Lesezeit | 18.11.–06.12.2019 Günter de Bruyn: "Der neunzigste Geburtstag" - Schauplatz, Zeit und Personen

Günter de Bruyn erzählt in "Der neunzigste Geburtstag" von einem ungleichen Geschwisterpaar, das in einem märkischen Dorf seinen Lebensabend verbringt. Angaben zu Ort und Zeit der Handlung, sowie eine ausführliche Personenbeschreibung finden Sie hier.

Günter de Bruyn: Der neunzigste Geburtstag – Ein Idyll
Bildrechte: Fischer Verlag

Schauplatz: 

Das kleine von kaum 200 Leuten bewohnte Dorf Wittenhagen im Osten der Mark Brandenburg nahe der realen Kreisstadt Beeskow ist ein vom Autor gewählter fiktiver Ort. Also nicht das vorpommersche Wittenhagen bei Grimmen oder das mecklenburgische Wittenhagen bei Carwitz. Schauplatz im engeren Sinn ist das Gelände des ehemaligen Gutes von Wittenhagen, mit den gebliebenen Gebäuden einer Reithalle und einer 1928 als Altenteil errichteten „Villa“. Das eigentliche aus adliger Zeit stammende Herrenhaus ist abgerissen worden

Zeit der Handlung: 

Sommer 2015 bis Sommer 2016 sowie einem abschließenden Brief aus dem Jahr 2017

Personen:

Das Geschwisterpaar Hedwig und Leo Leydenfrost
Beide wurden 1926 und 1927 in dem inzwischen abgerissenen Gutshaus von Wittenhagen geboren. Das elterliche Gut wurde 1945 enteignet, ihre Mutter starb unter ungeklärten Umständen während der russischen Besatzung, der Vater und Hedwig flüchteten im Herbst 1945 in den Westen.

Nach der deutschen Wiedervereinigung kehrten die beiden Geschwister nach Wittenhagen zurück – Hedwig aus der Bundesrepublik, Leo aus Ost-Berlin – und kauften mit Unterstützung ihres in Spanien lebenden Unternehmer-Onkels Eckhardt Leydenfrost das Altenteil des Gutes – die Villa – um hier am Ort ihrer Kindheit den Lebensabend zu verbringen.

Dr. Hedwig – Hedi –  Leydenfrost, die ein Jahr ältere Schwester
Die vor ihrem 90. Geburtstag stehende ledig gebliebene Kinderärztin – ehemals westdeutsche linke Vorkämpferin der APO (Außerparlamentarische Opposition) und Gründungsmitglied der GRÜNEN. Als die Partei später der Regierung beitrat, legte Hedwig zwar nicht ihre Mitgliedschaft aber ihre aktive Mitarbeit nieder. In den 90er Jahren hat sie ein elternloses Flüchtlingskind aus Bosnien adoptiert, die jetzt bei ihr lebende inzwischen erwachsene Pflegtochter Fatima Müller. Mit ihr gemeinsam ist sie von Hamburg ins brandenburgische Wittenhagen in die inzwischen wieder angekaufte elterliche „Villa“ zurück gesiedelt.

Fatima,
inzwischen Anfang 30, war hier mit 19 von einen sächsischen Regionalpolitiker geehelicht worden, der die Ehe aber bereits nach fünf Jahren wieder auflöste, weshalb sie nach Wittenhagen zurückgekehrt war.

Leonhardt – Leo –  Leydenfrost
Jeglicher Politik abständiger Ost-Berliner Bibliothekar im Ruhestand. Karriere hatte er nicht gemacht, weil er sich vormals geweigert hatte, in die SED einzutreten und überdies wegen der Verbreitung verbotener Bücher ein halbes Jahr im Gefängnis saß. "Sich verordneten Denksystemen anzupassen, hatte Leo also vermieden. Ihm waren die Marxisten und Anarchisten nicht weniger fragwürdig als die Existentialisten und die Kapitalismus-Verehrer gewesen, und wenn damals schon von Islamisten die Rede gewesen wäre, hätte er diese schon ihrer Frauenverachtung und höchst unbequemen Lebensweise wegen abgelehnt."

Leo hatte in unter dem Dach der Kirche tätigen Oppositionsgruppen an der Beendigung des SED-Regimes mitgewirkt, wurde aber nach der deutschen Wiedervereinigung für die Anforderungen des Computer-Zeitalters als untauglich erachtet und floh in eine Frühberentung. Beweglich hält er sich, in dem er regelmäßig zum Grab seiner Frau Maria in den Nachbarort Kossow läuft und unterwegs sein Leben überdenkt.

Wilhelmine Kunze, Leos Tochter,
hatte den Parteischuldirektor Professor Kunze geheiratet, mit ihm den Sohn Walter gezeugt und war schließlich wieder von Prof. Kunze geschieden worden. Auch sie zog mit ihrem inzwischen digitalsüchtigen Sohn nach Wittenhagen zu ihrem Vater Leo, der sich nun ärgert, wie sich seine Tochter Wilhelme von ihrem Chef Erwin Hoffmann, einem ehemaligen Stasi-Offizier und nunmehrigen Unternehmer, unter die Arme greifen lässt.

Luise, Leos Tochter,
hat den im Bereich der DDR-Filmberichterstattung tätigen Borkowski geehelicht, der nach kurzer Bedeutungslosigkeit in Nachwende-Monaten wieder im Mediengeschäft erfolgreich ist.

Rainer Leydenfrost, Leos Sohn,
der sich von seinem Vater kategorisch trennte, als jener den Eintritt seines Sohne in die SED mit Hohn und Kopfschütteln quittierte. Später trat er eine Offizierslaufbahn in der Hauptverwaltung Aufklärung des MfS an, wurde hier ein Experte für die sozialistischen Bruderstaaten der DDR.

Kurt Kulicke,
Erwin Hoffmanns Chauffeur, ehemaliger Panzerfahrer der NVA und späterer Fahrer beim MfS, hatte in dieser Dienstzeit auch ein Jahr lang Leos Sohn, den Major Rainer Leydenfrost, als Fahrer begleitet.

Bauer Noack
Veteran der freiwilligen Ortsfeuerwehr und Besitzer eines Vierseithofes in Wittenhagen, der nach Schließung von Konsum und Kneipe, zum letzten verbliebenen Ort für Nachrichtenaustausch im Dorfe ist.

Seine Tochter Cornelia Noack hat zusammen mit ihrem Bruder Matthias ehemalige Ställe und Scheunen des Vierseithofes zu einer KfZ-Werkstatt und zu "Cornelias Frisieursalon" ausgebaut.

Grit Schmalfuß
ist eine aus Bochum zugezogene, freiberufliche Journalistin für überregionale Zeitungen und hat zusammen mit ihrer Tochter Annalena Schmalfuß und ihrem Gatten Dr. Schmalfuß, einem Juristen, in der Kreisstadt ein Haus mit Seeblick zu ihrer neuen Heimat gemacht. 

Erwin Hoffmann 
ehemaliger Mitarbeiter des MfS, nun Verwalter des auf dem Gutshof Wittenhagen entstandenen Agrarbetriebes und Begründer der „Aktion Neue Heimat“

Claudia Grünlich
stellvertretende Vorsitzende der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN im Brandenburger Landtag.

Die junge Pastorin Anna Merkel,
aus Westphalen ins Brandenburgische gekommen, und, wie sie betont, nicht  verwandt mit der berühmten Merkel.

Carola Hartke
in Berlin-Dahlem lebende Partnerin von Leos Sohn Rainer Leydenfrost.

Clothilde – Thilde – Leydenfrost,
aus Winsen /Luhe zum Geburtstag angereiste Tochter von Hedis und Leos Cousin Heinrich – Henry/ Heini – Leydenfrost.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR-Lesezeit
"Der neunzigste Geburtstag"
Ein ländliches Idyll
Von Günter de Bruyn
Ungekürzte Lesung in 15 Folgen

Es liest: Burghart Klaußner
Regie: Matthias Thalheim
Produktion: MDR 2019 Ursendung

Sendung:
18.11.–06.12.2019 | 09:05-09:35 Uhr

Wiederholung:
18.11.–06.12.2019 | 19:05-19:35 Uhr

Sie können die Folgen dieser Lesezeit hier 28 Tage lang hören.

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2019, 04:00 Uhr

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