Polizisten stehen in der Werkschauhalle der Baumwollspinnerei zu Beginn der 26. Leipziger Jahresausstellung vor einer Arbeit von Louise Walleneit.
Polizisten stehen in der Werkschauhalle der Baumwollspinnerei zu Beginn der 26. Leipziger Jahresausstellung vor einer Arbeit von Louise Walleneit Bildrechte: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Baumwollspinnerei 26. Leipziger Jahresausstellung geräuscharm eröffnet

Geräuscharm und ohne öffentliche Vernissage hat der Verein den Auftakt seiner Kunstschau gehalten, nachdem es im Vorfeld viel Getöse gab: Der AfD-nahe Künstler Axel Krause sollte in der Schau ausstellen, was verschiedenen Galeristen, Künstlern und Linksaktivisten nicht passte. Schließlich wurde Krause ausgeschlossen, die Ausstellung abgesagt, dann wieder zugesagt, zwischenzeitlich ein Gesprächsforum im Leipziger Bildermuseum anberaumt, dann auch dieses abgesagt. Wie sieht sie nun aus, die 26. Leipziger Jahresausstellung?

von Ulrike Thielmann, MDR KULTUR

Polizisten stehen in der Werkschauhalle der Baumwollspinnerei zu Beginn der 26. Leipziger Jahresausstellung vor einer Arbeit von Louise Walleneit.
Polizisten stehen in der Werkschauhalle der Baumwollspinnerei zu Beginn der 26. Leipziger Jahresausstellung vor einer Arbeit von Louise Walleneit Bildrechte: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Um es gleich vorwegzunehmen: So ganz ohne Bezüge auf die hausgemachte Affäre um den Maler Axel Krause eröffnet die "26. Leipziger Jahresausstellung" nicht. Mit Krauses Ausschluss trägt sie nun den größtmöglichen Schaden in der Sache davon. Eine Aktionswand am Eingang lädt die Besucher ein - schriftlich - ihre Meinung kundzutun.

Zudem reagierte die eingeladene Installationskünstlerin Chloé Piot auf das Hin und Her um Axel Krause mit einer neuen Arbeit, die in der Schau zu sehen ist: "Surren". In einer schwarz ausgekleideten Kammer rotiert ein Lampenschirm, von einer Glühbirne ausgeleuchtet. In gewissen Abständen trägt er Ausstanzungen in sich, in Form eines Ausrufezeichens, dem diesjährigen Motto der Schau. Rainer Schade, Vorstandsvorsitzender des "Leipziger Jahresausstellung e. V." freut sich über Piots Arbeit. Ausrufezeichen ins Dunkel zu werfen, das lässt sich vielseitig interpretieren, u. a. universell oder auch gesellschaftspolitisch.

Ein Blick in den, vor dem Eklat um Krause fertig gewordenen, Katalog zeigt: Der Kunstverein rechnete durchaus mit Konflikten um seine auszustellenden Künstler:

Für eine Exposition, bei welcher man gespannt sein darf, wofür das Ausrufezeichen steht: Kontroverse, Harmonie, Zündstoff, Beliebigkeit oder aufrüttelndes Signal.

Leipzigs OBM Burkhard Jung im "Grußwort" des Ausstellungskatalogs

Zudem wählte man die Frauenrechtlerin Luise Otto-Peters zur Namenspatronin 2019, die 1852 - so steht es im Katalog - formulierte: "Die Kunst gehört nicht nur den Auserwählten, sondern allem Volke, sie gehört hinein ins Leben." Explosive Kost, auch in heutigen Tagen.

15 in Leipzig lebende Künstler stellen aus, ein Drittel davon Frauen

Besucher der 26. Leipziger Jahresausstellung gehen durch den Eingang in die Werkschauhalle.
Besucher der 26. Leipziger Jahresausstellung gehen durch den Eingang in die Werkschauhalle. Das Motto des Ausrufezeichens steht für Kontroverse. Bildrechte: dpa

15 Künstlerinnen und Künstler wurden zur Ausstellung eingeladen, ein reichliches Drittel Frauen. In der Malerstadt Leipzig dominiert Malerei die Schau. Neben bekannten Positionen von Johannes Rochhausen, Rauch-Schüler Robert Seidel, als auch Kunsthochschul-Lehrinstitution Dietrich Burger zeigt die Ausstellung auch Werke von Malerinnen und Malern, die ihre Ausbildungen andernorts durchlaufen haben, jetzt jedoch in Leipzig arbeiten. Darunter Anna Bittersohl, die von Nürnberg nach Leipzig wechselte, und die in Öl auf 2,50 mal 3,20 Metern mit einem alles verpestenden Sumpf im Gebirge aufwartet, dessen Mittelpunkt der Kadaver eines (in einer Schlacht?) aufgerissenen Schimmels bildet.

Bittersohl malt figürlich-abstrahierend, Zeit und Handlung stehen still im Bild, in der faulenden Schwüle des Sumpfes versiegelt. Die ausgebildete Ikonen-Malerin und Rumänin Anamaria Avram befragt in ihren Bildern Zeit, Leben und Tod anhand einer altmeisterlichen Maltechnik, gebrochen durch ultramarinblaue Hände, die ein Eigenleben führen.

Samtig-seidige Bildoberflächen aus der Leipziger Kunsthochschule

Arbeiten der 26. Leipziger Jahresausstellung sind durch eine offene Tür in der Werkschauhalle der Baumwollspinnerei zu sehen.
Die 26. Leipziger Jahresausstellung Bildrechte: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Gewächse der Leipziger Kunsthochschule fallen in der 26. Jahresausstellung durch Bildoberflächenbehandlungen auf, die sinnlich-samtig-seidig gelöst wurden. So verleiht Carl Goering, Meisterschüler von Ingo Meller, seinen geometrischen Flächen eine vibrierende satte Farboberfläche. Daniel Krüger, Meisterschüler von Astrid Klein, hat seine abstrakte Malerei mit einer Oberfläche aus Seidengewebe durchlüftet.

Frank Berger, Mitglied des "Leipziger Jahresausstellung e.V." hält fest: "In der Auswahl der Positionen innerhalb der Malerei schauen wir natürlich auch immer auf unterschiedliche Techniken. Das ist ja dann auch spannend und so sind, nicht durch Zufall, auch zwei Positionen vertreten, die sich mit der Oberfläche beschäftigen, die sich sehr effektvoll aber sehr ästhetisch, auch wenn man verschiedene Blickwinkel einnimmt, die Leinwand zu gestalten vermögen."

Eher wenig Fotografie, Grafik, Plastik und Installation

Vermögen zeigen neben den raren grafischen und fotografischen Arbeiten in der Schau auch die wenigen Plastiken und Installationen. So gibt etwa Felix Leffrank kapriziös und mit spärlichsten Mitteln philosophische Rätsel auf über die Analogien zwischen Grünpflanzen und Kunstwerken. Mit weißen Decken auf einer Stahltribüne agiert die Plastikerin Lucy König, die den Betrachtern die Präsenz der menschlichen Existenz vor Augen führt. Die Decken zeigen die Abdrücke jener Menschen, die gerade noch dort gesessen zu haben scheinen. Danach künden sie fragil vom Bedürfnis nach Schutz und Wärme, das uns allen innewohnt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Juni 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 08:00 Uhr

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