Lawrenti Beria. Schwarweissportrait eines Mannes mit Brille.
Lawrenti Beria Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Vor 65 Jahren Das Ende des Sowjet-Massenmörders Lawrenti Beria

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Lawrenti Beria. Schwarweissportrait eines Mannes mit Brille.
Lawrenti Beria Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Verbrecherische, partei- und staatsfeindliche Handlungen. Unterminierung des Sowjetstaates im Interesse des ausländischen Kapitals. Verräterische Versuche, das Innenministerium über die Regierung zu stellen. All das wird Lawrenti Beria, kurz zuvor noch Innenminister und erster stellvertretender Premier der Sowjetunion, nun von den Spitzengenossen und vermeintlichen Mitstreitern vorgeworfen.

Darum "fasste das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion den Beschluss, Beria als Feind der Kommunistischen Partei und des Sowjetvolkes aus dem Zentralkomitee der KPdSU und aus den Reihen der Kommunistischen Partei der Sowjetunion auszuschließen", vermeldet der DDR-Rundfunk, womit das politische Ende Berias offiziell wird. Stalins Schlächter – erledigt. Eine Sensation, für Ost wie West.

In allen Ländern glaubte man, Beria, der den ungeheuren Polizeiapparat in der Hand hatte, würde die anderen beseitigen. Nun ist es umgekehrt gekommen: Die anderen haben ihn beseitigt.

Bundeskanzler Konrad Adenauer am 10. Juli 1953

Sein Name steht für den Stalin-Terror

Beria – neben dem Generalissimus die Figur, die für den Stalin-Terror, für die sogenannten Säuberungen, steht. Zahllose Menschenleben hat er auf dem Gewissen. Als gerissen, gebildet und ehrgeizig beschreibt der Historiker Simon Sebag Montefiore in seinem Buch "Stalin – Am Hofe des roten Zaren" den Mann, der ab 1938 das Innenministerium der UdSSR lenkt und ab 1946 zum Mitglied des Politbüros aufsteigt. Aber Montefiore beschreibt ihn auch als intrigant, skrupellos, gewissenlos, psychopathisch.

Das Massaker von Katyn geht genauso auf Berias Rechnung wie die Deportation von Hunderttausenden. In Kämpfen um die Macht geht er im wahrsten Wortsinn über Leichen. Er vergewaltigt Frauen. Foltert höchstselbst den sowjetischen General Wassili Konstantinowitsch Blücher zu Tode. Überhaupt gibt Beria gern an mit seinen Folterkünsten. Er glaubt, jedem Opfer das Gewünschte abpressen zu können.  

Überlassen Sie ihn mir für eine Nacht, dann gesteht er, dass er der König von England ist.

Lawrenti Beria

Als Stalin im März 1953 stirbt, weint Beria Krokodilstränen, denn inzwischen ist der Georgier Gefahr gelaufen, selbst unter die vielen Opfer Stalins eingereiht zu werden. Unter Georgi Malenkow wird er Innenminister und Erster Stellvertretender Ministerpräsident.

Der Angriff auf Beria beginnt

Beria gebiert sich imagebewusst nun als Mann neuen Denkens. Er verfügt eine Amnestie, untersagt das Foltern. Die anderen Spitzengenossen aber beobachten ihn mit Argusaugen. Hat er Dossiers über sie angelegt? Hat er sie nicht alle in der Hand?

Und so wird am 26. Juni auf einer Tagung, angeführt von Nikita Chruschtschow, der Angriff auf Beria gestartet. Der staunt: "Was geht hier vor, Nikita?  Warum versuchst Du, mir etwas anzuhängen?"

Beria, der Meister der Intrige, scheint diese Intrige nicht vorhergesehen zu haben. Der eben noch so mächtige Mann fällt von einem Moment auf den anderen ins Bodenlose. Er wird eingesperrt und kurz vor dem Jahreswechsel erschossen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Juli 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2018, 04:00 Uhr

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