen Raum aufleben, wenn die Bevölkerung schrumpft, die Menschen immer älter werden und ein nicht unerheblicher Teil zur Arbeit pendelt, und damit umso weniger Zeit für Engagement in der Freizeit hat? Vor diesen Fragen steht ein Großteil der Regionen im Freistaat, denn dieser ist zu 90 Prozent ländlich geprägt. Ein Großteil der finanziellen Mittel für die Kultur fließt aber nach Erfurt, Weimar und Jena.

Lösungen müssen auf Orte abgestimmt sein

Bereits von 2013 bis 2015 wurden deswegen in zwei Modellregionen (Hildburghausen-Sonneberg und Nordhausen-Kyffhäuserkreis) sogenannte "Kulturentwicklungskonzeptionen" erarbeitet: Politiker und Verwaltungsangestellte kamen hierfür mit verschiedenen Kulturakteuren zusammen, um auf die Region zugeschnittene Lösungsansätze zu erarbeiten. Am Ende stand für die Modellregion Süd dabei etwa die Erkenntnis, dass die Gründung einer "Museumsregion" den zahlreichen kleinen Museen helfen könnte, den Weiterbetrieb der einzelnen Häuser zu sichern und gleichzeitig auch die fachliche Kompetenz nicht vergessen würde.

So wurde etwa 2017 die Botschafterausstellung "Himmel und Erde" konzipiert, in der 18 Museen der Kreise Hildburghausen und Sonneberg jeweils ein repräsentatives Objekt ihrer Sammlungen im Museum Neues Schloss Rauenstein zeigten. Ein Erfolg - der aber nicht darüber hinweg täuschen kann, dass auf dem Weg zu mehr Kooperation umso mehr Steine im Weg liegen, je ernster es wird: Einen konkreten Museums-Zweckverband gibt es in Hildburghausen und Sonneberg noch heute nicht, verschiedene Versuche scheiterten aufgrund einzelner Befindlichkeiten.

Ehrenamt spielt große Rolle

Klar ist, dass kulturelles Engagement auf dem Land in Thüringen oft anders funktioniert als in den großen Städten: In Dörfern und kleinen Gemeinden steht und fällt vieles mit Kulturenthusiasten, die sich ohne großzügige Gelder und ohne viel Öffentlichkeit an die Arbeit machen. Viele von ihnen wünschen sich mehr Anerkennung, Unterstützung durch die Kommunen und angemessenere Finanzierung ihres Engagements. So sagt das Team des Provinzschrei-Festivals in Suhl beispielsweise, dass durch die Finanzierung einer Teilzeit-Stelle das Arbeitspensum nicht ansatzweise gestemmt werden könne. Förderprogramme vom Land wie das Projektmanagerprogramm sollten deswegen den Bedarf realistischer abdecken.

Die Positionen der Parteien im Überblick

SPD-Logo auf Würfeln
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SPD Die SPD will kulturelle Teilhabe für alle Menschen ermöglichen: "Deshalb setzen wir uns für flächendeckende Kulturangebote ein und stärken die Angebote zur kulturellen Bildung", schreibt sie in ihrem Wahlprogramm. Einrichtungen wie Bibliotheken, Museen und Archive haben nach Ansicht der Partei im ländlichen Raum auch eine soziale Funktion als Treffpunkt und als Ort des Austauschs. Diese Einrichtungen sollen deswegen dabei unterstützt werden, sich als "dritten Ort" zu profilieren. Für Kooperationen von kulturellen Einrichtungen, die im ländlichen Raum ein kulturelles Angebot sichern, sollen finanzielle Anreize geschaffen werden. Zudem unterstützt die Partei das Programm der Thüringer Projektmanager. Sie will "das Programm evaluieren und, so sich der Bedarf nachweisen lässt, ausweiten."

Bündnis 90/Die Grünen Kulturvereine sollen laut Wahlprogramm in Zukunft bei der Beantragung von Landes- und Bundesfördermitteln kompetenter beraten und unterstützt werden. Förderausschreibungen sollten niedrigschwellig und möglichst zweisprachig zugänglich sein. Das Projektmanagerprogramm will die Partei in seiner Wirksamkeit evaluieren und bei Bedarf aufstocken und den Förderzeitraum auf bis zu drei Jahre verlängern. Die Grünen unterstützen die Erstellung von Kulturentwicklungskonzeptionen für alle interessierten Regionen in Thüringen. Soziokulturelle Zentren in den ländlichen Regionen sollen gezielt gefördert werden und die Sichtbarkeit ihrer Angebote zum Beispiel mit Hilfe von Kampagnenunterstützung erhöht werden.

AfD Der Thüringer AfD ist es laut Wahlprogramm wichtig, die "reiche Kultur unserer Heimat zu erhalten, zu schützen, fortzubilden und zu fördern." Schüler sollten im Unterricht Aspekte der regionalen Kultur und ihrer Geschichte vermittelt werden. Neben Orten der Hochkultur will die AfD auch "Orte der Volkskultur" fördern, hierzu gehören für sie auch Weihnachtsmärkte oder Freibäder. Die Partei setzt sich dafür ein, dass solche Angebote auch im ländlichen Raum bestehen bleiben. Um ehrenamtliches Engagement zu erleichtern, fordert die Partei die Aufhebung der DSGVO. Grundsätzlich will die AfD einer "zentralistischen Orientierung" des Kulturbetriebs entgegenwirken: "Ein Schritt in diese Richtung besteht darin, die Spielräume und die Möglichkeiten der kommunalen Kulturförderung zu vergrößern und kulturpolitische Verantwortung stärker lokal und regional zu verankern."

Die Linke Kulturelle Angebote gehören für die Linke laut Wahlprogramm zu den "Grundelementen des Alltags", der Zugang hierzu muss nach Ansicht der Partei für alle Bürgerinnen und Bürger in Thüringen gesichert sein, egal wo sie leben. Konkret will Linke diskutieren, ob das Projektmanagerprogramm auch für neue Initiativen geöffnet werden kann. Die museale Beratungsfunktion des Museumsverbandes soll gestärkt werden, so soll es auch kleinen Museen und Heimatstuben mit ihren zumeist kommunalen Trägern ermöglicht werden, über Entwicklungsperspektiven nachzudenken. Zudem will die Partei
Kooperationen des ÖPNV mit Kultureinrichtungen unterstützen, um zusätzliche Verkehrsformen zu finanzieren.

CDU-Logo
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CDU Die CDU will laut Wahlprogramm mit einer neuen "Heimatstrategie" strukturschwächere Räume weiter entwickeln, Ziel der Strategie soll es sein, die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen innerhalb Thüringens sicherzustellen. Der Zugang zu Museen, Bibliotheken, Musik- und Kunstschulen soll allen Thüringern ermöglicht werden. So sollen Initiativen der Kommunen zur Etablierung von festen oder mobilen Bibliotheksstandorten unterstützt werden, zudem soll ein Musik- und Jugendkunstschullastenausgleich eingeführt werden. Mit einem "Landesprogramm Brauchtumspflege" soll der Erhalt von örtlichen Traditionen und Brauchtum gefördert werden. Zudem setzen sich die Christdemokraten für ein "Modellprojekt Nightliner" ein: "Damit wollen wir an ausgewählten Freitagen/Samstagen auch in der Nacht nach Veranstaltungen den sicheren und kostengünstigen Transfer nach Hause gewährleisten."

Der Entwurf für das neue FDP-Logos besteht aus drei Farben: Blau, Gelb und Magenta.
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FDP Die Vielfalt kultureller Angebote im Land darf laut FDP nicht gefährdet werden durch "einen Zentralismus in Gestalt der Förderung einiger exklusiver Kulturleuchttürme in Ballungszentren", wie es im Wahlprogramm heißt. Als weicher Standortfaktor gewinne Kultur im ländlichen Raum in Bezug auf die demografische Entwicklung und den Fachkräftemangel an Bedeutung.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial | 24. Oktober 2019 | 18:00 Uhr

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