Lesezeit | 18.05. - 22.05.2020 Ilja Richter liest "Wie ein Theaterstück entsteht" von Karel Čapek

Was es bedeutet, ein Stück auf die Bühne zu bringen, war dem großen tschechischen Autor Karel Čapek (1890-1938) bestens bekannt. Anfang der 20er-Jahre wirkte er als Regisseur und Dramaturg am Prager Weinberge-Theater, mit seinem Science-Fiction-Drama "R.U.R" eroberte er die Bühnen Europas. In seinem amüsanten Text von 1925 schildert Čapek das wilde Tohuwabohu hinter den Kulissen des Theaterbetriebs. Es liest Ilja Richter.

Der Schauspieler Ilja Richter im MDR Hörspielstudio
Der Schauspieler Ilja Richter im MDR Hörspielstudio Bildrechte: MDR/ Marco Prosch

Nur vom Theaterhandwerk und seinen Rätseln und Wundern sei hier die Rede, nicht von der dramatischen Kunst und ihren Geheimnissen, versichert Karel Čapek (1890-1938) jedem, der dieses 1925 entstandene Buch liest. Wer mit der Bühne so vertraut ist wie der große tschechische Romancier und Dramatiker, der sich schon in den frühen Zwanziger Jahren am Prager Weinberge-Theater seine Sporen als Dramaturg und Regisseur verdiente, kann natürlich mit boshaft funkelndem Witz jene Welt glossieren, deren schönen Schein der Zuschauer vom Parkett aus bewundert.

Dornenreicher Werdegang eines Stücks

Genüsslich folgt Čapek dem dornenreichen Werdegang eines Stückes, das der Autor hoffnungsvoll beim Dramaturgen abliefert: von den katastrophenreichen Lese- und sonstigen Proben über das Gerangel um die Besetzung, die Querelen zwischen Regisseur, Autor und Schauspielern, deren Launen und Lampenfieber für weitere Komplikationen sorgen, bis zum Gestrüpp der Bühnentechnik, in dem sich die Aufführung immer wieder verheddert. Geht der Vorhang schließlich mit Hilfe eines Heers von Mitarbeitern zur Premiere auf, dann ist das aus der Nähe so abstoßend schmutzige, fettige Gesicht der Mimen plötzlich strahlend schön, ist die grob bemalte Kulisse eine Zauberlandschaft, Blech zu Gold und Werg zum Barte des Propheten geworden. Das Theater ist eben eine Stätte der Wunder, meint Karel Čapek seufzend, "das größte Wunder ist allerdings, dass es überhaupt funktioniert".

Wenn sich abends um halb acht der Vorhang hebt, dann seien Sie sich bewußt, dass das ein glücklicher Zufall, ja ein Mirakel ist.

Karel Čapek Wie ein Theaterstück entsteht

Der Autor Karel Čapek

Karel Capek, 1927
Der Schriftsteller Karel Čapek, 1927 Bildrechte: imago images / CTK Photo

Karel Čapek, am 9. Januar 1890 als drittes Kind eines Landarztes in Malé Svatonovice geboren, studierte nach dem Abitur an den Universitäten von Prag, Paris und Berlin Philosophie. Ein Rückenleiden bewahrte ihn im Ersten Weltkrieg vor dem Militärdienst. Zusammen mit seinem Bruder Josef arbeitete er als Journalist bis 1920 bei den Prager Volksblättern. Im selben Jahr lernte er seine spätere Ehefrau Olga Scheinpflugova kennen.

Zu Čapeks international bekannten Werken gehören das utopische Drama "R.U.R." (Rossumovi Universální Roboti, 1920), sowie die Science-Fiction-Romane "Krakatit" (1922), "Der Meteor (1934) und "Der Krieg mit den Molchen" (1936). Im Čapeks Drama "R.U.R" tauchte erstmals der von seinem Bruder Josef geprägte Begriff Roboter (tschechisch robot) als Bezeichnung für einen menschenähnliche Maschine auf. Josef Čapek, der auch "Wie ein Theaterstück entsteht" illustrierte, kam im April 1945 im KZ Bergen-Belsen ums Leben. Karel Čapek starb am 25. Dezember 1938 an einer Lungenentzündung in Prag.

Der Sprecher Ilja Richter

Ilja Richter, 1952 in Berlin geboren, wurde in jungen Jahren mit der ZDF-Musiksendung "Disco" bekannt, die er von 1971 bis 1982 moderierte. Nach 1977 begann er als Theaterschauspieler und Regisseur zu arbeiten, z. B. im Ensemble des Bremer Schauspielhauses. Darüber hinaus war er als Kolumnist für diverse Tageszeitungen und Magazine aktiv - und arbeitete als Synchronsprecher. Für MDR KULTUR stand er in Hörspielen vor dem Mikrofon - in Schillers "Kabale und Liebe" (2005), in Eberhard Petschinkas "Santo Subito" (2007), in Michael Endes "Das Traumfresserchen" (2006) oder Daniel Kehlmanns "Der Mentor" (2014). Auch in der Lesezeit war er regelmäßig zu hören, u. a. in Karl Emil Franzos' "Verschollene Fürstenstadt Zerbst-Dessau-Wörlitz" (2013) oder Dietrich Fischer-Dieskaus "Goethe als Intendant" (MDR 2014), zuletzt in Jörg Sobiellas "Weimar 1919".

Angaben zur Sendung MDR KULTUR-Lesezeit
"Wie ein Theaterstück entsteht"
Von Karel Čapek (4 Folgen)

Es liest Ilja Richter

Übersetzung: Karl-Heinz Jähn
Redaktion und Regie: Matthias Thalheim
Produktion: MDR 2020 (Erstsendung)

Sendung:
18.05. - 22.05.2020 | 09:05-09:35 Uhr

Wiederholung:
18.05. - 22.05.2020 | 19:05-19:35 Uhr

Die Folgen dieser Lesezeit stehen hier 1 Jahr lang zum Hören bereit. Am 21. Mai (Christi Himmelfahrt) wird keine Lesezeit gesendet.

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Karel Capek: Wie ein Theaterstück entsteht
Bildrechte: Unionsverlag

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Karel Čapek: Wie ein Theaterstück entsteht

Mit 47 Zeichnungen von Josef Čapek
Aus dem Tschechischen von Otto Pick und Vincy Schwarz
Unionsverlag Februar 2012
ISBN: 978-3293004436
13, 95 Euro

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