Lesezeit | 15.10. - 30.10.2020 James Baldwin: Beale Street Blues

James Baldwin (1924-1987) schrieb über die Lebenswirklichkeit der Afroamerikaner in den USA. Seine Werke sind längst zu Klassikern geworden, seine Worte heute so relevant wie damals. In "Beale Street Blues" erzählt er die Liebesgeschichte eines jungen Paares im Harlem der 70er-Jahre, deren Glück durch die Willkür einer weißen Justiz bedroht wird. Das Werk wurde 2018 als erster Roman Baldwins fürs Kino adaptiert. Bei MDR KULTUR senden wir eine Lesung mit Constanze Becker.

Der US-amerikanische Schriftsteller James Baldwin, 1 April 1972
Der Schriftsteller James Baldwin im April 1972 Bildrechte: imago/Leemage

Anhänger der "Black-Lives-Matter"-Bewegung tragen sein Foto auf T-Shirts und Plakaten. Zitate aus seinen Werken finden sich auf Häuserwänden und werden im Netz geteilt – als Kommentare zu Rassismus und Polizeigewalt im heutigen Amerika. Der US-amerikanische Schriftsteller James Baldwin (1924-1987) war eine wichtige Stimme der Bürgerrechtsbewegung. Mehr als dreißig Jahre nach seinem Tod sind seine Texte von erschreckender Aktualität.

Kiki Layne als Tish, Stephan James als Fonny 26 min
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"Ich wünsche echt niemandem, dass er den, den er liebt, durch eine Scheibe angucken muss", sagt die 19-jährige Tish. Sie besucht ihren Verlobten Fonny, der unschuldig im Gefängnis sitzt, um ihm etwas Wichtiges zu sagen.

MDR KULTUR - Das Radio Do 15.10.2020 09:00Uhr 26:23 min

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Kiki Layne als Tish, Stephan James als Fonny 28 min
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Als Kind musste Fonny jeden Sonntag in die Kirche gehen. Seine Mutter war sehr religiös. Tish erinnert sich daran, wie sie ihn und Mrs. Hunt einmal zum Gottesdienst begleitet hat.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 16.10.2020 09:00Uhr 28:00 min

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Kiki Layne als Tish, Stephan James als Fonny 28 min
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Tish ist froh, dass Fonny die Bildhauerei für sich entdeckt hat. Es gibt ihm Halt in dieser rauen Welt. Nach dem Essen holt Tishs Mutter ein Flasche Cognac hervor, um mit der ganzen Familie auf das neue Leben anzustoßen.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 19.10.2020 09:00Uhr 28:09 min

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Kiki Layne als Tish, Stephan James als Fonny 28 min
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Als Fonny und Tish entdeckten, dass sie mehr als Freundschaft füreinander empfanden, waren beide überrascht. Einige Wochen kam Fonny nicht vorbei. Dann ging er mit Tish aus, die ihn nun mit anderen Augen sah.

MDR KULTUR - Das Radio Di 20.10.2020 09:00Uhr 28:06 min

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Kiki Layne als Tish, Stephan James als Fonny 29 min
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Nach Mrs. Hunts bösartigen Worten über Tish und das Kind hatte Frank sie niedergeschlagen. Danach waren die Männer fortgegangen. Die Frauen blieben alleine in der Wohnung zurück und setzten ihre Auseinandersetzung fort.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 21.10.2020 09:00Uhr 28:34 min

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Kiki Layne als Tish, Stephan James als Fonny 26 min
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Nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht brachte Fonny Tish am Morgen nach Hause. Ihre Familie hatte sich Sorgen gemacht. Fonny entschuldigte sich und bat, Tishs Vater sprechen zu dürfen.

MDR KULTUR - Das Radio Do 22.10.2020 09:00Uhr 26:06 min

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Kiki Layne als Tish, Stephan James als Fonny 27 min
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Fonny hatte zufällig seinen alten Schulfreund Daniel getroffen und mit zu sich nach Hause mitgenommen. Daniel offenbarte ihm, dass er zwei Jahre im Gefängnis saß, für einen Autodiebstahl, den er nicht begangen hatte.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 23.10.2020 09:00Uhr 26:51 min

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Kiki Layne als Tish, Stephan James als Fonny 29 min
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Neben Bell hatte auch das Opfer, Mr. Rogers, Fonny als Täter identifiziert. Fonnys Anwalt hatte sie in Puerto Rico ausfindig gemacht. Jemand aus Tishs Familie sollte zu ihr fahren, damit sie ihre Aussage zurücknahm.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 26.10.2020 09:00Uhr 28:36 min

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Kiki Layne als Tish, Stephan James als Fonny 28 min
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Tish erinnert sich an den Abend, als Fonny das erste Mal mit Officer Bell zusammentraf und von diesem zu Unrecht beschuldigt wurde. Sharon ist nach Puerto Rico geflogen, um Mr. Rogers zu finden.

MDR KULTUR - Das Radio Di 27.10.2020 09:00Uhr 27:49 min

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"Die Beale Street ist unser Erbe"

In seinen Essays, Romanen, Erzählungen und Theaterstücken schrieb Baldwin über die "black experience", darüber, was es heißt, als Schwarzer in einer rassistischen, von Weißen dominierten Gesellschaft zu leben. Es ist auch das Thema seines 1974 erschienenen Romans "Beale Street Blues" (im Original "If Beale Street Could Talk").

Baldwin erzählt darin die traurig-schöne Liebesgeschichte zweier junger Afroamerikaner im Harlem der 70er-Jahre. Tish, 19, und Fonny, 22, kennen sich seit Kindertagen, als junge Erwachsene sind sie ein Paar geworden. Ihre Liebe gibt Ihnen Halt in einer von Armut und Diskriminierung geprägten Welt.

Den Jugendlichen hier war beigebracht worden, dass sie einen Dreck wert waren und alles was sie um sich sahen, bewies ihnen das. Sie kämpften, sie kämpften, aber sie starben wie die Fliegen, und sie versammelten sich auf den Müllhalden ihres Lebens – wie Fliegen.

James Baldwin Beale Street Blues

Fonny, der eigentlich Alonzo heißt, ist anders als die meisten Männer seines Alters. Er trinkt nicht, nimmt keine Drogen, ist nicht kriminell. Eine Ausbildung zum Tischler hat er abgebrochen, um sich seiner Leidenschaft, der Bildhauerei, zu widmen. Er habe seinen eigenen Mittelpunkt in sich gefunden, sagt Tish, die Ich-Erzählerin des Romans. Die beiden wollen heiraten, haben sogar ein Loft in einem besseren Stadtviertel gefunden.

Dann wird Fonny fälschlicher Weise von einem rassistischen Polizisten beschuldigt, eine Puerto-Ricanerin vergewaltigt zu haben und muss ins Gefängnis. Tish, die kurz darauf feststellt, dass sie schwanger ist, verspricht Fonny, ihn rauszuholen, bis das Kind geboren wird. Ihre Familie und Fonnys Vater versuchen mit allen Mitteln, seine Unschuld zu beweisen. Doch gegen die Willkür einer korrupten Polizei und Justiz sind sie nahezu machtlos.

Teyonah Parris, KiKi Layne und Regina King
Szenenbild aus dem Film "If Beale Street Could Talk" mit Teyonah Parris, KiKi Layne und Regina King Bildrechte: imago/Prod.DB

Fonnys Schicksal ist kein Einzelfall. Auch sein Freund Daniel saß zwei Jahre im Gefängnis - für einen Autodiebstahl, den er nicht begangen hat. "Der weiße Mann muss der Teufel sein." sagt er über das, was ihm dort angetan wurde.

Präzise und schonungslos beschreibt Baldwin die Lebenswirklichkeit seiner Protagonisten. Dabei stellt er dem Häßlichen auch das Schöne gegenüber, der Angst den Mut, der Gewalt Momente tiefer Menschlichkeit. Da ist Tishs Familie, die sie auffängt und trägt, so dass Tisch wiederum Fonny Kraft und Zuversicht geben kann. Da ist die Freude auf das gemeinsame Kind. Und da ist das Wunder ihrer unerschütterlichen Liebe. Die titelgebende "Beale Street" ist Sinnbild für die Gesamtheit der afroamerikanischen Erfahrung.

Jeder in Amerika geborene Schwarze ist in der Beale Street geboren. Die Beale Street ist unser Erbe. Dieser Roman handelt von der Unmöglichkeit und von der Möglichkeit, von der absoluten Notwendigkeit, diesem Erbe Ausdruck zu geben. Die Beale Street ist eine laute Straße. Es bleibt dem Leser überlassen, aus dem Schlagen der Trommeln den Sinn herauszuhören.

James Baldwin über seinen Roman "Beale Street Blues"

Der Schriftsteller James Baldwin

James Baldwin, 1924 in Harlem geboren, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach seinem Schulabschluss verdiente er seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten, um sich dem Schreiben zu widmen. Er verfasste Essays und Rezensionen für namhafte Zeitschriften. Weil er die Rassendiskriminierung in New York nicht mehr ertrug, ging er 1948 nach Paris. Mit dem hier entstandenen, 1953 veröffentlichten Debütroman "Go Tell It on the Mountain" ("Gehe hin und verkünde es vom Berge", "Von dieser Welt") gelang ihm der literarische Durchbruch.

1957 kehrte Baldwin in die USA zurück und engagierte sich in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Sein 1963 erschienener Essayband "The Fire next time" ("Hundert Jahre Freiheit ohne Gleichberechtigung") erregte weltweit Aufmerksamkeit. In dem darin enthaltenen Brief an seinen Neffen zum hundertsten Jahrestag der Sklavenbefreiung schrieb er: "Dieses Land feiert hundert Jahre Freiheit hundert Jahre zu früh." Nach den tödlichen Anschlägen auf Martin Luther King und Malcolm X, den Leitfiguren der Bürgerrechtsbewegung, ging Baldwin 1970 wieder nach Frankreich. Hier erlag er 1987 einer Krebserkrankung.

Zu seinen bekannten Werken gehören außerdem die Romane "Giovanni's Room" (1956; "Giovannis Zimmer") und "Another Country" (1962; "Eine andere Welt"), sowie die Essaysammlungen "Notes of a Native Son" (1955) und "Nobody Knows My Name" (1961).

International für Furor sorgte Raoul Pecks Essayfilm über James Baldwin "I Am Not Your Negro" (2017). "If Beale Street Could Talk" wurde 2018 als erster Roman Baldwins vom Oscar prämierten "Moonlight"-Regisseur Barry Jenkins verfilmt.

Die Schauspielerin Constanze Becker

Constanze Becker, geboren 1978 in Lübeck, absolvierte ihre Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch". Anschließend spielte sie am Schauspiel Leipzig, in Düsseldorf und am Deutschen Theater Berlin und arbeitete u. a. mit Jürgen Gosch, Michael Thalheimer und Karin Henkel zusammen. 2008 wurde sie von "Theater heute" zur "Schauspielerin des Jahres" gewählt.

Seit 2009 ist sie Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt, wo sie u. a. in "Medea", "Penthesilea" und "Zwei Uhr nachts" zu sehen ist. Für ihre Darstellung der Medea in der Inszenierung von Michael Thalheimer erhielt sie den Gertrud-Eysoldt-Ring und den Deutschen Theaterpreis "Der Faust". 2013 gab sie mit Marieluise Fleißers "Fegefeuer in Ingolstadt" ihr Regiedebüt.

Angaben zur Sendung

MDR KULTUR-Lesezeit
"Beale Street Blues" (12 Folgen)
Von James Baldwin

Es liest: Constanze Becker
Produktion: HR 2018

Sendung: 15.10. - 30.10.2020 | 09:05-09:35 Uhr
Wiederholung: 15.10. - 30.10.2020 | 19:05-19:35 Uhr

Die Folgen dieser Lesezeit stehen hier 14 Tage zum Hören bereit.

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