Max von Sydow und Pelle Hvenegaard in Pelle der Eroberer
Max von Sydow und Pelle Hvenegaard in Bille Augusts Verfilmung von Nexøs Roman "Pelle der Eroberer" Bildrechte: imago/Prod.DB

Lesezeit | 24.06.- 28.06.2019 Martin Andersen Nexø: "Pelle der Eroberer"

Vor 150 Jahren wurde der dänische Dichter Martin Andersen Nexø in Kopenhagen geboren. Er stammte selbst aus ärmlichen Verhältnissen und beschrieb in seinen Werken das harte Leben der einfachen Menschen. Seine letzten Lebensjahre verbachte er in Dresden. In der Lesezeit senden wir Nexøs bekanntesten Roman "Pelle, der Eroberer" in einer fünfteiligen Hörspielfassung. Es sprechen Helmut Lange, Hilmar Thate, Ute Lubosch und andere.

Max von Sydow und Pelle Hvenegaard in Pelle der Eroberer
Max von Sydow und Pelle Hvenegaard in Bille Augusts Verfilmung von Nexøs Roman "Pelle der Eroberer" Bildrechte: imago/Prod.DB

In seiner Gratulation zum 80. Geburtstag des Dichters Martin Andersen Nexø im Jahr 1949 drückte Thomas Mann seine Anerkennung für dessen "starkes und mildes Lebenswerk" aus, "diesem Werk eines Sozialisten des Herzens, das der Stolz Dänemarks und ein moralischer Besitz ganz Europas ist."

Martin Andersen Nexø, 1952
Martin Andersen Nexø, 1952 Bildrechte: Martin-Andersen-Nexö-Gedenkstätte

Der Weg zur Schriftstellerei war steinig für den 1869 in einem Arbeiterviertel von Kopenhagen geborenen Martin Andersen. 1879 zog die Familie nach Nekso auf der Insel Bornholm, in den Ort, dessen Namen der Dichter später annahm. Martin Andersen arbeitete hier als Hütejunge und Stallknecht und begann eine Schuhmacherlehre. Trotz der entbehrungsreichen Kindheit und Jugend gelang es ihm nach dem Besuch der Bornholmer Volkshochschule, selbst Lehrer zu werden.

1893 erkrankte er an Tuberkulose und unternahm anschließend eine zweijährige Erholungsreise nach Spanien und Italien. In dieser Zeit entstanden erste literarische Versuche. Geprägt durch seine Herkunft ließ Nexø in seinen Werken die Menschen aus dem einfachen Volk lebendig werden. In seinem bekanntesten Roman "Pelle, der Eroberer", geschrieben zwischen 1906 und 1910, verarbeitete er seine Kindheitserlebnisse auf der dänischen Insel Bornholm.

Pelle der Eroberer

Pelle ist erst sieben Jahre alt, als seine Mutter nach langer Krankheit stirbt. Sein einziger Halt im Leben ist nun Vater Lasse. Der will ein neues Leben beginnen und wagt mit seinem Sohn die Überfahrt von Schweden auf die dänische Insel Bornholm.

Vater Lasses Augen leuchteten immer so, wenn er von der Insel sprach. Er sah dann ganz jung aus, nicht wie einer, der bald stirbt.

Martin Andersen Nexø Pelle der Eroberer

An einem nebligen Morgen kommen Pelle und Lasse mit dem Schiff auf Bornholm an. Die Bauern begutachten die Arbeitskräfte. Doch niemand will einen ausgezehrten älteren Mann mit einem kleinen Jungen. Schließlich nimmt man sie auf dem berüchtigten Steinhof, wo der Verwalter mit Schlägen und Repressalien regiert, und die Nächte vom Weinen der Gutsherrin erfüllt sind. Obwohl Pelle seinem Vater viele Stunden am Tag im Kuhstall zur Hand geht, scheint ihm keiner von den Knechten und Mägden zu gönnen, dass der Hof für ihn auch ein Abenteuer ist, bei dem es wundersame Dinge zu entdecken gibt. Der Schlimmste von allen ist der Landwirtschaftseleve, ein fünfzehnjähriger dänischer Bengel, vor dem ihn auch Vater Lasse nicht beschützen kann. Pelle muss lernen, für sich selbst zu sorgen.

Jetzt, wo der Vater nicht mehr hinter ihm stand, glich er einer kleinen Pflanze, die ins freie Land hinausgepflanzt wurde und die einen harten Kampf kämpfte, um die Natur ihrer Umgebung zu erkennen und sich ihr anzupassen. Mit jeder Wurzelfaser, die Fühlung mit dem Erdboden bekam, sank eines der zarten Blätter zur Erde und zwei kräftige sprossen dafür auf.

Martin Andersen Nexø Pelle der Eroberer

Zwischen den verbitterten und oft gewalttätigen Erwachsenen auf dem Steinhof erfindet der Junge Pelle sein Leben und wächst an dessen Widrigkeiten. Trotzdem wird es sieben Jahre dauern, bis er den Hof verlässt, um in die Welt und in ein neues Leben aufzubrechen, von dem er mehr erwartet, als für ein bisschen Salzhering und Suppe vierzehn Stunden täglich zu arbeiten, so wie Vater Lasse es ein Leben lang getan hat.

Pelles Kindheit war glücklich gewesen trotz allem; [...] nichts hatte ihm etwas anhaben können. Mit der Gier des Kindes hatte er alles aufgenommen, um daran zu wachsen und zu erstarken.

Martin Andersen Nexø Pelle der Eroberer

Bilder aus dem Hörspielstudio Martin Andersen Nexø: "Pelle der Eroberer"

Karl Stichler (als Rud) und Frowin Wolter (als Pelle) bei der Hörspielproduktion "Pelle der Eroberer" nach dem Roman von Martin-Andersen-Nexö im Hörspielstudio des MDR (2004).
Mit Rud (Karl Stichler, links) dem Sohn der Trinkerin Johanne, kann Pelle (Frowin Wolter) sich die verrücktesten Spiele ausdenken. Bildrechte: MDR/Mahmoud Dabdoub
Karl Stichler (als Rud) und Frowin Wolter (als Pelle) bei der Hörspielproduktion "Pelle der Eroberer" nach dem Roman von Martin-Andersen-Nexö im Hörspielstudio des MDR (2004).
Mit Rud (Karl Stichler, links) dem Sohn der Trinkerin Johanne, kann Pelle (Frowin Wolter) sich die verrücktesten Spiele ausdenken. Bildrechte: MDR/Mahmoud Dabdoub
Cornelius Lipp (Pelle als älteres Kind) und Odi Zahavi (Pelle als Halbwüchsiger) bei der Hörspielproduktion "Pelle der Eroberer" nach dem Roman von Martin Andersen Nexö im Hörspielstudio des MDR (2004)
Die Rolle des Pelle wurde mit drei Jungen unterschiedlichen Alters besetzt. Neben Frowin Wolter spielten Cornelius Lipp (Pelle als älteres Kind, links) und Odi Zahavi (Pelle als Halbwüchsiger, rechts). Bildrechte: MDR/Mahmoud Dabdoub
Cornelius Lipp (als Pelle) und Hilmar Thate (als Lasse) bei der Hörspielproduktion "Pelle der Eroberer" nach dem Roman von Martin-Andersen-Nexö im Hörspielstudio des MDR (2004).
Martin Andersen Nexø hat in der ergreifenden Vater-Sohn-Geschichte auch eigene Kindheitserlebnisse verarbeitet. Im Bild: Cornelius Lipp als Pelle und Hilmar Thate als Vater Lasse Bildrechte: MDR/Mahmoud Dabdoub
Thomas Dehler als Per, Hilmar Thate als Lasse, Susanne Barth als Karna, Cornelius Lipp als Pelle und Anja Schneider als Sara bei der Hörspielproduktion "Pelle der Eroberer" nach dem Roman von Martin-Andersen-Nexö im Hörspielstudio des MDR (2004).
Nexö erzählt in seinem Roman vom harten Leben der Landarbeiter auf Bornholm. Im Bild: Thomas Dehler als Per, Hilmar Thate als Lasse, Susanne Barth als Karna, Cornelius Lipp als Pelle und Anja Schneider als Sara Bildrechte: MDR/Mahmoud Dabdoub
Regisseur Götz Fritsch mit Kindern vom Sprecherensemble bei der Hörspielproduktion "Pelle der Eroberer" nach dem Roman von Martin Andersen Nexö im Hörspielstudio des MDR (2004)
Regisseur Götz Fritsch mit Kindern vom Sprecherensemble bei der Hörspielproduktion "Pelle der Eroberer" Bildrechte: MDR/Mahmoud Dabdoub
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Der Schriftsteller Martin Andersen Nexø

Martin Andersen Nexø wurde am 26. Juni 1869 in Kopenhagen geboren und verbrachte seine Kindheit auf der Insel Bornholm. Ab 1901 lebte er als freier Schriftsteller. Seit 1910 unternahm er längere Reisen nach Deutschland, wo er von 1923 bis 1929 seinen festen Wohnsitz hatte und sich großer Popularität erfreute. 1925 heiratete er in dritter Ehe Johanna May aus Karlsruhe.

Der politisch engagierte Schriftsteller hatte sich 1918 von der Sozialdemokratie in Dänemark getrennt und dem Kommunismus zugewandt. Er engagierte sich im Kampf gegen Faschismus und Krieg und nahm an den Internationalen Schriftstellerkongressen "Zur Verteidigung der Kultur" 1935 in Paris und 1937 in Madrid teil.

Ehemaliger Wohnsitz des Dichters Martin Andersen Nexö in Dresden
Ehemaliger Wohnsitz des Dichters Martin Andersen Nexø in Dresden Bildrechte: IMAGO

1941, während der deutschen Besetzung Dänemarks, wurde Nexø verhaftet, konnte aber über Schweden fliehen und lebte ab 1944 im Exil in Moskau. Er hatte die Sowjetunion 1922 erstmals bereist und begeisterte Reiseschilderungen verfasst. 1945 kehrte Nexø nach Dänemark zurück. 1951 übersiedelte er in die DDR und lebte mit seiner Familie in Dresden. Hier starb Martin Andersen Nexø am 1. Juni 1954. Vier Tage später wurde er in Kopenhagen beigesetzt.

Der erste Band seines weltbekannten Romans "Pelle der Eroberer" wurde 1987 von Bille August mit Pelle Hvenegaard als Pelle und Max von Sydow als Vater Lasse verfilmt. Das Werk erhielt zahlreiche Filmpreise, darunter die Goldene Palme in Cannes und den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Beim MDR entstand im Jahr 2004 eine mehrteilige Hörspielfassung der berührenden Vater-Sohn-Geschichte unter der Regie von Götz Fritsch.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR Lesezeit
Zum 150. Geburtstag von Martin Andersen Nexø am 26. Juni:
"Pelle der Eroberer"
Hörspiel in fünf Teilen nach dem gleichnamigen Roman von Martin Andersen Nexø

Hörspielbearbeitung: Caren Fischer
Musik: Das blaue Einhorn, Dresden
Regie: Götz Fritsch
Produktion: MDR 2004

Sendung:
24.06.- 28.06.2019 | 09:05-09:35 Uhr

Wiederholung:
24.06.- 28.06.2019 | 19:05-19:35 Uhr

Sie können die Folgen dieser Lesezeit hier 28 Tage lang hören.

Besetzung Frowin Wolter - Pelle als Kind
Cornelius Lipp - Pelle als älteres Kind
Odi Zahavi - Pelle als Halbwüchsiger
Hilmar Thate - Lasse
Hellmut Lange - Erzähler
Hilmar Eichhorn - Herr Kongstrup
Ramona Libnow - Frau Kongstrup
Dieter Bellmann - Verwalter
Ute Lubosch - Madam Olsen
Katarina Tomaschewsky - Johanne
Käte Koch - Kaufmannsfrau
Wolfgang Jakob - Lehrer Fries
Günter Grabbert- Alter Köller
in weiteren Rollen: Lars Jung, Bärbel Röhl, Susanne Bard, Götz Schulte, Jörg Malchow u.v.a.

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2019, 04:00 Uhr

Martin Andersen Nexø: Pelle der Eroberer
Bildrechte: Aufbau Verlag

Buchtipp Martin Andersen Nexø: "Pelle der Eroberer"

Martin Andersen Nexø: "Pelle der Eroberer"

E-Book, 1.309 Seiten
Aufbau Digital 2019
ISBN: 978-3841212153
7,99 Euro

Martin Andersen Nexø: Pelle der Eroberer - Hörspiel
Bildrechte: Der Audio Verlag

Hörbuchtipp Martin Andersen Nexø: "Pelle der Eroberer"

Martin Andersen Nexø: "Pelle der Eroberer"

Hörspiel mit Hilmar Thate, Hellmut Lange u.v.a
2 CDs, Laufzeit: 150 Minuten
Der Audio Verlag 2004
ISBN 3-89813-320-6
nur antiquarisch erhältlich

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